Wirtschaft

"Überragend wichtig"Reiche will Rechenzentren bei Netzanschlüssen priorisieren

01.07.2026, 08:01 Uhr
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Reiche prüft, ob auch Rechenzentren vom Industriestrompreis profitieren könnten. (Foto: picture alliance/dpa)

Einer neuen Studie zufolge sind Rechenzentren in Deutschland aktuell noch vergleichsweise klimaschädlich. Wirtschaftsministerin Reiche sieht im Ausbau von KI eine große Chance für den Industriestandort - und drängt deshalb auf schnellere Netzanschlüsse.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will Rechenzentren schneller ans Netz gehen lassen. "Künftig können Netzbetreiber Rechenzentren an besonders geeigneten Stellen prioritär anschließen", sagte Reiche dem Magazin "Stern". Im Moment warteten deutsche Unternehmen zu lange auf einen Netzanschluss. Geschwindigkeit sei aber beim Aufbau von souveräner Rechenleistung "überragend wichtig", führte die Ministerin aus. Die Netzagentur werde deshalb das Anschlussregime entsprechend ändern.

Deutsche Unternehmen bauten bereits "die effizientesten Rechenzentren der Welt, und zwar mit europäischer Technologie", sagte Reiche. Dieser Vorteil dürfe nicht durch zu lange Wartezeiten beim Netzanschluss verspielt werden. Der von ihr geplante schnellere Anschluss sei Voraussetzung dafür, dass Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Nutzung industrieller Künstlicher Intelligenz (KI) spielen könne.

"Wenn wir diese Stärke gezielt nutzen, können wir in vielen Bereichen wieder an die Spitze kommen - im Maschinenbau, in der Chemie, in der Medizintechnik, in der Robotik und in der Mobilität", sagte Reiche. Sie prüfe derzeit, ob auch Rechenzentren vom Industriestrompreis profitieren könnten. Dafür bräuchte sie aber die Unterstützung Brüssels.

Einer neuen Untersuchung zufolge sind Rechenzentren noch klimaschädlicher als gedacht. Die Klimawirkung der digitalen Infrastruktur sei bislang unterschätzt worden, erklärte der Kreditversicherer Allianz Trade. Zudem dürften die Emissionen durch Rechenleistung wegen der Verbreitung von KI-Anwendungen weiter stark steigen, wenn keine geeigneten Maßnahmen getroffen werden. Insbesondere Europa ist den Experten zufolge aber gut positioniert, um einen Unterschied zu machen.

"Europas vergleichsweise sauberer Strommix verschafft der Region eine strukturell gute Ausgangsposition für klimafreundliches KI-Wachstum", erklärte Allianz-Klimaökonom Patrick Hoffmann. "Deutschland gehört in Europa allerdings eher zu den Schlusslichtern." Wegen des weiterhin hohen Anteils an Kohlestrom fallen durch deutsche Rechenzentren 329 Gramm CO2 pro kWh an.

Quelle: ntv.de, dsc/AFP

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