Umwälzung dank KIPhilosophen überholen Informatiker auf dem US-Arbeitsmarkt

Philosophie ist für viele der Inbegriff einer brotlosen Kunst und eines Studiums mit mageren Karriereaussichten. Informatikern schien dagegen die Zukunft zu gehören. Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz haben sich die Aussichten für Absolventen allerdings verschoben.
Der Durchbruch in der Anwendung von künstlicher Intelligenz (KI) hat spürbare Folgen für den Arbeitsmarkt, insbesondere für Berufseinsteiger. Schon im vergangenen Jahr zeigten Studien, dass Technologieunternehmen Einstiegsjobs vor allem in der Software-Entwicklung massiv zusammenstreichen und teilweise mit KI ersetzen. Neue Daten offenbaren überraschende Gewinner unter den Hochschulabsolventen: Philosophen.
Einer Analyse der britischen Wirtschaftszeitung "Economist" zufolge gehören Uni-Absolventen mit Philosophie-Abschlüssen zu den wenigen Einsteigern auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt, deren Lage sich seit 2022, als ChatGPT veröffentlicht wurde, verbessert hat. Den Umfragen zufolge, die der "Economist" auswertete, stiegen die Beschäftigungsaussichten junger Philosophen in den folgenden drei Jahren um 4 Prozent.
Für Absolventen aus Informatik, Elektrotechnik und Informationstechnik ermittelten die Experten dagegen eine Verschlechterung der Beschäftigungsaussichten zwischen sieben und 14 Prozent im selben Zeitraum. Die Erkenntnisse decken sich mit der New Yorker Niederlassung der US-Notenbank Fed. Demzufolge liegt die Arbeitslosenquote von amerikanischen Philosophieabsolventen in den ersten drei Jahren nach der Beendigung des Studiums bei 5,6 Prozent. Bei Informatikabsolventen dagegen bei 7 Prozent.
Informatiker verdienen trotzdem mehr
Laut "Economist"-Analyse ist der Boom der KI nicht nur für die Probleme der Informatiker zumindest mitverantwortlich, sondern auch für die Nachfrage nach den Philosophen. So sei der Begriff künstliche Intelligenz im vergangenen Jahr deutlich häufiger in Stellenanzeigen vorgekommen, die sich an Kandidaten mit Philosophieabschluss richteten, als in den Vorjahren. Große KI-Entwickler suchten vermehrt Philosophen, zum einen, um die "Denk"-Prozesse ihrer Sprachmodelle zu verbessern. Zum anderen besteht dem Bericht zufolge Bedarf an entsprechend ausgebildeten Mitarbeitern, etwa für ethische Fragen im Zusammenhang mit KI.
Völlig auf den Kopf gestellt haben sich die Karriereaussichten von Philosophen und Informatikern allerdings nicht. Trotz steigender Arbeitslosigkeit verdienen die Software-Profis immer noch deutlich besser. Das mittlere Gehalt von Informatikern zu Anfang der Karriere beträgt den New York Fed-Daten zufolge 87.000 Dollar im Jahr und steigt bis zur Mitte der Berufslaufbahn auf 120.000 Dollar. Philosophen steigen dagegen mit 52.000 ein und erreichen in der Karrieremitte ein mittleres Gehalt von 80.000 Dollar.
Zudem gibt es neben der Verbreitung von KI andere mögliche Gründe, warum sich die Beschäftigungsaussichten verschoben haben könnten. Neben der Nachfrage der Arbeitgeber hat sich auch das Angebot auf dem Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger deutlich verändert. So ist die Zahl der Philosophie-Absolventen in den USA von einem Höchststand von knapp 8000 im Jahr 2012 auf knapp 5800 im Jahr 2024 gesunken. Die Zahl der Informatikabschlüsse verdoppelte sich etwa im selben Zeitraum auf ungefähr 110.000.