Wirtschaft

Rückzug von Tochterfirma Probleme im Nahen Osten belasten Hochtief

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Der Baukonzern Hochtief verspricht seinen Aktionären eine höhere Dividende.

(Foto: dpa)

Der Essener Bauriese erreicht im vergangenen Geschäftsjahr zwar offenbar seine operativen Ziele, trotzdem dürften unterm Strich rote Zahlen stehen. Das ist vor allem einer australischen Konzerntochter geschuldet. An der Börse brechen die Hochtief-Aktien ein.

Der Rückzug der australischen Hochtief-Tochter Cimic aus dem Mittleren Osten lastet auf dem Essener Baukonzern. Cimic kündigte an, sich von der Minderheitsbeteiligung an der Baugesellschaft BIC Contracting (BICC) in Dubai trennen zu wollen. Das führt zu finanziellen Belastungen bei Cimic, die auch auf Hochtief durchschlagen und den Essenern unter dem Strich einen Verlust für 2019 einbrocken dürften.

Hochtief betonte indes, der operative Konzerngewinn für 2019 werde mit rund 660 Millionen Euro im Einklang mit den Zielen für das vergangene Jahr liegen. Diese sahen im operativen Geschäft einen Gewinn zwischen 640 und 680 Millionen Euro vor. Die Zahlen für 2019 will Hochtief voraussichtlich am 11. Februar vorlegen.

Die Hochtief-Aktionäre sollen zudem eine erhöhte Dividende erhalten: Diese solle für 2019 um rund 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 5,80 Euro pro Aktie steigen. An der Börse brachen die Hochtief-Aktien angesichts der Belastung durch die Tochter zunächst um 9,8 Prozent ein, das ist der stärkste Kursrückgang seit Juli 2019. Cimic-Papiere sackten sogar um fast 20 Prozent ab, auch die Anteilsscheine der Hochtief-Mutter ACS ließen Federn.

Cimic war 2007 in das Geschäft in der Region eingestiegen. Die Aktivitäten im Mittleren Osten liefen indes nicht rund, die Australier mussten Geld nachschießen. Nun zogen sie die Reißleine: "Nach einer gründlichen Bewertung aller verfügbaren Optionen hat Cimic beschlossen, sich aus der Region Mittlerer Osten zurückzuziehen", erklärte die Baugesellschaft. Hintergrund sei eine rapide Verschlechterung der Marktbedingungen. Die Region wird etwa durch den Konflikt zwischen Iran und den USA und die damit verbundenen wirtschaftlichen Unsicherheiten belastet. Cimic wolle nun seinen Minderheitsanteil von 45 Prozent an BICC verkaufen, Gespräche liefen bereits.

Australier schreiben über eine Milliarde Euro ab

Die Australier bewerteten ihre Beteiligung deshalb auch neu und müssen eine hohe Summe abschreiben. Cimic werde eine einmalige Ergebnisbelastung nach Steuern in Höhe von etwa 1,1 Milliarden Euro in seinem Jahresabschluss 2019 ausweisen. Dieser Betrag entspreche dem gesamten finanziellen Risiko im Zusammenhang mit BICC. Cimic werde auch keine finale Dividende für 2019 festsetzen.

Cimic galt lange Jahre als Ertragsperle Hochtiefs, die Essener halten knapp 73 Prozent an den Australiern. Die Milliarden-Abschreibung schlägt auch bei Hochtief durch. Der Essener Konzern werde in seinem Abschluss für 2019 eine einmalige Ergebnisbelastung nach Steuern und Minderheiten in Höhe von etwa 800 Millionen Euro ausweisen, hieß es.

Damit dürften die Essener 2019 auch einen Verlust von rund 175 Millionen Euro geschrieben haben: Ohne Berücksichtigung des BICC-Effekts habe Hochtief einen nominalen Konzerngewinn von rund 625 (2018: 543) Millionen Euro erreicht, hieß es. Davon gehen die 800 Millionen Euro ab. Die Belastung aus Australien werde bei Hochtief zu einem erwarteten Geldabfluss nach Steuern in Höhe von zirka 400 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr 2020 führen, hieß es weiter. Dies könne die Dividende für das laufende Geschäftsjahr belasten, warnte ein Händler.

Quelle: ntv.de, hul/rts/dpa