Wirtschaft

Geheimnisumwobene Datenfirma Palantir plant ungewöhnlichen Börsengang

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Peter Thiel ist einer der Gründer von Palantir.

(Foto: AP)

Über Palantir war bisher vor allem bekannt, dass die Firma starke Software zur Datenanalyse besitzt, die sie Militär, Polizei und Geheimdiensten zur Verfügung stellt. Mit dem Gang an die Börse werden erstmals auch Geschäftszahlen bekannt.

Die für die CIA und andere Geheimdienste arbeitende Datenanalysefirma Palantir will per Direktplatzierung an die Börse gehen. Experten trauen dem Unternehmen, das 2003 von dem in Deutschland geborenen Finanzinvestor und Donald-Trump-Unterstützer Peter Thiel mitgegründet wurde, einen der größten Börsengänge in der Corona-Krise zu.

Mit der selten gewählten Direktplatzierung tritt Palantir in die Fußstapfen des Musikstreaminganbieters Spotify, der diesen Weg 2018 wählte. Im Gegensatz zum herkömmlichen Börsengang werden keine neuen Aktien ausgegeben, sondern in den Handel kommen die Papiere, die bestehende Aktionäre verkaufen.

Palantir - der Name stammt aus einer Bezeichnung aus der Buchreihe "Herr der Ringe" - hat sich darauf spezialisiert, große Datenmengen zu analysieren. Mit dem Silicon Valley steht das Unternehmen auf Kriegsfuß. Erst kürzlich hat es angekündigt, den Hauptsitz nach Denver zu verlagern. Der in Frankfurt am Main geborene Thiel, der zu den Mitgründern des Online-Bezahldienstes Paypal und den ersten Investoren von Facebook gehört, gründete das Unternehmen zusammen mit Alexander Karp und ist heute Chairman, während Karp die Firma leitet.

Palantir ist spezialisiert auf Datenanalyse und arbeitet viel mit Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten zusammen, vor allem in den USA. Auch deshalb hielt sich das Unternehmen stets sehr bedeckt, was sein Geschäft und seine Kunden angeht. Mit dem Gang an die Börse werden nun zumindest die Geschäftszahlen offengelegt.

Hohe Verluste

Aus dem Börsenprospekt geht hervor, dass Palantir das vergangene Jahr mit roten Zahlen von rund 590 Millionen US-Dollar abschloss - 2018 war es ein Minus von fast 600 Millionen Dollar. Dabei stieg der Umsatz 2019 um ein Viertel auf knapp 743 Millionen Dollar.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres hatte Palantir demnach 125 Kunden, "darunter einige der größten und bedeutendsten Institutionen der Welt". Das Unternehmen wurde 2003 gegründet - und die erste Software-Plattform mit dem Namen "Gotham" wurde speziell für Analysten beim Militär und in Geheimdiensten entwickelt, um große Datenmengen auszuwerten. "Sie suchten nach Nadeln nicht in einem, sondern in Tausenden Heuhaufen", beschreibt es Palantir in dem Börsenprospekt.

Die zweite Software, "Foundry", dient auch zur Datenanalyse in Unternehmen. Airbus nutze sie als seine "Kern-Datenplattform". Aus der Partnerschaft mit dem Flugzeugbauer habe sich eine Plattform für die gesamte Branche entwickelt, die Daten von mehr als 100 Airlines und 9000 Flugzeugen zusammenführe. Zu den weiteren Unternehmenskunden gehören der Darmstädter Merck-Konzern, der Autobauer Fiat Chrysler, der Ölkonzern BP und die Bank Credit Suisse. Im vergangenen Jahr kamen noch 47 Prozent der Erlöse von Regierungskunden.

Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Palantir-Umsatz im Jahresvergleich um 49 Prozent auf rund 481 Millionen Dollar. Dabei brachten die drei größten Kunden 29 Prozent der gesamten Erlöse ein. Unterm Strich ergab sich ein Verlust von knapp 165 Millionen Dollar. Rechne man den Effekt der Mitarbeiter-Vergütung mit Aktien heraus, wären laut Palantir schwarze Zahlen von gut 17 Millionen Dollar übrig geblieben.

Thiel hält dem Börsenprospekt zufolge 29,8 Prozent an Palantir - zudem liegen 12,7 Prozent bei seinem Startup-Finanzierer Founders Fund. Karp kontrolliert 9,3 Prozent.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa