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"AIDAnova" in der Meyer Werft Riesenschiffe entstehen in Papenburg

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Wenn ein Kreuzfahrtschiff gebaut wird, sind die Dimensionen kaum zu greifen.

(Foto: Sonja Gurris)

In der Meyer Werft ist jeder Quadratmeter für Bauteile verplant. Die Auftragsbücher der Papenburger sind dank des Kreuzfahrtbooms prall gefüllt. Derzeit wird hier das Megaschiff "AIDAnova" gebaut. n-tv.de hat zugeschaut.

Es piept und kracht ohrenbetäubend an jeder Ecke. Riesige Schifffsbauteile werden zusammengeschweißt, gewaltige Deck-Stockwerke durch die Halle gehoben. Kein Wunder also, dass an den Seiten der Halle Plastikbehälter mit Ohrschutzstöpsel stehen. Aus vielen einzelnen Baublöcken wird hier das nächste Kreuzfahrtschiff gefertigt. An einigen Stellen lassen sich Balkonkabinen erahnen, andere Teile sind weniger erkennbar. Das Ganze wird einmal die "AIDAnova". Der Bau eines Kreuzfahrtschiffes ähnelt einem großen 3D-Puzzle in XXL-Version. Das Schiff ist ein Prototyp. Die Meyer Werft in Papenburg an der Ems hat dieser Tage viel zu tun.

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Günther Kolbe ist gelernter Schiffsbauer.

(Foto: Sonja Gurris)

Das Familienunternehmen Meyer ist in siebter Generation im Familienbesitz. Seit 1795 entstehen in der Werft kleinere Schiffe, Fähren und weitere Spezialbauten. Ab 1985 spezialisieren sich die Papenburger mehr und mehr darauf, die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt zu bauen: "Mit dem Markt der Kreuzfahrtindustrie ist auch die Werft gewachsen. Mittlerweile haben wir 45 Kreuzfahrtschiffe gebaut. Wir sind bis zum Jahr 2023 ausgelastet", sagt Günther Kolbe von der Meyer Werft. Der neueste Großauftrag stammt von der Rostocker Reederei Aida. Insgesamt sind an diesem Neubau derzeit 2000 bis 2500 Arbeiter beschäftigt. Es sind Mitarbeiter der Meyer Werft und anderer Firmen. Neben Papenburg hat das Unternehmen auch einen Standort im finnischen Turku. Auch die Rostocker Neptun Werft gehört dazu.

Kreuzfahrtboom erfreut die Werften

Der Bau der "AIDAnova" bringt einige Neuerungen. "Die Größe, der Umfang und die Anzahl der Materialien sind große Herausforderungen für uns. Die "AIDAnova" ist ein Prototyp, da wir das erste Mal einen LNG-Flüssiggas-Antrieb auf dem Schiff haben", sagt Kolbe. Die Werft hat ein eigenes 30-köpfiges Forschungsteam, das bei den Entwicklungen im Einsatz ist. Jedes Schiff sei ein neuer Prototyp.

Der Markt boomt. In diesem Jahr sollen weltweit 17 neue Kreuzfahrtschiffe in Dienst gestellt werden. Die Werften kommen mit der Produktion der Schiffe kaum nach. Und ein Trend setzt sich dabei durch: Immer mehr Passagiere finden Platz auf den Hochsee-Riesen. Laut Kreuzfahrtbranchenverband Clia schipperten 2017 rund 2,2 Millionen Deutschen auf diese Weise über die Ozeane. Europaweit waren es insgesamt 6,9 Millionen Passagiere. Von diesem Boom profitieren etliche Unternehmen: Werften, Zulieferer und Reedereien. Zehntausende Arbeitsplätze hängen daran.

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Auch jetzt wirkt das Schiff schon imposant.

(Foto: Sonja Gurris)

Die weitere Entwicklung bei Aida zeigt, warum Meyer auch zukünftig genug zu tun hat: "Neben "AIDAnova" hat die Reederei bei der Meyer Werft noch zwei weitere Schiffe derselben Baureihe bestellt. Die werden auch wieder einen LNG-Antrieb haben", erklärt Alexander Christen von Aida.

