Wirtschaft

Industriebestellungen lahmen Reisewarnungen belasten Beiersdorf

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Die große Leere: Ein Traum, wenn man Fernweh hat - ein Albtraum, wenn man Sonnenschutzmittel-Verkäufer ist.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sonnenschutz, Hautpflege und höherpreisige Kosmetik: Der weltweit praktisch zum Erliegen gekommene Reiseverkehr sowie die Schließung der Flughafenshops treffen den Kosmetikkonzern Beiersdorf hart. Zudem kommen vor allem aus der Autobranche weniger Bestellungen für die Klebstoff-Sparte.

Massive Reisebeschränkungen und der Nachfrageinbruch aus der Industrie haben den Nivea-Hersteller Beiersdorf im ersten Halbjahr deutlich belastet. Sowohl bei der Luxuspflegemarke La Prairie als auch bei Sonnenschutzprodukten gab es für den Hamburger Dax-Konzern herbe Einbußen. Für die weitere Entwicklung zeigte sich Konzernchef Stefan De Loecke zurückhaltend. Für das Gesamtjahr bedeutet dies Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis. "Auch wenn sich unser Geschäft derzeit erholt, ist die Entwicklung im zweiten Halbjahr unsicher", sagte er.

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Der Juli habe sich besser entwickelt als der Juni. Ausbremsen könnte diese Erholung jedoch eine zweite Pandemiewelle sowie eine weitere Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds im Zuge der Corona-Krise. Beiersdorf gehe jedoch mit einer starken Produktpipeline in die zweite Jahreshälfte, so der Konzernchef. Vor allem in der Hautpflege will Beiersdorf mit Innovationen punkten.

Insgesamt geht Beiersdorf dieses Jahr jedoch von Umsatzrückgänge aus. Im ersten Halbjahr sank das bereinigte operative Betriebsergebnis (Ebit) von 593 Millionen auf 472 Millionen Euro. Nach Steuern blieben statt 417 Millionen nur 291 Millionen in der Kasse. Die Einnahmen der Hamburger sanken bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Währungseffekte um mehr als ein zehntel auf knapp 3,5 Milliarden Euro. Sowohl im Konsum- als auch im Klebstoffgeschäft verzeichnete Beiersdorf aus eigener Kraft prozentual zweistellige Rückgänge.

Im Konsumentengeschäft litt vor allem die Luxuspflegemarke La Prairie, deren Erlöse um mehr als 40 Prozent einbrachen. La Prairie wird viel an Flughäfen verkauft und ist vom Reisemarkt als wichtigstem Vertriebskanal abhängig. Der weitgehende Zusammenbruch des Tourismus belastete daher das lukrativste Geschäft der Sparte massiv. Die Erholung werde dauern, schätzt De Loecker - je nachdem, wie sich der Reisemarkt entwickelt. In China gebe es jedoch bereits wieder positive Signale.

Auch das Geschäft mit Nivea-Produkten ging deutlich zurück, im Reisemonat Juni etwa verzeichnete Beiersdorf herbe Einbußen im Geschäft mit Sonnenschutzprodukten. Lediglich die Umsätze mit dermatologischer Hautpflege (Eucerin) konnten zulegen. Details dazu nannte der Konzern nicht. Eine Sprecherin sagte nur, in der Krise griffen die Konsumenten eher zu bekannten Marken wie Nivea. Beim Klebstoffgeschäft Tesa sank zudem die Nachfrage der Industriekunden. Besonders betraf dies die Automobilindustrie.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts