Wirtschaft

Nicht nur moralische Gründe Pfizer verweigert Lieferung von Giftspritzen

Menschenrechtler sprechen von einem Meilenstein: Der US-Pharmariese Pfizer will künftig verhindern, dass seine Mittel für Todesspritzen verwendet werden. Das stellt viele Bundesstaaten vor große Probleme.

Der US-Pharmariese Pfizer entschließt sich zu einem Aufsehen erregenden Schritt. Künftig möchte der Konzern verhindern, dass seine Mittel für Hinrichtungen verwendet werden. Man wolle Großhändler streng kontrollieren, damit diese sieben giftige Chemikalien nicht an einen der 32 US-Bundesstaaten verkaufen, die die Todesstrafe anwenden.

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"Pfizer stellt seine Produkte her, um das Leben der Patienten zu retten", hieß es in einer Stellungnahme. Man missbillige den Gebrauch seiner Produkte für Todesspritzen." Darüber berichtet die "New York Times".

Demnach handeln bereits 20 andere Pharmaunternehmen aus den USA und Europa nach der gleichen Maßgabe. Dennoch gilt der Schritt angesichts von Pfizers Marktmacht als Meilenstein. Laut Maya Foa von der Menschenrechtsorganisation Reprieve haben nun alle in den USA anerkannten Hersteller der erforderlichen Chemikalien den Verkauf zum Zwecke einer Hinrichtung blockiert, heißt es in dem Bericht der "Times". Die Bundesstaaten müssten nun "in den Untergrund", um die Mittel zu besorgen, so Foa.

Rechtliche Schwierigkeiten

Seit Jahren sinkt die Zahl der Hinrichtungen mit Todesspritzen. 1999 habe es 98 gegeben, im vergangenen Jahr waren es nur noch 28. Fehlgeschlagene Exekutionen und illegale Versuche die Zutaten anderswo auf dem Weltmarkt zu besorgen, haben die Staaten in rechtliche Schwierigkeiten gebracht.

Die oft unklare Herkunft der Zutaten von nicht in den USA zugelassenen Unternehmen ruft die Anwälte der Verurteilten auf den Plan. Sie argumentieren, dass so nicht gewährleistet sei, dass die Todesspritzen unnötiges Leiden verhindern.

Der Pharmakonzern erklärte seinen Schritt mit "moralischen und geschäftlichen Gründen". "Pfizer riskiert seinen Ruf, wenn es die Mittel für Hinrichtungen bereitstellt", sagte Thomas P. DiNapoli, Bilanzkontrolleur des Staates New York, der Zeitung. "Das Unternehmen riskiert zudem, mit vermasselten Hinrichtungen verbunden zu werden, was ihm rechtlich und finanziell schaden könnte."

Die Knappheit der Zutaten für den Todescocktail führte auch dazu, dass manche Staaten über Alternativen nachdenken. Wie NBC News berichtet, führte etwa Utah im vergangenen Jahr wieder das Erschießungskommando ein. Es scheine die schnellste und sicherste Methode, hieß es.

Quelle: ntv.de, vpe

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