"Königsadler" stemmt 500 Tonnen

Das neue Flottenmitglied soll bald Urlauber zu den Kanaren fahren, aber bis dahin dauert es noch etwas. Ein Rundgang durch die Hallen der Meyer Werft zeigt die Komplexität des Schiffbaus. Der Stahl muss an zahlreichen Stationen vorbereitet, gelasert und geschweißt werden. Mehrere Hundert Tonnen müssen die Kräne hier heben und bewegen. Diese Ungetüme haben liebevolle Namen wie "Königsadler". Das passt auch, denn er thront ziemlich erhaben über den Köpfen der Handwerker.

Die Halle, in der das Kreuzfahrtschiff zusammengebaut wird, ist mehr als 500 Meter lang. Ein Passagierflugzeug des Typs A380 würde mühelos hineinpassen. Die Hallen mussten mit den Jahren mit wachsen, weil auch die Schiffe immer größer wurden, die darin gefertigt werden.

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Ungewohnte Einblicke. Der Bau ist nach Angaben der Werft im Zeitplan.

(Foto: Sonja Gurris)

Jedes Jahr können bis zu vier Schiffe in Papenburg gebaut werden, dafür muss der Platz optimal genutzt werden. Günther Kolbe steht vor einem Plan, der die "AIDAnova" zeigt: "Wenn wir damit anfangen, setzen sich die Techniker zusammen und teilen das Schiff in Blöcke ein. Diese wiegen in der Regel 700 bis 800 Tonnen. Dann gibt man dem Ganzen eine Nummerierung und danach plant man dann weiter", sagte der gelernte Schiffsbauer. Er spricht von Systemblöcken, die zusammengesteckt werden. Am Ende ergeben sie ein Schiff. Welche Ausmaße dieses Bausystem hat, zeigt sich, als Teil "69" angebaut wird. Hinter der Zahl verbirgt sich ein Schiffsteil, das 500 Tonnen wiegt. Eine laute Sirene dringt durch die Halle und der Klotz setzt sich in Bewegung. Wieder fliegt der "Königsadler".

Ein Puzzleteil weniger auf der Liste

Ein Dutzend Werftarbeiter stehen auf einem Block. Direkt über ihren Köpfen hängt der 500 Tonnen-Körper. Schnell packen die Arbeiter Sicherheitsgeländer zur Seite, in wenigen Augenblicken sollen die Blöcke aufeinandergesteckt werden. Das komplette Prozedere dauert eine Stunde - ein Puzzleteil weniger auf der To-do-Liste.

Der rote Bug der "AIDAnova" sieht ungewöhnlich aus. Die Farbe ist ein sogenannter Primer, eine Art Grundierung. Erst ganz am Schluss wird das Schiff in dem gewohnten Weiß erstrahlen. Die "Nova" wird 5000 Passagiere beherbergen. Es wird das größte Schiff der Flotte sein. Auch wenn es noch nicht fertig ist, ist es imposant. Besonders sichtbar wird das, wenn man einen Arbeiter beobachtet, der auf einem Kran mit Hebebühne steht und am Bug schweißt. Gegen den Stahlkoloss wirkt er winzig klein.

Die "Nova" wird das 13. Flottenmitglied. In der Werft an der Ems wird aber nicht nur das neuste Aida-Schiff gebaut. Vor Kurzem wurde die "Norwegian Bliss" der Reederei NCL ausgedockt und auch Royal Caribbean lässt hier bauen.

Dass es bis zur Taufe am 31. August noch ein ordentliches Stück Arbeit ist, zeigt auch ein Blick ins Steuerhaus. Um hier die künftige Brücke zu erkennen, braucht es schon einige Fantasie. Insgesamt 30 Elektriker arbeiten am Schiff. Viele sind im Steuerhaus und werkeln an Hunderten von Kabeln, die auf dem Boden verlaufen und von der Decke hängen. Bei der Taufe wird davon nichts mehr zu sehen sein. 36 Monate dauert der Bau - von der Planung bis zur Fertigstellung. Doch dann geht es bei der Meyer Werft nahtlos weiter. Die nächsten Systembaublöcke und der "Königsadler" warten schon.

Quelle: n-tv.de

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