Wirtschaft

Mit Prostituierten auf Kundenfang Plünderte Goldman Sachs Gaddafis Fonds?

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Die Geldverwalter des getöteten libyschen Diktators Gaddafi vertrauten auf Goldman Sachs. Und verloren alles.

(Foto: REUTERS)

2008 verzockten die Geldverwalter des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi bei Goldman Sachs mehr als eine Milliarde Dollar. Nun wollen sie ihr Geld zurück. Denn die Bank sahnte bei den "Kameltreibern" kräftig ab.

"Du hast gerade jemandem strukturierte Papiere zu verkaufen versucht, der in der Wüste mit seinen Kamelen lebt", zitiert das "Wall Street Journal" die Email eines Goldman-Bankers. Sätze wie dieser stehen im Mittelpunkt eines bizarren Rechtsstreits, der seit Montag vor dem Londoner High Court ausgetragen wird. Auf der einen Seite steht Goldman Sachs, die wichtigste Investmentbank der Welt. Auf der anderen Seite steht die Libyan Investment Authority (LIA), der libysche Staatsfonds, der über Jahrzehnte das Geld von Diktator Muammar al-Gaddafi in der ganzen Welt anlegte.

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Goldman Sachs 343,00

Nicht nur ist Gaddafi längst tot: Er wurde 2011 im Arabischen Frühling gestürzt und kurz darauf getötet. Auch Gaddafis Geld ist weg. Genauer gesagt: Mehr als eine Milliarde Dollar, die seine Fondsmanager zwischen Januar und April 2008 bei neun Derivate-Deals mit Goldman versenkten. Dabei geht es um Aktien der Banken Citigroup, Santander und Unicredit, des französischen Stromversorgers EDF, des italienischen Energiekonzerns Eni und der deutschen Allianz-Versicherung.

"Jeder könnte sie plündern"

Der Staatsfonds habe damals unter politischem Druck gestanden, schnelle Rendite zu machen, um zum Staatshaushalt beizutragen, behauptet die Bank. Die neue libysche Regierung, die den Staatsfonds inzwischen übernommen hat, will das Geld zurück. Die Goldman-Banker hätten die libyschen Geldverwalter betrogen, behauptet der Staatsfonds: "Sie sind total ahnungslos - jeder könnte sie plündern", schrieb einer laut "Wall Street Journal" in einer anderen Mail.

Goldman Sachs äußert sich nicht zu den Emails, die Bände über Goldmans Verhalten gegenüber Kunden sprechen. Sie weist alle Vorwürfe aber als haltlos zurück. Klar ist bislang nur der Ausgang der Geschäfte: Während Gaddafis Banker all ihr Geld verloren, sackte Goldman Sachs satte Profite ein. Mehr als 200 Millionen Dollar seien es gewesen, behauptet LIA. Goldman bestreitet auch das. Schuld an der Pleite sei nicht Goldman, sondern die Finanzkrise.

Die Goldman-Banker hätten die mangelnde Erfahrung der libyschen Banker ausgenutzt, hielt der Anwalt des libyschen Staatsfonds vor Gericht dagegen. Durch internationale Sanktionen sei das Land jahrzehntelang von den Märkten abgeschnitten gewesen. Driss Ben-Brahim, einer der damaligen Stars bei Goldman, beschrieb sie in einer Email laut "Financial Times" als "ohne jegliche Erfahrung".

Luxustrips mit Prostituierten?

Die Goldman-Banker witterten früh ihre Chance. Als "eine der größten Investment-Gelegenheiten, die ich je gesehen habe", beschreibt ein Goldman-Banker Gaddafis Staatsfonds in einer Email. "Wir sind ganz wild auf sie". Schon 2006, gleich nachdem Gaddafis Sohn Saif al-Islam den Fonds nach dem Ende der jahrzehntelangen US-Sanktionen auflegte, um Libyens gigantische Ölvorräte zu vergolden, nahm die US-Bank ihn ins Visier. Er war schnell prall gefüllt. Ein Treffen zwischen Goldman-Banker Ben-Brahim und Gaddafis Sohn Saif fand im Juli 2007 auf der Jacht des Gaddafi-Sprösslings statt.

Goldman scheute keine Mühen, um die Geldverwalter des Diktators zu gewinnen. Ein Verkäufer wurde laut "Wall Street Journal" angewiesen, "täglich ganz eng am Kunden dran zu bleiben. Lehre, trainiere und bewirte sie". Genau das tat der Goldman-Banker dann offenbar auch. Er freundete sich laut libyschen Unterlagen mit Haitem Zarti, dem jüngeren Bruder eines Leiters des Staatsfonds, an. Er nahm den Gaddafi-Günstling nicht nur mit auf eine Konferenz nach Dubai, bei der Goldman das 5-Sterne-Hotel spendierte. Er soll sogar zwei Prostituierte für die beiden bezahlt haben. Der Verkäufer bestreitet das.

Trotzdem lohnte sich sein Werben für die Bank: Sie stellte Zarti, den Libyer mit den hochrangigen Connections zum Staatsfonds, im April 2008 sogar für ein dreimonatiges Praktikum ein, das mehrfach verlängert wurde. Kurz darauf löste Zarti bei Goldman die vier größten Derivate-Deals im Wert von mehr als 800 Millionen Dollar aus. Laut den Anwälten der Libyer soll auch die US-Börsenaufsicht SEC wegen des dubiosen Praktikums ermitteln.

Auch andere Mitarbeiter von Gaddafis Staatsfonds kamen offenbar auf ihre Kosten. Laut Unterlagen der LIA-Anwälte, aus denen die "Financial Times" zitiert, kamen allein auf einer Trainingsreise für die libyschen Geldverwalter 22.000 Pfund Spesen zusammen. Goldman soll unter anderem für "ein stylishes Hotel, Essen in einigen der besten Londoner Restaurants und ein Unterhaltungsprogramm" bezahlt haben. Anders als viele andere Goldman-Banker wird der Verkäufer, der all das eingefädelt hat und nicht länger für die Bank arbeitet, nicht im Prozess aussagen. Er hat für 4,5 Millionen Dollar eine Verschwiegenheitserklärung mit Goldman unterschrieben.

Quelle: ntv.de

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