Wirtschaft

"Kein Konzept für die Zukunft" Rente ab 69 stößt auf massiven Widerstand

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Zuspruch für den Rentenvorstoß kommt vom Arbeitgeberverband BDA.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Menschen werden im Schnitt immer älter. Die Bundesbank schlägt daher vor, das Renteneintrittsalter auf fast 70 Jahre anzuheben. Bei Gewerkschaften und Sozialverbänden stößt der Vorstoß auf massive Kritik - denn schon jetzt würden ältere Arbeitnehmer oft arbeitslos oder chronisch krank.

Gewerkschaften und Sozialverbände haben die Idee der Bundesbank, das Renteneintrittsalter auf fast 70 Jahre anzuheben, scharf kritisiert und warnen vor sozialen Problemen im Alter. "Menschen zu zwingen, bis 70 zu arbeiten, um eine vernünftige Rente zu bekommen, ist kein Rentenkonzept für die Zukunft", erklärte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil in Berlin. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach verwies darauf, dass bereits derzeit viele ältere Arbeitnehmer nicht das gesetzliche Rentenalter erreichten.

Die Bundesbank hatte am Montag eine Anhebung des Rentenalters auf langfristig über 69 Jahre vorgeschlagen. Dazu sagte Klingbeil: "Wir wollen, dass Menschen gesund in Rente gehen. Sie haben sich diese Zeit nach jahrelanger Arbeit vor allem in der heute immer hektischeren Arbeitswelt verdient. Für "verantwortungsvolle Reformvorschläge" habe die Bundesregierung eine Rentenkommission eingesetzt.

Auch der Unions-Arbeitsexperte von der CDU, Peter Weiß, verwies auf die Zuständigkeit der Rentenkommission. "Ich bin sehr dafür, erst einmal abzuwarten, wie die aktuelle schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters wirkt", sagte er dem "Handelsblatt". Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft in der CDU (CDA) sieht im Vorschlag der Bundesbank einen "Angriff auf den Zusammenhalt der Gesellschaft".

"Bereits die Rente mit 67 war ein Fehler", sagte Buntenbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ältere Arbeitnehmer würden oft schon vor dem Rentenalter arbeitslos oder chronisch krank. Sie "retten sich nach Bezug von Arbeitslosengeld I und II oder Krankengeld nur mit Mühe in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen".

"Geht an Realität vieler Menschen vorbei"

"Viele Menschen in psychisch oder physisch anstrengenden Berufen schafften es schon heute nicht, bis 67 Jahre zu arbeiten", erklärte auch die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele. Der AWO-Vorsitzende Wolfgang Stadler betonte: "Ein weiterer Anstieg des Renteneintrittsalters geht an der Realität vieler Menschen in diesem Land vorbei und würde mehr Probleme schaffen als lösen."

Auch AfD-Fraktionschefin Alice Weidel kritisierte die Rentenpolitik der Bundesregierung: "Das absehbare Desaster in den Rentenkassen widerlegt besonders eindringlich das Märchen von Deutschland als einem 'reichen Land'", sagte sie laut einer Mitteilung. Die Politik habe die demografischen Realitäten ignoriert und die Weichen falsch gestellt.

"Die Anhebung des Rentenalters ist nichts anderes als eine weitere Rentenkürzung", kritisierte zudem Linken-Chef Bernd Riexinger in der NOZ. "Denn immer weniger Menschen erreichen regulär das Rentenalter." Die Bundesbank hatte sich dafür ausgesprochen, das Rentenalter an die zunehmende Lebenserwartung zu koppeln und nach 2030 so anzuheben, dass die Relation von Renten- zu Beitragsjahren in etwa stabil bleibt. Das Rentenalter solle dafür bis zum Jahr 2070 auf 69 Jahre und vier Monate steigen.

Arbeitgeberverband und FDP begrüßen Rentenvorstoß

Zuspruch kam dagegen vom Arbeitgeberverband BDA. "Die gewonnene Lebenserwartung muss auch zu einer längeren Erwerbsphase führen und darf nicht nur einen immer längeren Ruhestand bedeuten", sagte BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch der CDU-Wirtschaftsrat bekundete Unterstützung für den Vorschlag der Bundesbank. Die umlagefinanzierten sozialen Sicherungssysteme seien der steigenden Lebenserwartung nur gewachsen, "wenn wir durch eine längere Lebensarbeitszeit das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern halbwegs im Lot halten", erklärte der Generalsekretär des Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer lobte den Bundesbank-Vorstoß als "wichtigen Impuls in der Debatte um Generationengerechtigkeit". Der FDP-Politiker Christian Dürr warf Union und SPD vor, die Augen vor der demografischen Entwicklung zu verschließen. "Der Bundeshaushalt wird schon in wenigen Jahren vor einem massiven Defizit stehen", sagte Dürr, der ebenfalls Fraktionsvize ist.

Quelle: n-tv.de, lri/dpa/AFP

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