Wirtschaft

Cash nicht nur gegen die Krise Wo die Geldschecks der Amerikaner landen

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Was die US-Bürger jetzt mit ihren Corona-Schecks machen, ist die Billionen-Dollar-Frage.

(Foto: REUTERS)

Die Biden-Regierung verteilt eine neue Runde Gratisgeld. Millionen US-Bürger erhalten demnächst einen Scheck in Höhe von 1400 Dollar. Das Geld soll für einen Kickstart der Konjunktur sorgen. Unproblematisch ist das nicht. Wie es ausgegeben wird, ist nicht festgelegt.

Millionen US-Amerikaner finden in der nächsten Zeit höchst willkommene Post im Briefkasten: Die Bundessteuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) der Vereinigten Staaten tütet seit vergangenem Samstag im großen Stil Schecks über 1400 Dollar für US-Bürger ein. Mittwoch oder Donnerstag, so schätzen Beobachter, dürfte das Geld auf den Bankkonten eingehen. Wo es danach hinfließt, ist jedem selbst überlassen. Das hat die Regierung nicht festgelegt.

Die Schecks sind bereits die dritte Runde Gratisgeld, die Washington in der Corona-Krise unter den Bürgern verteilt. Mit 1,9 Billionen US-Dollar ist es halb so groß wie das deutsche Bruttoinlandsprodukt. Die Amerikaner kleckern nicht, sie klotzen in der Krise. Letzten April erhielten über 30 Millionen Haushalte bereits 1200 Dollar pro Person und diesen Januar 600 Dollar pro Person. Die jetzigen Schecks sind Teil des Corona-Hilfspakets unter der Regierung von Joe Biden. Alle US-Pakete in der Corona-Krise zusammen haben mittlerweile ein Volumen von rund fünf Billionen Dollar.

Obwohl die weltgrößte Volkswirtschaft vergleichsweise glimpflich durch die Pandemie kommt und sie "nur" um 3,3 Prozent geschrumpft ist, haut die Regierung das Geld mit vollen Händen raus. Das Paket beinhaltet neben den Direktzahlungen für die Steuerzahler - unterhalb einer jährlichen Einkommensgrenze - zusätzliche Hilfen für Familien, darunter auch ein Kindergeld. Eine vierköpfige Familie kann sich so über bis zu 7000 Dollar Extra in diesem Jahr freuen. Außerdem gibt es bis zum Herbst ein erhöhtes Arbeitslosengeld vom Bund. Der Plan der Regierung: Die Amerikaner sollen mit der großzügigen Spende shoppen gehen, das Geld in Umlauf bringen und so die Wirtschaft schmieren.

Bidens Billionen-Wette

Die US-Wirtschaftsleistung hängt immer noch zu 70 Prozent am privaten Konsum. Kaufanreize für Konsumenten auszuzahlen, um die Wirtschaft zu stützen, scheinen insofern logisch. Ganz unproblematisch sind die üppigen Geldgeschenke aber nicht. Bidens Billionen-Paket wird einen Konjunkturschub bescheren, aber der Stimulus dürfte auch die Inflation treiben. Wie sehr, ist unter Experten umstritten. Die US-Notenbank Fed geht bislang nur von einem kurzen Effekt aus.

Was die Menschen jetzt mit ihren Schecks machen werden, ist die Billionen-Dollar-Frage. Geben die Amerikaner das Geld aus? Und wenn ja, wie schnell und wie viel davon? Derzeit blockiert die Pandemie noch große Konsumausgaben. Der große Kaufrausch dürfte also vorerst ausfallen. Werden die Amerikaner das Geld also erst einmal auf die hohe Kante legen? Oder dient es als "Spielgeld" für etwas ganz anderes? Die Erfahrung mit den letzten Stimulus-Schecks hat gezeigt: Vieles ist möglich.

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Die Wall Street: Sogenannte Neobroker wie Robinhood bieten den Wertpapierhandel zu sehr niedrigen Gebühren oder auch kostenlos an. Das sorgt für einen Boom an neuen Anlegern am Aktienmarkt.

(Foto: REUTERS)

Laut dem US-Wirtschaftsministerium sind die Ersparnisse der privaten Haushalte in der Pandemie auf 3,9 Billionen US-Dollar angewachsen, im Februar 2020 beliefen sie sich noch auf 1,4 Billionen Dollar. Ökonomen erwarten, dass die größte Konsumwelle aller Zeiten losbricht, wenn der Lockdown in den großen Ländern dieser Welt erstmals aufgehoben wird und die angesparten Corona-Billionen lockergemacht werden. Viel Geld dürfte dann in die Restaurants, die Reise-, Veranstaltungs- und Kulturbranche strömen. Auch die Konsumgüterhersteller sollten dann von diesem warmen Geldregen profitieren. Also genau das, was die Biden-Regierung beabsichtigt. Doch wie hoch exakt diese Summe ausfallen wird, können selbst Profis nicht beziffern. Umfragen in den USA sprechen von einem Anteil von 30 bis 40 Prozent der Hilfsgelder.

Viel Spielgeld für die Börse

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und angesichts des anhaltenden Börsen-Hypes sind sich Beobachter einig, dass ein großer Teil des Geldes am Aktienmarkt landen wird. Schätzungsweise drei Millarden Dollar aus Bidens billionenschwerem Hilfspaket dürften hierin fließen, schreibt die "Financial Times" unter Berufung auf Vanda Research, ein Datenanalyst, der sich auf das Verhalten von Amateurinvestoren spezialisiert hat. Das ist somit eine ähnliche Größenordnung wie das Geld, das voraussichtlich in den Konsum fließen wird.

"Es gibt eine Gruppe, die diesen Anreiz anscheinend nutzt und ihn nicht in die Wirtschaft investiert", zitiert das Blatt den Senior Portfolio Manager Andrew Slimmon bei Morgan Stanley Investment Management. "Sie investieren es in die Finanzmärkte." Bereits nach den ersten beiden Gratisgeld-Runden war die Zahl neuer Aktiendepots sowie die Zuflüsse neues Geldes am Aktienmarkt deutlich gestiegen. Einen Hinweis darauf, was passieren wird, liefert die Handelsplattform Robinhood, die in ihrem jüngsten Newsletter schon die Aktionäre adressiert, die gerade erst noch dabei sind, neues frisches Geld zu tanken.

"Der Stimulus ist gelandet", titelt der Online-Broker. Die Erfahrung gibt ihm wahrscheinlich recht. Die Börsen feiern in der Krise unentwegt Rekorde: Der S&P 500 hat in den vergangenen elf Monaten 75 Prozent zugelegt, der Nasdaq-100 sogar 90 Prozent. Nach dem zweiten Scheck im Dezember stiegen die Kundeneinlagen von Robinhood um sieben Prozent an. Eine wichtige Rolle spielten hierbei offenbar junge Anleger unter 34 Jahren, wie eine Umfrage der Deutschen Bank zeigt. Von ihnen gaben damals zwei Drittel an, ihre Stimulus-Checks für den Kauf von Aktien zu verwenden. Bei den über 55-Jährigen waren es dagegen weniger als ein Viertel. Wall-Street-Händler dürften sich die Hände reiben. Fest steht, die Geldstimuli, die gerade erst noch ausgezahlt werden, werden ab jetzt eine Rolle spielen: für den Konsum, für die Börse und gegebenenfalls auch für die Notenbank.

Quelle: ntv.de

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