Wirtschaft

Solide Konjunkturdaten Powell bremst Wall-Street-Rally nur leicht

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An der Wall Street setzte sich die Erholung fort.

(Foto: AP)

An den US-Börsen geht die Erholung weiter. Überraschend gute Einzelhandeldaten ließen Anleger frohlocken. Vor zu viel Optimismus warnte derweil Fed-Chef Powell. Sorgsam bereite er die Politik auf mögliche weitere Hilfen vor.

An der Wall Street geht es weiter aufwärts: Als Antreiber erwiesen sich zunächst weiter die Aussagen der US-Notenbank vom Vorabend und neue starke US-Daten. Eine vorsichtige Einschätzung der Wirtschaftslage durch Notenbankchef Jerome Powell holte die Kurse im Verlauf jedoch von ihren Tageshochs zurück. Am Ende schloss der Dow-Jones-Index zwei Prozent fester bei 26.290 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 1,9 Prozent vor und der Nasdaq-Composite um 1,7 Prozent.

Die Fed hatte gestern angekündigt, ihr Anleihekaufprogramm auch auf Schuldtitel einzelner Unternehmen auszudehnen. Dies hatte die Kurse an den US-Aktienmärkten am Vortag beflügelt, was sich nun fortsetzte. Rückenwind erhielten die Börsen auch von einem Bericht, wonach die US-Regierung ein eine Billion Dollar schweres Infrastrukturpaket plant.

Dazu gesellten sich erneut deutlich besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten. Nachdem am Vortag bereits die Geschäftsaktivität im Großraum New York für Juni positiv überrascht hatte, übertraf nun auch der US-Einzelhandelsumsatz für Mai die Erwartungen deutlich. Hier wurde ein Plus von 17,7 Prozent verzeichnet, während die Erwartung lediglich bei einer Zunahme von 7,7 Prozent gelegen hatte. Den Einzelhandelsdaten wird besonders große Bedeutung beigemessen, weil der private Konsum etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung ausmacht. Die Industrieproduktion im Mai blieb mit einem Plus von 1,4 Prozent indessen unter der erwarteten Zunahme von 2,6 Prozent. Die Lagerbestände gingen im April etwas stärker zurück als erwartet.

Powell zwischen Zuversicht und Vorsicht

Während seiner Anhörung vor dem Bankenausschuss des US-Senats zeigte sich der Chairman der Federal Reserve zwar zuversichtlich, dass die Beschäftigung in den USA in nächster Zeit wieder deutlich zunehmen wird, wenn die Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie schrittweise gelockert werden. Allerdings äußerte sich Powell vorsichtig mit Blick auf die längerfristige Stärke der Konjunkturerholung und deutete an, dass weitere Unterstützung durch die Politik nötig sein könnte.

Der Notenbankchef befürchtet, dass die US-Wirtschaft durch Corona langfristig Schaden nehmen könnte, weil der dauerhafte Wegfall von Arbeitsplätzen und die Schließung von Unternehmen drohe. Gleichzeitig dämpfte Powell auch die Erwartungen an das erweiterte Anleihekaufprogramm, indem er sagte, die Fed wolle nicht "wie ein Elefant" durch den Anleihemarkt laufen, womit er signalisierte, dass die Notenbank bei ihren Käufen umsichtig vorgehen und keineswegs den Markt übernehmen will.

Ölpreise ziehen an

Der Dollar machte während der Powell-Rede wieder Boden gut, nachdem er am Vorabend in Reaktion auf die Ausweitung der Fed-Anleihekäufe abgewertet hatte. Im späten US-Handel notierte der Euro bei etwa 1,1260 Dollar. Im Tageshoch waren es 1,1353 Dollar. Analysten hielten die Erholung des Greenback jedoch für kurzlebig. "Die Kombination aus lockerer Fed-Politik und sich verbessernder Risikostimmung bleibt eine negative Mischung für den US-Dollar", sagte Analyst Lee Hardman von MUFG.

Ein Auf und Ab verzeichnete der Ölmarkt. Zunächst stützte eine Prognose der Internationalen Energieagentur (EIA), wonach die Pandemie das globale Wachstum und die Ölnachfrage in diesem Jahr zwar belasten, aber Angebotskürzungen der Förderländer und eine kräftige Nachfrageerholung im kommenden Jahr dazu beitragen dürften, den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die eher vorsichtigen Aussagen des Notenbankpräsidenten ließen die Ölpreise wieder zurückkommen, zumal auch der Dollar zulegte, womit sich Öl für Käufer aus anderen Währungsräumen verteuerte. Letztlich folgten die Preise jedoch dem Aktienmarkt nach oben. Das Barrel US-Rohöl der Sorte WTI verteuerte sich um 3,4 Prozent auf 38,38 Dollar. Brentöl wurde 3,1 Prozent höher mit 40,96 Dollar gehandelt.

Unternehmensnachrichten waren derweil eher Mangelware. Gegen die positive Tendenz verloren die Papiere von T-Mobile US 1,7 Prozent. Der japanische Technologiekonzern Softbank will sich möglicherweise von Anteilen an T-Mobile US trennen. Die mögliche Veräußerung ist Teil des Verkaufsprogramms von Vermögenswerten, das Softbank im März angekündigt hat. Zudem hatte T-Mobile US mit Netzausfällen zu kämpfen. Kunden in mehreren Bundesstaaten meldeten Probleme bei aus- und eingehenden Anrufen.

Quelle: ntv.de

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