Wirtschaft

Konzern will wachsen RWE denkt wieder global

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Noch ist RWE in der Kohle unterwegs - doch das Engagement ist endlich.

(Foto: imago images/Rupert Oberhäuser)

Der Versorger RWE will in Europa ein führender Ökostromanbieter werden. Die Basis sei ausgezeichnet und das Wachstum soll nicht auf den Kontinent beschränkt bleiben, hießt es. Keine Auswirkungen hat bislang das Coronavirus auf das Unternehmen.

Der noch vor wenigen Jahren stark taumelnde Energieriese RWE will nach dem Wandel zu einem der führenden europäischen Ökostromanbieter seine Geschäfte mit Erneuerbaren Energien weltweit ausbauen. "RWE ist nun wieder ein Wachstumsunternehmen, und das Wort international heißt nicht mehr europäisch, sondern global", sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz. "Wir verfügen über eine ausgezeichnete Basis, um unser Kerngeschäft weiter konsequent auszubauen und werthaltig zu wachsen." Bis 2022 wolle der Konzern fünf Milliarden Euro in den Ausbau der Erneuerbaren Energie investieren. Die Gewinne sollen nach Zuwächsen 2019 weiter sprudeln und die Aktionäre von höheren Dividenden profitieren.

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RWE verfügt bereits über Wind- und Solaranlagen mit einer Leistung von neun Gigawatt. In den nächsten drei Jahren sollen mehr als vier Gigawatt hinzukommen. Insbesondere in den USA sieht der Konzern Wachstumschancen, auch Asien mit Märkten in Japan, Taiwan, Südkorea und Australien hat RWE im Visier.

Schmitz versuchte, Sorgen vor einem Fehlschlag zu zerstreuen, wie ihn RWE vor Jahren beim Ausflug in die amerikanische Wasserversorgung erlebt hat. "Mein Eindruck ist, dass RWE zu der Zeit noch ein sehr deutscher Konzern war. Man hat im Ausland Geschäft gekauft und geglaubt, dass das dann einfach so weiterläuft, nur eben unter dem Dach einer anderen Konzernmutter. Das funktioniert aber nicht."

RWE hatte mit Eon die eigene Tochter Innogy zerschlagen. Eon erhielt das Vertriebs- und Netzgeschäft von Innogy, RWE das Ökostromgeschäft der Tochter und das von Eon. Die Führung des Ökostromgeschäfts hat die frühere Eon-Managerin Anja-Isabel Dotzenrath übernommen. RWE habe ausgezeichnete Perspektiven beim Ausbau des Geschäfts, sagte sie. Anlagen mit einer Leistung von 2,7 Gigawatt seien bereits im Bau, insgesamt sei die Projektpipeline mit mehr als 20 Gigawatt gefüllt. Verzögerungen bei der Umsetzung der Projekte durch die Corona-Krise gibt es Dotzenrath zufolge derzeit nicht: "Das ist nicht der Fall."

Dividende steigt und soll weiter steigen

Die RWE-Aktie konnte sich den Kapriolen an den Märkten nach dem von US-Präsident Donald Trump verhängten Einreiseverbot gegen zahlreiche europäische Staaten infolge der Virus-Ausbreitung nicht entziehen. Das Papier verlor zeitweise mehr als zehn Prozent an Wert. Finanzchef Markus Krebber wollte dies nicht überbewerten und sah darin keinen besonderen Zusammenhang zu dem um sich greifenden Virus. In den USA werde das Geschäft vor Ort gesteuert. Auch bei den Lieferketten gebe es bislang keine Schwierigkeiten, ergänzte Konzernchef Schmitz.

2019 konnte RWE das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 1,5 Milliarden auf 2,1 Milliarden Euro steigern. Der bereinigte Überschuss verdoppelte sich auf 1,2 Milliarden Euro. Zu verdanken waren die Zuwächse allerdings insbesondere dem schwankenden Handelsgeschäft. Hier schoss das operative Ergebnis auf 702 Millionen Euro. Der Bereich Braunkohle und Kernenergie schloss mit 374 Millionen Euro nach zuletzt 356 Millionen Euro ab.

Nach dem geplanten Kohleausstieg in Deutschland bis 2038 will der Versorger bis 2030 rund 6000 Stellen abbauen. Die Aktionäre sollen für 2019 eine Dividende von 80 Cent je Aktie erhalten nach 70 Cent im Vorjahr. Für 2020 peilt der Konzern eine Dividende von 85 Cent je Papier an und ein Ebitda von 2,7 bis 3,0 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, jwu/rts