Wirtschaft

Notenbank halbiert Prognose Proteste dämpfen französische Konjunktur

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Eine mächtige Protestwelle erschüttert Frankreich.

(Foto: imago/Michael Trammer)

Der Konjunkturmotor gerät in Frankreich wieder mächtig ins Stottern. Die Notenbank in Paris muss ihre Prognose für das Abschlussquartal herunterschrauben. Die anhaltende Protestwelle stört massiv die Lieferketten in der Industrie.

Die gewaltsamen Proteste gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron dämpfen Notenbank und Regierung zufolge die französische Konjunktur am Jahresende. Die Banque de France halbierte ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im laufenden vierten Quartal auf 0,2 Prozent.

Auch Finanzminister Bruno Le Maire erwartet einen Dämpfer. "Ich denke, die aktuellen Ereignisse dürften dazu führen, dass wir im letzten Quartal ein Wachstum von 0,1 Punkte verlieren", sagte er dem Radiosender RTL. Das entspräche einem Verlust von zwei Milliarden Euro.

Der Notenbank zufolge stört die Protestwelle insbesondere Lieferketten in der Industrie. Auch der Einzelhandel leide. Nach Schätzungen des Branchenverbandes sind den Geschäften im wichtigen Weihnachtsgeschäft etwa eine Milliarde Euro an Einnahmen verloren gegangen. Viele Händler hielten ihre Läden aus Sorge vor Beschädigungen vorsorglich geschlossen.

Massive Kritik gegen den Präsidenten

Macron will sich nach neuen Protesten am Abend in einer Rede an die Nation wenden. In Paris war es zuvor bereits den vierten Samstag in Folge zu Ausschreitungen gekommen, auch in anderen Städten gab es Proteste. Rund 120 Demonstranten und 20 Polizisten im ganzen Land wurden verletzt. Die Proteste der "Gelbwesten" waren vor vier Wochen ausgebrochen, als fast 300.000 Menschen aus Wut über die geplante Erhöhung der Ökosteuer auf Frankreichs Straße gingen.

Der Staatschef steht zunehmend in der Kritik, weil er trotz der anhaltenden Proteste seit über einer Woche nicht in der Öffentlichkeit erschienen ist. Zwar gab es Zugeständnisse, indem etwa die umstrittene Anhebung der Ökosteuer fallengelassen wurde. Macron hatte es aber Ministerpräsident Edouard Philippe überlassen, die erste durchgreifende Kehrtwende während seiner Präsidentschaft anzukündigen.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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