Wirtschaft

Hochofenproduktion gedrosseltRhein-Niedrigwasser setzt Thyssenkrupp unter Druck

14.07.2026, 15:55 Uhr
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Verschärft wird das Problem nach Ansicht der Analysten der Deutschen Bank durch eine monatelange Sperrung einer wichtigen Ausweichroute auf der Schiene. (Foto: picture alliance / Jochen Tack)

Weniger Ladung, höhere Kosten, längere Transportwege: Das Niedrigwasser im Rhein hat spürbare Folgen für die Wirtschaft. Thyssenkrupp Steel zieht erste Konsequenzen und reduziert vorsorglich seine Produktion.

Das Niedrigwasser im Rhein belastet die gerade erst begonnene Erholung der deutschen Industrie und kann auch zu Engpässen an Tankstellen führen. Mit ThyssenKrupp Steel meldete ein erster großer Konzern Probleme. "Unsere Hochofenproduktion haben wir aufgrund der leicht eingeschränkten Rohstoffversorgung vorsorglich etwas gedrosselt", sagte eine Sprecherin des größten deutschen Stahlherstellers. "Unsere eigene Schubschifffahrt wurde aufgrund der niedrigen Pegelstände eingestellt." Genutzt würden derzeit vorsorglich angemietete, externe Schiffe. Diese könnten wegen ihres niedrigeren Tiefgangs auch bei den aktuellen Wasserständen eingesetzt werden. Die Kundenversorgung sei aktuell noch nicht gefährdet.

Die stark gefallenen Pegelstände dürften sich in der Industrie zunächst in höheren Transportkosten und Anpassungen der Logistikrouten bemerkbar machen, sagte Ökonom Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research. Nach zuletzt überraschend robusten Konjunkturdaten wären transportbedingte Verzögerungen in den Lieferketten "ein unerwünschter Gegenwind für die sich stabilisierende Industrie". Diese hatte im Mai bei Aufträgen, Exporten und Produktion überraschend deutlich zugelegt. "Dennoch dürften die potenziell betroffenen Unternehmen aus vergangenen Krisen gelernt und in widerstandsfähigere Lieferketten investiert haben", fügte Schattenberg hinzu.

Der Rhein gehört zu den meistbefahrenen Binnenwasserstraßen der Welt. Der Wasserstand an der wichtigen Engstelle Kaub nahe Koblenz dürfte nach Prognose der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes am Nachmittag auf 41 Zentimeter fallen. Das bisherige Rekordtief wurde im Oktober 2018 mit 25 Zentimetern erreicht. In den nächsten Tagen werden Werte von unter 40 Zentimetern erwartet. "Fällt der Pegel in Kaub auf etwa 40 Zentimeter oder darunter, wird die Güterschifffahrt für gewöhnlich eingestellt", sagte Schattenberg. Als Ursachen für das Niedrigwasser gelten das trockene Wetter der vergangenen Wochen sowie geringere Zuflüsse aus den Nebenflüssen und dem Bodensee.

"Bedingt durch das Niedrigwasser sinkt die Abladetiefe der Binnenschiffe", sagte Ökonom Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Sie können weniger Ladung aufnehmen, wodurch sich die Transportkosten erhöhen und für bestimmte Produkte der Transport sogar eingeschränkt wird, da sie sich nur schwer auf Bahn oder Lkw verlagern lassen." Mineralölprodukte wie Diesel oder Benzin gehören zu den wichtigsten Transportgütern. Ein Totalausfall der Binnenschifffahrt würde etwa 3000 Tanklaster pro Tag zusätzlich erfordern. "Es gibt weder freie Tanktrailer noch die zusätzlichen Fahrer", sagte IW-Experte Puls. "Eine Einschränkung der Schiffbarkeit des Rheins wird sich also zumindest im Westen der Republik auch an der Zapfsäule bemerkbar machen und damit einen weiteren Kostentreiber darstellen."

"Noch sind die Folgen überschaubar"

Bei dem aktuellen Pegelstand könne ein typisches Rhein-Containerschiff mit einer Kapazität von 500 Standardcontainern (TEU) die Engstelle nur noch mit einer Auslastung von weniger als einem Fünftel passieren, so die Deutsche Bank. Die Folge seien steigende Transportkosten, da Reedereien entsprechende Zuschläge erheben dürften.

Verschärft wird das Problem nach Ansicht der Analysten der Deutschen Bank durch eine monatelange Sperrung einer wichtigen Ausweichroute auf der Schiene. Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist wegen Sanierungsarbeiten demnach bis zum 12. Dezember für den Güterverkehr nicht befahrbar. Ohnehin könne die Bahn die Kapazitäten der Binnenschifffahrt nur begrenzt ersetzen.

"Der Löwenanteil der deutschen Binnenschifffahrtsfracht wird auf dem Fluss bewegt", betonte Schattenberg. Häufig transportierte Güter sind flüssige Mineralölprodukte, Eisenerz, Steine und Erden sowie Container. Diese Güter könnten oft einfacher und kostengünstiger per Schiff als per Lkw oder Bahn transportiert werden.

Zu den stark betroffenen Branchen zählt dem IW zufolge auch die Chemieindustrie. Sie transportiere oftmals Gütermengen zwischen zwei Punkten, die von den anderen Verkehrsträgern nicht aufgenommen werden können. "Zu den Großkunden gehört auch die Bauwirtschaft mit Massengütern wie Sand oder Kies", sagte IW-Experte Puls. "In Summe würde es also in den betroffenen Branchen tendenziell zu einer Verstärkung der bereits vorliegenden Preisanstiege kommen."

Die Branche sieht sich besser auf Hitze und Niedrigwasser vorbereitet als im Dürresommer 2018. "Noch sind die Folgen überschaubar – auch weil die Produktion auf niedrigem Niveau läuft", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Wolfgang Große Entrup. "Das ist aber kein Grund für Entwarnung: Extreme Hitze und Niedrigwasser können Produktion und Transport schnell einschränken." Wasserstraßen seien für die Industrie extrem wichtig. Auch hier gebe es einen Investitionsstau der Infrastruktur. 

Quelle: ntv.de, jki/rts

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