Wirtschaft

Historischer ZEW-Index-Einbruch Rezession wohl nicht "mehr abwendbar"

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Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr mit aller Voraussicht nicht wachsen.

(Foto: www.imago-images.de)

Die Finanzprofis lassen beinahe alle Hoffnung fahren: In der monatlichen Befragung geben sie sich pessimistisch wie nie zuvor. Die deutsche Wirtschaft wird wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr schrumpfen. Für einen Analysten geht es nur noch um die Frage, ob es schlimmer wird als in der Finanzkrise.

Die deutschen Finanzmarktexperten senken für die deutsche Konjunktur den Daumen. Der vom ZEW erhobene Index bricht ein wie nie zuvor in seiner fast 30-jährigen Geschichte. "Für die Konjunktur stehen die Signale auf Rot", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Analysten rechneten mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal und hielten dies auch für den Frühling für das wahrscheinliche Szenario. Für das Gesamtjahr 2020 rechnen sie derzeit mit einem "auf die Corona-Pandemie zurückzuführenden Wachstumsrückgang des realen BIP von etwa einem Prozentpunkt". Zusammenfassend sagte Ralf Umlauf von der Helaba: "Die Coronakrise zerschmettert die Konjunkturerwartungen."

Der Gesamtindex aus Erwartungen und Lageeinschätzung ist so stark gefallen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht. Die Konjunkturerwartungen für Deutschland brachen im März aus Monatssicht um 58,2 auf minus 49,5 Punkten ein. Die Bewertung der konjunkturellen Lage sank um 27,4 auf minus 43,1 Zähler.

Ebenso abwärts ging es mit den Erwartungen an die Eurozonen-Konjunktur. Das Minus binnen Monatsfrist belief sich auf 59,9 auf 49,5 Punkten. Der Indikator für die derzeitige Konjunkturlage gab um 38,2 auf minus 48,5 Stellen nach. Auch für den gemeinsamen Währungsraum hat es diese Konstellation von Erwartungen und Lageeinschätzung bisher so nur in der Finanzkrise gegeben.

Für Thomas Gitzel von der VP Bank war die Prognose einfach. Es sei nicht die Frage gewesen, ob der Index fällt, sondern nur "wie dramatisch der Einbruch sein würde - und er ist dramatisch", sagte er. "Deutschland kommt zum Stillstand." Eine Rezession sei "nicht mehr abwendbar".

Jens-Oliver Nikalsch von der LBBW sagte, "es sieht so schlecht aus, wie zu befürchten war. Die Konjunkturerwartungen sind im freien Fall." Offen sei lediglich noch die Frage, "wird es schlimmer als in der Finanzkrise oder nicht?"

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragt monatlich rund 200 Experten von Banken, Versicherungen und Finanzabteilungen von Großunternehmen nach ihren aktuellen Einschätzungen und Prognosen zu wichtigen internationalen Finanzmarktdaten wie Inflationsraten, Zinsen, Aktienindizes, Wechselkursen und dem Ölpreis.

Quelle: ntv.de, jwu/rts