Wirtschaft

Wirtschaft leidet in jedem Fall Regierungsanalyse kalkuliert Brexit-Schäden

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Premierministerin Theresa May spricht bei ihrem Besuch in Belfast mit jungen Landwirten - die den Brexit ebenfalls zu spüren bekommen.

dpa

Ein chaotischer Brexit wird dem britischen Wirtschaftswachstum einen heftigen Dämpfer verpassen. Das geht aus einer Regierungsanalyse hervor. Selbst ein Abkommen mit der EU werde der Wirtschaft schaden. Doch dieses Szenario muss May dem Parlament verkaufen.

Die britische Wirtschaft wird durch den Brexit in jedem Fall an Wachstum verlieren. Das geht aus einer Schätzung der britischen Regierung hervor. Das britische Bruttoinlandsprodukt wird demnach unter den Bedingungen des ausgehandelten Abkommens im Jahr 2035 um bis zu 3,9 Prozent kleiner sein als ohne den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Weitaus schlimmer wären die Auswirkungen jedoch, sollte das Land am 29. März 2019 ohne Deal ausscheiden. Dann würde das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 9,3 Prozent kleiner ausfallen.

Die Analyse zeige, "dass unser Deal der bestmögliche für Arbeitsplätze und unsere Wirtschaft ist", sagte Premierministerin Theresa May bei einer Fragestunde im Parlament. May und ihre Kabinettsmitglieder werben derzeit verzweifelt um Unterstützung für ihr Brexit-Abkommen. Am 11. Dezember soll das Parlament in London über den Deal abstimmen. Bislang scheint es aber mehr als fraglich, ob die Regierung eine Mehrheit für das Abkommen bekommen kann. Nicht nur in der Opposition, sondern auch in der Regierungsfraktion und der nordirischen DUP, von deren Stimmen die Minderheitsregierung abhängt, gibt es heftigen Widerstand.

Scheitert der Deal im Parlament, droht politisches Chaos. Sowohl eine Neuwahl als auch ein zweites Brexit-Referendum oder ein chaotischer Brexit ohne Abkommen werden für diesen Fall nicht ausgeschlossen. Die Analyse zeigt aber auch, dass Großbritanniens Wirtschaft besser dran wäre, würde das Land in der EU bleiben. Das gestand auch Finanzminister Philip Hammond am Mittwoch in einem Interview des BBC-Fernsehens ein. "Wenn man nur die Wirtschaft betrachten würde, dann zeigt die Analyse deutlich, dass in der EU zu bleiben ein besseres Ergebnis für die Wirtschaft bringen würde." Dabei nicht berücksichtigt seien "politische Vorteile", die man durch den EU-Austritt habe.

Das ausgehandelte Brexit-Paket umfasst einen knapp 600 Seiten starken Austrittsvertrag. Darin sind die Bedingungen der Trennung festgeschrieben - etwa die Rechte von EU-Bürgern in Großbritannien und Schlusszahlungen des Vereinigten Königreichs an die EU von schätzungsweise rund 45 Milliarden Euro. Vorgesehen ist außerdem eine Übergangsfrist bis Ende 2020, diese könnte noch bis Ende 2022 verlängert werden. In dieser Zeit soll sich für die Wirtschaft und die Bürger beider Seiten praktisch nichts ändern.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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