Wirtschaft
Der Tarifstreit bei der angeschlagenen Supermarktkette Real brodelt schon seit Jahren.
Der Tarifstreit bei der angeschlagenen Supermarktkette Real brodelt schon seit Jahren.(Foto: dpa)
Mittwoch, 28. März 2018

"Tariflicher Schutz völlig egal": Real will Tarifvertrag kündigen

Real will sich sanieren - und fängt bei den Gehältern an. Der Tarifvertrag für zehntausende Beschäftigte soll gekündigt werden, um wettbewerbsfähiger zu werden. Die Gewerkschaft Verdi spricht von "Armutstarifen".

Der seit Jahren schwelende Tarifstreit bei der angeschlagenen Supermarktkette Real spitzt sich zu. Real will nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aus dem Tarifvertrag für ihre 34.000 Beschäftigten aussteigen. Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Bundesvorstand nannte diese Pläne "hochgradig verantwortungslos". Verdi stelle sich auf eine harte Auseinandersetzung ein. Die Verdi-Tarifkommission lehne es ab, die Gehälter der Beschäftigten dauerhaft um bis zu 40 Prozent zu senken.

Nutzenberger warf den Verantwortlichen im Mutterkonzern Metro vor, dass ihnen ein tariflich garantierter Schutz der Beschäftigten beim Tochterunternehmen offenbar "völlig egal" sei. Gesellschaft und Politik müssten nun entscheiden, "ob Geschäftsmodelle, die auf Lohndumping und Altersarmut der Beschäftigten aufbauen, in Deutschland möglich sein sollen". Real wolle sich auf Kosten der Beschäftigten einen Vorteil im Verdrängungswettbewerb der Branche verschaffen.

Die Funktionärin betonte, dass "Armutstarife" mit Verdi "nicht zu machen" seien. Bei anderen Discountern und etwa im SB-Warenhaus Kaufland könnten mindestens Tariflöhne gezahlt werden. Wenn das bei real nicht möglich sein solle, müsse die Frage gestellt werden, an wem das liege. "An den Beschäftigten jedenfalls nicht", sagte Nutzenberger.

Tarifgespräch abgesagt

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Der Real-Mutterkonzern Metro hatte einen drastischen Kurswechsel des Konzerns im Tarifstreit angekündigt. Eigentlich war für den heutigen Mittwoch ein Tarifgespräch geplant gewesen, das hatte Metro aber abgesagt. Metro-Chef Olaf Koch hatte damit nur einen Abend zuvor quasi einen Schlussstrich unter die seit zwei Jahren andauernden Bemühungen gezogen, einen Kompromiss im Tarifstreit zu finden.

Die Verhandlungen mit Verdi seien ergebnislos geblieben, sagte Koch. Aufgrund der "offenkundigen Blockadesituation" habe sich die Metro entschlossen, Rahmenbedingungen für eine neue tarifpolitische Lösung zu schaffen. Der Konzern will künftig nicht mehr unter dem Dach des Branchenverbands HDE verhandeln, sondern setzt auf den wesentlich kleineren Arbeitgeberverband AHD. Dieser hat bereits Tarifverträge für andere Konzernunternehmen der Metro abgeschlossen.

Real-Sprecher Markus Jablonski sagte: "Die Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband AHD bietet dem Unternehmen künftig bessere Optionen zu einem Tarifabschluss zu kommen - auch weil Real dann nicht mehr nur mit Verdi, sondern auch mit anderen Gewerkschaften über modernere und flexiblere Tarifverträge verhandeln kann." Ein möglicher Gesprächspartner wäre etwa die Gewerkschaft DHV.

Zu hohe Lohnkosten

Metro-Chef Koch klagt seit Jahren darüber, dass die Branchentarifverträge bei Real zu Personalkosten führten, die nicht wettbewerbsfähig seien. Die Lohnkosten würden die von Konkurrenten zum Teil um bis zu 30 Prozent übersteigen, sagte Koch. Schließlich seien viele Konkurrenten nicht tarifgebunden.

Verdi wirft dagegen dem Unternehmen vor, es wolle sich auf Kosten der Beschäftigten einen Vorteil im Verdrängungswettbewerb der Branche verschaffen. Den Beschäftigten drohe deshalb Altersarmut. Die Gewerkschaft sagt: "Zusammen mit den Beschäftigten werden wir uns weiter für die Tarifbindung bei Real einsetzen - mit Löhnen, Gehältern und Arbeitsbedingungen, die zum Leben reichen."

Bereits 2016 mussten die Real-Mitarbeiter befristete Zugeständnisse bei Weihnachts- und Urlaubsgeld machen und verzichteten vorläufig auf Gehaltssteigerungen. Mit Blick auf die Zukunft kündigte der Metro-Konzern aber an, dass es beim monatlichen Entgelt für die bereits bei Real beschäftigten Mitarbeiter keine Einschnitte geben wird.

Quelle: n-tv.de