Wirtschaft

Megaprojekt in der Ostsee Riffe könnten Fehmarnbelt-Tunnel verhindern

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Fehmarnbelt zwischen Puttgarden und dem dänischen Rödby.

(Foto: picture alliance / dpa)

Läuft das fast zehn Milliarden Euro schwere Bauprojekt zwischen Dänemark und Deutschland auf Grund? So jedenfalls sehen es Naturschutzexperten: Sie machen entlang des geplanten Tunnelverlaufs Riffe aus, die unter strengem Schutz stehen.

Neu nachgewiesene Riffe entlang der Trasse des geplanten Fehmarnbelt-Tunnels werden nach Ansicht des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) zum Problem für das Großprojekt. Eine von der Umweltorganisation selbst vorgenommene Biotopkartierung habe ergeben, dass der Ostseeboden in dem Seegebiet zwischen Deutschland und Dänemark nicht aus Schlick und Sand bestehe - wie in der Umweltverträglichkeitsstudie ausgewiesen, die der Planfeststellung zugrunde liegt.

Es gebe dort mehrere Quadratkilometer große und artenreiche Riffe, sagte der Leiter Meeresschutz beim Nabu, Kim Detloff, in Hamburg. Solche "Oasen der Meere" seien streng geschützt. Der Nabu sprach von einem "Verstoß sowohl gegen deutsches als auch gegen europäisches Recht". Dies müsse nun in dem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geklärt werden. Dort klagt der Nabu gegen den Planfeststellungsbeschluss.

Kosten schießen in die Höhe

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So soll der Tunnel einmal aussehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Fehmarnbeltquerung ist in einem Staatsvertrag zwischen Dänemark und Deutschland vereinbart und wird vor allem von Dänemark vorangetrieben, das auch die Kosten für das Tunnelbauwerk von bislang angenommenen 7,4 Milliarden Euro übernimmt.

Auf deutscher Seite sind ebenfalls eine Reihe von Baumaßnahmen zum Ausbau der Straßen- und Schienenwege erforderlich, die zunächst mit 800 Millionen Euro beziffert wurden. Mittlerweile sollen die Baukosten 2,2 Milliarden Euro betragen, auch der Betrag von 4,5 Milliarden Euro wurde schon genannt.

Zweifel an Notwendigkeit

Der Nabu hat gemeinsam mit anderen Verbänden und Interessengruppe gegen das Projekt eine Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht. Dabei geht es neben der Kritik an den Bedarfsberechnungen vor allem um den Schutz der Schweinswale in der Ostsee, deren Wanderwege durch den Tunnel unterbrochen würden. Eine Entscheidung in diesem Verfahren ist nach Einschätzung von Malte Siegert vom Nabu nicht vor dem Jahr 2021 zu erwarten.

Für die geplante feste Querung des Fehmarnbelts zwischen Deutschland und Dänemark gibt es zudem nach einem Gutachten im Auftrag von Nabu keinen Bedarf. Auf der Strecke gebe es lediglich zu saisonalen Spitzenzeiten Engpässe, insgesamt jedoch sei die vorhandene Infrastruktur nicht ausgelastet und völlig ausreichend, heißt es in der Studie der Beratungsfirma Hanseatic Transport Consultancy.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa

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