Wirtschaft

Allegro feiert Börsen-Debüt Polnischer Online-Händler trotzt Amazon

imago0085262835h.jpg

Allegro geht an die Börse und legt gleich kräftig zu.

(Foto: imago/ZUMA Press)

An Amazon führt im Online-Handel kein Weg vorbei. Oder? Was in Deutschland zu gelten scheint, ist in Polen anders. Dort ist ein einheimisches Unternehmen der Platzhirsch - und legt nun ein fulminantes Börsendebüt hin.

Der polnische Amazon-Konkurrent Allegro hat bei seinem Börsendebüt ein Kursfeuerwerk gezündet. Die Aktie stieg an der Warschauer Börse um zwischenzeitlich 51,2 Prozent. Das Papier eröffnete bei 65 Zloty (umgerechnet 14,53 Euro) nach einem Ausgabepreis von 43 Zloty je Aktie. Damit wurde Allegro mit 14,9 Milliarden Euro bewertet und stieg auf einen Schlag zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen Polens auf.

Für die Warschauer Börse könnte der größte Börsengang in Polen seit Jahren einen Wendepunkt darstellen. Bisher fiel es dem Börsenbetreiber schwer, attraktive Kandidaten anzulocken. Weltweit führen die positive Stimmung an den Aktienmärkten, hohe Handelsvolumina und das enge Zeitfenster im Herbst derzeit zu einer Ballung von Aktienmarktdebüts. So glänzte im September der britische Onlinehändler The Hut Group beim ersten Börsengang in London seit Beginn der Corona-Krise und stemmte die größte Aktienemission seit Royal Mail vor sieben Jahren.

Allegro, das bereits vor 20 Jahren als eBay-Konkurrent gegründet wurde, gehört in Polen zu den bekanntesten Onlinehändlern. Die Eigner Cinven, Permira und Mid Europa haben Allegro sowie das Online-Portal Ceneo vor vier Jahren für 3,25 Milliarden Dollar vom südafrikanischen Investor Naspers erworben. Insgesamt veräußerte Allegro zusammen mit Anteilseignern bei dem Börsengang Aktien im Wert von umgerechnet rund zwei Milliarden Euro.

Amazon soll eigenes Angebot planen

Der Börsenneuling will die Einnahmen aus der Aktienemission nutzen, um Schulden abzubauen. Die Zahlung einer Dividende ist nicht geplant. Inzwischen lockt die Plattform monatlich 20 Millionen Besucher an und profitiert seit Ausbruch der Corona-Krise auch vom veränderten Einkaufsverhalten. Rund um den Globus kaufen immer mehr Menschen ihre Waren online ein, weil sie angesichts von Hygiene- und Abstandsregeln den Weg in Läden scheuen. In den ersten sechs Monaten kletterte Allegros Gewinn um 48 Prozent auf knapp 65 Millionen Euro.

Dass Amazon Berichten zufolge womöglich binnen Wochen auch in Polen ein eigenes Angebot an den Start bringen könnte, sieht Allegro-Chef François Nuyts dabei gelassen: "Es gibt viele Dinge, die wir ziemlich gut machen, wenn nicht sogar besser als die Konkurrenz", sagte er vergangene Woche. Dabei verwies er auf das "einzigartige" und "wendige" Geschäftsmodell des 1999 in einer Garage als polnische Ebay-Variante gegründeten Unternehmens.

Denn Allegro verknüpft mehr als 100.000 Händler - viele davon nicht größer als Tante-Emma-Läden - direkt mit rund zwölf Millionen aktiven Käufern. Mehr als 90 Prozent der über die Plattform verkauften Produkte haben dabei nach Angaben von Allegro nie ein Warendepot oder Logistikzentrum von innen gesehen. Stattdessen wandern sie direkt vom Verkäufer zum Kunden - auch über das im gesamten Land ausgebaute Netz an Schließfächern, die es den Verbrauchern erlauben, die Ware dann abzuholen, wann es ihnen passt.

Quelle: ntv.de, vpe/rts/AFP