Wirtschaft

Milliardär braucht Liquidität Richard Branson verpfändet seine Privatinsel

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Trauminsel: Necker Island beherbergt Bransons Privatanwesen und ein exklusives Urlaubsressort mit gut 30 Zimmern.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Trotz seines Milliardenvermögens bittet Richard Branson den britischen Staat um Hilfe zur Rettung seiner Airline und löst damit einen Sturm der Entrüstung aus. Dass Branson jetzt sogar seinen Wohnsitz als Sicherheit für Kredite einsetzen will, zeigt, wie tief er in der Klemme steckt.

Um sein Unternehmen zu retten, will Milliardär Richard Branson sogar seinen Wohnsitz, die Privatinsel Necker Island im karibischen Steuerparadies British Virgin Islands, verpfänden. Er werde versuchen, mit der Insel als Sicherheit "so viel Geld wie möglich aufzunehmen, um so viele Jobs wie möglich zu retten", versprach Branson in einem Blog-Beitrag. Dasselbe gelte auch für andere Werte wie Unternehmensanteile in seinem Besitz.

Wie viel eine Hypothek auf die Trauminsel, auf der Branson nicht nur seinen Wohnsitz hat, sondern auch ein exklusives Ressort betreibt, bringen würde, ist unklar. Doch Bransons öffentliche Ankündigung, Necker Island aufs Spiel zu setzen, zeigt, vor welchen Schwierigkeiten er trotz seines Milliardenvermögens steht, seine aus mehreren Hundert Firmen bestehende Unternehmensgruppe zu retten. Denn seinen in der Krise ohnehin stark geschrumpften Privatbesitz kann er nicht einfach so zu Bargeld machen.

Im Zentrum der Probleme steht die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic. Wie bei anderen Airlines auch ist deren Geschäft nahezu komplett zum Erliegen gekommen. Die Schwestergesellschaft Virgin Australia hat bereits Insolvenz angemeldet. Um den Kollaps von Virgin Atlantic abzuwenden, hat die Gesellschaft einen Hilfskredit der britischen Regierung von mehr als 400 Millionen Pfund (umgerechnet 455 Millionen Euro) beantragt. Das führte jedoch zu einem öffentlichen Aufschrei.

Es sei "unakzeptabel, dass Milliardäre in Krisenzeiten versuchen, das System zu melken", sagte etwa Labour-Finanzpolitiker John McDonnell dem "Guardian". Sauer stößt vielen Briten nicht nur auf, dass Branson um Staatshilfe bittet, während er selbst auf einem Milliardenvermögen sitzt. Seit Jahren schon steht er in der Kritik, weil er wegen seines offiziellen Wohnsitzes im Steuerparadies Virgin Islands seit 14 Jahren keinen Penny Einkommenssteuer mehr zahlt. Dass er nun die britischen Steuerzahler anpumpen will, halten Kritiker für eine Unverschämtheit.

Branson versucht mit seinem Blogpost und ähnlich lautenden Schreiben an die Virgin-Mitarbeiter und Aktionäre gegenzuhalten. Er sei keineswegs aus Steuergründen auf die Insel gezogen, die er vor 40 Jahren schon gekauft hatte, sondern nur aus "Liebe" zu den Virgin Islands. Zudem beruhten die immer wieder genannten Milliardensummen, die er besitze, auf dem Wert der Virgin-Firmen in aller Welt. Virgin Atlantic brauche dringend Liquidität, um die laufenden Kosten zu decken. Sein Vermögen liege aber "nicht als Bargeld auf einem Bankkonto, bereit, abgehoben zu werden." Zudem stammten diese Schätzungen in der Regel aus Zeiten vor der aktuellen Krise. Laut dem "Bloomberg Billionaires Index" schrumpfte Bransons Vermögen in den vergangenen zwei Monaten von fast sechs auf etwas mehr als drei Milliarden Dollar zusammen.

Quelle: ntv.de, mbo