Wirtschaft

Entwicklung über 20 Jahre Renten steigen stärker als Inflation

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Zwischen 2010 und 2020 stiegen die Renten schneller als die Preise.

(Foto: imago images/Martin Wagner)

Die jährlichen Rentensteigerungen orientieren sich nicht an den Lebenshaltungskosten, sondern an der Lohnentwicklung. Eine Auswertung zeigt: Zwischen den Jahren 2000 und 2010 ist für die Rentnerinnen und Rentner kein Inflationsausgleich drin. In der vergangenen Dekade sieht es besser aus.

Die Renten sind seit der Jahrtausendwende stärker gestiegen als die Inflation. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) für die "Süddeutsche Zeitung" hervor. Demnach erhöhten sich die Verbraucherpreise zwischen 2000 und 2020 um 32,4 Prozent. Die Brutto-Standardrente legte in diesem Zeitraum im Westen um 37,6 Prozent und im Osten um 53,8 Prozent zu.

Laut der Analyse verliefen die beiden Jahrzehnte höchst unterschiedlich: Von 2000 bis 2010 blieben die Renten hinter der Inflation zurück. Während die Inflation in diesem Zeitraum um 16,6 Prozent zulegte, erhöhte sich die Standardrente im Westen um 9,5 Prozent und im Osten um 11,7 Prozent. Das lag nicht zuletzt an den Rentenreformen nach der Jahrtausendwende und der Finanzkrise mit der darauffolgenden Rezession, was auf die Löhne und damit auch auf die Rentenanpassungen drückte.

Umgekehrt sah es laut der DRV-Auswertung im zurückliegenden Jahrzehnt aus: Von 2010 bis 2020 wuchs die Inflation um 13,5 Prozent. Die Standardrente stieg in dieser Zeit im Westen um 25,7 Prozent und im Osten um 37,7 Prozent. In dieser Phase lief die Konjunktur in Deutschland gut, die Anzahl der Beschäftigten und Beitragszahler wuchs deutlich, und davon profitierten auch die Löhne und die Renten, schreibt die "Süddeutsche".

Bei der Berechnung der Standardrente wird unterstellt, dass eine fiktive Person 45 Jahre lang jedes Jahr genau durchschnittlich verdient und entsprechend Rentenbeiträge zahlt. Diese sogenannte Eckrente beläuft sich derzeit in den alten Bundesländern auf 1538,55 Euro und 1506,15 Euro in den neuen Ländern vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und vor Zahlung von Steuern. Von den errechneten Steigerungen profitierten laut DRV aber auch die Rentner, die weniger als 45 Beitragsjahre vorweisen können.

2021 ohne Inflationsausgleich

Das Jahr 2021 werde die Bilanz allerdings verschlechtern, so die "Süddeutsche Zeitung". Denn für West-Rentner gab es im vergangenen Jahr eine Nullrunde, für Ost-Rentner ein Plus von lediglich 0,72 Prozent. Die Inflationsrate allerdings dürfte sich - nach dem starken Anstieg in den vergangenen Monaten auf bis zu 5,2 Prozent - bei um die drei Prozent im Jahresvergleich einpendeln. Die Rentnerinnen und Rentner haben somit 2021 deutlich an Kaufkraft verloren. 2022 könnte es schon wieder besser aussehen: Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr nach vorläufigen Berechnungen mit einer Rentenerhöhung von 4,4 Prozent. Ökonomen erwarten hingegen, dass die jährliche Inflationsrate im neuen Jahr wieder auf unter drei Prozent fallen wird.

Johannes Geyer, Rentenexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), warnt davor, die Zahlen zu positiv zu bewerten. Die gesetzliche Rente sei ursprünglich so konzipiert gewesen, dass sie zumindest im Grundsatz der Lohnentwicklung folgt. Damit könnten die Rentnerinnen und Rentner von der Entwicklung der Produktivität der Wirtschaft profitieren, die sich in den Lohnerhöhungen widerspiegelt. Das sei der Vorteil im Vergleich zu einem System, das nur die Kaufkraft erhält.

Durch die Rentenreformen habe sich das aber geändert. "Die Renten werden von der Entwicklung der verfügbaren Arbeitsentgelte abgekoppelt", sagt Geyer. Dadurch werde "die Sicherungslücke im Alter, bei Invalidität und im Hinterbliebenenfall größer, das Risiko von Altersarmut steigt". So sei auch das Rentenniveau von 2000 bis 2020 um fast neun Prozent gesunken. Nun will die Bundesregierung das Rentenniveau bis 2025 stabil halten.

Quelle: ntv.de, ino

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