Wirtschaft

Mitverantwortung in Abgasaffäre? Razzia bei Autozulieferer Continental

Das Logo der Continental AG steht an der Hauptverwaltung der Continental AG. Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv

Man arbeite "vollumfänglich mit den Behörden" zusammen, betonte das Unternehmen.

(Foto: Holger Hollemann/dpa/Archiv)

Im September 2015 fliegt der Abgas-Skandal bei Volkswagen auf, nun scheint sich der Skandal auszuweiten. Am Morgen durchsucht die Polizei verschiedene Standorte von Continental. Doch der Autozulieferer bestreitet, manipulierte Software geliefert zu haben.

Beim Autozulieferer Continental haben Staatsanwaltschaft und Polizei verschiedene Standorte durchsucht. Dies stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen zu den von Volkswagen genutzten Abschaltsystemen in der Abgasreinigung eines Dieselmotors, teilte der Autozulieferer in Hannover mit und bestätigte damit einen Bericht der "Wirtschaftswoche".

Nach Conti-Angaben wurden die Ermittler unter anderem in Hannover, Frankfurt und Regensburg vorstellig. Man arbeite "vollumfänglich mit den Behörden" zusammen, betonte das Unternehmen. Zum Stand des Verfahrens äußerte sich Continental nicht. Der Dax-Konzern bekräftigte jedoch seine Position aus früheren Prüfungen: "Wir haben an keinen unserer Kunden Software zum Zweck der Manipulation von Abgastestwerten geliefert." Vielmehr hätten sich die "im jeweiligen Zeitraum gültigen Abgasgrenzwerte grundsätzlich einhalten lassen".

Verdacht auf Beihilfe und Falschbeurkundung

Es gehe unter anderem um den Verdacht auf Beihilfe zum Betrug und zur mittelbaren Falschbeurkundung in den Jahren 2006 bis 2015, berichtete die "Wirtschaftswoche". Von den Ermittlungen betroffen seien ehemalige und aktive Continental-Mitarbeiter, darunter auch sieben Ingenieure und zwei Projektleiter der alten Siemens VDO, die Continental im Jahr 2007 übernommen hatte und die heute zur Continental Automotive GmbH gehört.

Damals sollen laut der Zeitschrift Mitarbeiter von Volkswagen den späteren Mitarbeitern von Continental den Auftrag gegeben haben, ein Einspritzsystem für den 1,6-Liter-Motor EA189 von VW zu entwickeln. Dazu gehörte demnach auch die Software für die Motorsteuerung. "Diese Software soll auf Wunsch von Volkswagen unter anderem Funktionen zur Fahrkurvenerkennung enthalten haben", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der "Wirtschaftswoche". Es bestehe der Verdacht, dass es sich bei der Software um eine verbotene Abschalteinrichtung gehandelt habe.

Die Abgasaffäre bei Volkswagen war im September 2015 aufgeflogen. Der Autohersteller hatte von 2009 bis 2015 in den USA in gut drei Millionen Dieselfahrzeuge manipulierte Abgas-Reinigungssysteme eingebaut, die im Testbetrieb deutlich niedrigere Stickoxid-Emission anzeigten, als im tatsächlichen Betrieb auf der Straße entstanden. Später ergab sich die Frage, ob möglicherweise auch Zulieferer in die Täuschungsabsichten eingeweiht waren. Sie bestreiten dies.

Ermittlungen gegen Geschäftsführer

Im Januar war auch der japanische Hersteller Mitsubishi unter Verdacht geraten, Dieselkäufer mit illegalen Abschalteinrichtungen betrogen zu haben. Bei einer Razzia in vier Bundesländern durchsuchten Ermittler Geschäftsräume der deutschen Mitsubishi-Niederlassung, einer Tochtergesellschaft und zweier großer Zulieferer. Continental-Mitarbeiter wurden in dem Verfahren als Zeugen geführt.

Ermittelt wird laut "Wirtschaftswoche" auch gegen die beiden derzeitigen Geschäftsführer der Continental Automotive GmbH sowie eine Compliance-Beauftragte. Bei ihnen gehe es um den Verdacht der fahrlässigen Verletzung der Aufsichtspflicht. Ermittelt wird hier laut Staatsanwaltschaft wegen eines Verstoßes gegen das Ordnungswidrigkeitengesetz.

Die Ermittlungen gehen dem Bericht zufolge zurück auf Akten der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Diese hatte demnach bei Ermittlungen rund um den VW-Dieselskandal auch Hinweise auf eine mögliche Beihilfe durch Mitarbeiter von Continental gesammelt und die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft Hannover geschickt.

Quelle: ntv.de, lri/dpa/AFP