Wirtschaft

Bund soll 25 Prozent übernehmen Rettungspaket für die Lufthansa steht

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700 von etwa 760 Lufthansa-Fliegern stehen derzeit am Boden.

(Foto: imago images/MiS)

Wegen der Corona-Krise rutscht die Lufthansa in tiefrote Zahlen. Die Politik will helfen, erwartet für ihr milliardenschweres Rettungspaket aber ein Mitspracherecht. Wie groß dieses ausfällt, scheint nun geklärt. Merkel stellt eine rasche Entscheidung in Aussicht.

Die Bundesregierung hat sich auf ein Rettungspaket für die schwer angeschlagene Lufthansa geeinigt. Der "Spiegel" berichtet von einer Einigung auf höchster politischer Ebene, bei der die umstrittenen Modalitäten der Staatsbeteiligung geregelt worden seien. Aus Gewerkschaftskreisen wurde ntv die Information bestätigt. "Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben den Kompromiss heute erzielt", schreibt das Magazin. Merkel wollte den Bericht nicht bestätigen. Sie sagte aber: "Es ist in Kürze mit einer Entscheidung zu rechnen". Die Bundesregierung sei in "intensiven Gesprächen mit dem Unternehmen und der EU-Kommission".

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Das Angebot sieht demnach Staatshilfen im Umfang von neun Milliarden Euro vor. Im Gegenzug soll der Bund mit 25 Prozent plus einer Aktie an der Airline beteiligt werden und somit eine Sperrminorität erhalten. Außerdem soll die Regierung zwei Aufsichtsräte stellen. Diese von der SPD bevorzugte Variante würde dem Staat viel Einfluss auf die Strategie der Airline-Gruppe gewähren, die durch die Reiseverbote zur Abwehr der Pandemie existenziell bedroht ist. Die Unionsparteien wollten dem Konzern möglichst wenig ins Geschäft reinreden. Über diese Frage war zuletzt ein Streit ausgebrochen.

Später berichtete dagegen die dpa, der Bund will sich zunächst mit unter 25 Prozent an der Lufthansa beteiligen. Damit hätte der Bund keine Sperrminorität - er könnte wichtige Entscheidungen der Fluggesellschaft nicht blockieren.

Wie es weiter hieß, ist derzeit ein Regierungsvertreter auf dem Weg nach Frankfurt in die Konzernzentrale der Lufthansa. Er habe den Auftrag, das Kompromissergebnis vorzustellen und "möglichst rasch" eine Einigung zu erzielen.

Spohr zeichnet düsteres Bild

Die Lufthansa war wegen der Corona-Krise in tiefrote Zahlen gerutscht. Nach eigenen Angaben verbrennt das Unternehmen rund eine Million Euro pro Stunde, weil etwa 700 ihrer insgesamt etwa 760 Flugzeuge auf dem Boden bleiben müssen.

In einer Mitteilung an die Beschäftigten, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr jüngst ein düsteres Bild gezeichnet. Die staatliche Unterstützung werde immer dringlicher, hieß es. "Da sich unsere Liquidität absehbar weiter verringert, hoffen wir auf einen raschen Abschluss der politischen Willensbildung und einen zukunftsweisenden Kompromiss in Berlin, der auch unsere Zukunftsfähigkeit im globalen Wettbewerb berücksichtigt."

Auch die Zukunftsaussichten im Passagierverkehr sind trübe: Die Nachfrage werde sich nur schrittweise erholen, sodass im kommenden Jahr noch 300 Flugzeuge nicht eingesetzt werden sollen. Im Jahr darauf müssten noch 200 Flugzeuge außer Dienst bleiben, hieß es in dem Schreiben weiter. "Im Sommer 2023, wenn die Krise hoffentlich überstanden sein wird, werden wir dann voraussichtlich immer noch eine um 100 Flugzeuge kleinere Flotte haben."

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa