Wirtschaft

Untere Hälfte profitiert kaum Pandemie mehrt Vermögen der Vermögenden

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Wer vor der Pandemie schon mehr Geld hatte, verfügte über die besseren Chancen, dieses während der Pandemie zu mehren.

(Foto: picture alliance / Karl Schöndorfer / picturedesk.com)

Unterm Strich gesehen kommen die Menschen in Deutschland wunderbar durch die Pandemie - zumindest finanziell gesehen. Das legt der neue Vermögensbericht der Bundesbank nahe. Doch schaut man genauer hin, zeigt sich ein anderes Bild.

Trotz der Corona-Krise sind die Menschen in Deutschland in der Summe so reich wie noch nie. Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Form von Bargeld, Wertpapieren, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen belief sich Ende 2020 auf den Rekordwert von 6,95 Billionen Euro, wie die Deutsche Bundesbank in Frankfurt mitteilte. Das waren 211 Milliarden Euro oder 3,1 Prozent mehr als im dritten Quartal 2020. Menschen legten den Angaben nach in der Krise Geld auf die hohe Kante, zugleich profitierten sie vom Boom an den Aktienmärkten. Wie die gewaltige Summe von fast 7 Billionen Euro genau verteilt ist, geht aus den Daten nicht hervor.

Allerdings zeigte Anfang März der Entwurf für den sechsten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, dass Millionen von Menschen während der Pandemie Einbußen erleiden mussten. Laut "Süddeutscher Zeitung" betraf dies 15,5 Millionen Haushalte, in denen vor allem Normal- und Geringverdiener lebten. Besonders betroffen seien Selbstständige. Die mit der Pandemie verbundenen Einkommensrisiken seien in den unteren Einkommensbereichen größer, auch weil diese Menschen "wenig Rücklagen oder andere finanzielle Spielräume" haben.

Laut dem Bericht verfügt die untere Hälfte der Verteilung nur über rund ein Prozent des gesamten Nettovermögens, während die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich vereinten. Das legt nahe, dass die untere Hälfte der Bevölkerung an den Vermögensgewinnen während der Pandemie kaum Anteil gehabt haben dürfte.

Aktien trugen zum Vermögenswachstum bei

Dazu passt, dass laut nun vorgelegtem Bericht der Bundesbank, zuletzt vor allem jene profitierten, die schon in Aktien oder andere Anlageformen investiert hatten. "Im Einzelnen standen hinter der Zunahme des Geldvermögens insbesondere der Anstieg von Bargeld und Einlagen in Höhe von insgesamt 74 Milliarden Euro sowie die Bewertungsgewinne bei den Aktien und sonstigen Anteilsrechten (61 Mrd.)", erläuterte die Bundesbank.

Die eigentlich als eher börsenscheu geltenden Sparer investierten außerdem stärker in Aktien oder Fonds. "Die privaten Haushalte blieben im vierten Quartal auf dem Kapitalmarkt sehr aktiv", erklärte die Bundesbank. Im Zeitraum Oktober bis Ende Dezember 2020 kauften private Haushalte unter dem Strich Aktien und Investmentfondsanteile im Umfang von insgesamt 21 Milliarden Euro.

Wie schon in der Vergangenheit nutzen die Menschen die Niedrigzinsen, um sich billig Geld zu leihen, insbesondere über Wohnungsbaukredite. Nach Abzug der Schulden stieg das Geldvermögen um 187 Milliarden auf rund 4,99 Billionen Euro. Die Bundesbank berücksichtigt bei der Berechnung Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen - nicht jedoch Immobilien.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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