Wirtschaft

"Offen für neue Partnerschaften" Rekordverlust bedroht Air Berlins Zukunft

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Ohne weitere Partner kann sich Air Berlin nicht mehr lange am Himmel halten.

(Foto: picture alliance / Paul Zinken/d)

Fast 800 Millionen Euro Verlust verbucht Air Berlin 2016. Die schlechtesten Geschäftszahlen der Unternehmensgeschichte erhöhen den Druck: Trotz massiven Umbaus ist die Zukunft der Krisenfluglinie mehr als ungewiss.

Vor der Hiobsbotschaft versucht der neue Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann in seiner ersten großen Pressemitteilung den Blick nach vorn zu richten. Das abgeschlossene Geschäftsjahr stünde "ganz im Zeichen der Umstellung auf das neue Geschäftsmodell". Die hohen operativen Kosten der "alten Air Berlin", also die Strategie seiner Vorgänger, seien das Problem. Unter Winkelmann soll nun alles besser werden.

Doch das Fiasko für Mitarbeiter und Aktionäre lässt sich auch mit noch so viel verbaler Bilanzkosmetik nicht wegdiskutieren: Rund 800 Millionen Euro Verlust flog Air Berlin im vergangenen Jahr ein. Der Umsatz schrumpfte weiter, von 4,1 auf rund 3,8 Milliarden Euro, auch weil Air Berlin seine Kapazitäten eindampfte. Die verheerenden Zahlen zeigen: Ohne einen neuen Plan wird es bei Air Berlin nicht weitergehen.

Seit 2008 hat die Krisenairline bis auf eine Ausnahme kontinuierlich rote Zahlen geschrieben. Seit 2011 buttert Großaktionär Etihad Jahr für Jahr Millionen in die marode Firma. Viele Beobachter halten die Krisenairline ohne weitere Partner nun für nicht mehr überlebensfähig.

Weißer Ritter gesucht

Bislang hat Air Berlin versucht, sich gesundzuschrumpfen. Ihre Flotte hat die Fluglinie halbiert, fast drei Viertel ihrer Strecken gestrichen, die Zahl der Passagiere um mehr als ein Drittel gesenkt. Doch dieser Plan reicht nicht aus.

Was bereits vermutet wurde, räumt Winkelmann räumt nun offen ein: Air Berlin ist "offen für neue Partnerschaften und neue Kooperationen". Man arbeite daran, "auch über die bestehende Strategie hinaus neue Möglichkeiten auszuloten". Man werde sich innerhalb und außerhalb Europas umsehen, auch der Einstieg eines Investors sei denkbar. "Nichts ist in Stein gemeißelt, es gibt keine Tabus."

Weil bislang kein weißer Ritter in Sicht ist, bleibt Winkelmann nichts übrig, als die Märkte mit Platitüden zu beruhigen. Schuld am Rekordverlust sei der "hohe Aufwand für den Umbau der Airline". Es sei "normal, dass man bei einem Umbau dieser Größenordnung erst durch ein Tal schreitet, bevor die Verbesserungen spürbar werden“, teilt Air Berlin mit. Dass der Umbau allein nicht reicht, um zu überleben, sagt er nicht.

Lufthansa lotet ihre Beteiligung aus

Schon lange halten nicht solide Geschäfte, sondern allein strategische Motive von Großaktionär Etihad und Großkonkurrent Lufthansa die Krisen-Airline noch am Himmel. Etihad geht es nicht ums Geldverdienen, sondern vorrangig darum, über die defizitäre Air Berlin an Kunden für seine Langstreckenflüge zu kommen. Und Lufthansa stützt die taumelnde Fluglinie - wie jüngst mit der Anmietung von knapp 40 Jets - um zu verhindern, dass bei einer Pleite Billigflieger wie Easyjet in die Lücke stoßen und Lufthansa auf dem Heimatmarkt das Geschäft noch mehr vermiesen.

Doch nun geht die Geduld der Gönner offenbar zur Neige. Öffentlich stärkt Etihad Air-Berlin-Boss Winkelmann zwar noch demonstrativ den Rücken: "Ich glaube daran, dass die im September 2016 vorgestellte Strategie die richtige ist, und mit Thomas Winkelmann haben wir den richtigen Mann an der Spitze, um die nötigen Veränderungen voranzutreiben", sagt Etihad-Chef James Hogan.

Doch hinter verschlossenen Türen haben die Scheichs aus Abu Dhabi, denen Etihad gehört, offenbar längst beschlossen, Air Berlin den Laufpass zu geben. Ihre zweite große europäische Beteiligung Alitalia ist inzwischen pleite. Laut "Focus" will Etihad seine Anteile an Air Berlin "so schnell wie möglich abstoßen". Etihad hat offenbar kein Interesse, noch mehr Geld in Europa zu versenken.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr fliegt schon kommende Woche mit Kanzlerin Angela Merkel an den Golf um auszuloten, welche Rolle seine Airline bei einem Verkauf von Air Berlin spielen könnte. "Natürlich wird dort über die Zukunft von Air Berlin gesprochen", sagt ein mit der Sache vertrauter Lufthansa-Insider.

Quelle: ntv.de