Wirtschaft

Moskau reagiert auf die US-Wahl Russland-Anleger setzen auf Trump

RTX2SQES.jpg

"Vielleicht haben wir eine gute Beziehung": Im russischen Aktienhandel ziehen die Kurse nach der US-Wahl an.

(Foto: REUTERS)

Am Tag nach dem politischen Richtungswechsel ziehen die Kurse an den russischen Börsen an: Investoren spekulieren offenbar darauf, dass der künftige US-Präsident Trump die Sanktionen gegen Russland lockern könnte.

Im Gegensatz zum weltweiten Trend haben die Aktienkurse in Russland nach dem Wahlsieg von Donald Trump deutlich ins Plus gedreht. Die beiden wichtigsten Börsenbarometer des russischen Aktienhandels, der RTS und der Micex, starteten am Tag nach der US-Wahl zwar mit leichten Verlusten in den Handel.

Rubel / US-Dollar
Rubel / US-Dollar ,02

Wenige Stunden später jedoch wechseln die russischen Indizes die Richtung: Gegen Mittag notiert der RTS knapp 1,1 Prozent fester. Der Micex legt fast 1,4 Prozent zu. Auch der russische Rubel stabilisierte sich gegenüber dem Dollar.

Russland sei das Schwellenland, das vermutlich am stärkten von einer Präsidentschaft Trumps profitieren könnte, sagte Charles Robertson von der Bank Renaissance Capital. Es gebe die Hoffnung, dass Trump die Sanktionen gegen Russland lockern könnte.

Seine Präsidentschaft biete "viele Möglichkeiten für weltweites Wachstum und weniger geopolitische Konfrontation", sagte der Chef des russischen Staatsfonds RDIF, Kirill Dmitriew, der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

"Wir werden sehen, wie es läuft"

Im Wahlkampf hatte Trump sich für eine Annäherung zwischen den USA und Russland ausgesprochen und unter anderem auch die Führungsqualitäten des russischen Präsidenten Wladimir Putin gelobt. Der Kreml erklärte nach dem Wahlsieg des Republikaners, Putin hoffe auf "gemeinsame Arbeit", um den gegenwärtigen "kritischen Zustand" der Beziehungen zwischen den USA und Russland zu beenden. Im russischen Parlament brach Applaus aus, als Trumps triumphaler Wahlsieg offiziell verkündet wurde.

Wie genau sich die russisch-amerikanischen Beziehungen künftig gestalten werden, ist noch unklar. Während des Wahlkampfes hatte Trump sich zu seiner persönliche Einstellung zum russischen Präsidenten geäußert: "Ich liebe Putin nicht, ich hasse ihn nicht. Wir werden sehen, wie es läuft", meinte er.

Zu seiner außenpolitischen Linie gegenüber Russland gibt es bislang nicht viel mehr als Andeutungen. "Wir werden sehen", erklärte Trump dazu. "Vielleicht haben wir eine gute Beziehung. Vielleicht haben wir eine schreckliche Beziehung. Vielleicht haben wir eine Beziehung genau dazwischen."

Glückwunschtelegram aus dem Kreml

"Er (Putin) hat gesagt, ich sei brillant", fügte Trump bei dieser Gelegenheit hinzu. "Das zeugt von einer gewissen Cleverness." Vollkommen frei von Verdachtsmomenten ist das Verhältnis zwischen Trump und Putin nicht. Russische Hacker werden von den US-Behörden sowie dem Wahlkampfteam der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, hinter Cyberangriffen auf die Parteizentrale der Demokraten sowie auf Clintons Kampagnendirektor John Podesta vermutet. Handfeste Beweise gibt es dafür allerdings nicht.

Russlands Präsident Putin gratulierte dem Republikaner als einer der ersten Staatschef zu seinem Wahlsieg. Putin habe Trump seine Glückwünsche per Telegramm übermittelt, teilte die Regierung in Moskau mit. "Putin drückte seine Hoffnung aus, dass in gemeinsamer Arbeit die russisch-amerikanischen Beziehungen verbessert werden können", hieß es. Es sollten effektive Antworten auf die Gefahren für die weltweite Sicherheit gefunden werden. Ein konstruktiver Dialog diene den Interessen beider Länder.

"Besondere Verantwortung Russlands"

"Wir haben vor der Wahl die Äußerungen Trumps gehört, die darauf zielten, die Beziehungen zwischen Russland und den USA zu verbessern", sagte Präsident Putin bei einer Veranstaltung mit Diplomaten in Moskau. "Wir wissen, dass es ein schwieriger Weg wird, aber wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten."

Russland wünsche sich, seine Beziehungen zu den USA in allen Bereichen zu verbessern, fügte Putin hinzu. "Das ist im Interesse der russischen und der amerikanischen Bürger und wird das allgemeine Klima der internationalen Beziehungen positiv beeinflussen, in Anbetracht der besonderen Verantwortung Russlands und der USA für die Sicherung der weltweiten Stabilität und Sicherheit", ergänzte Putin.

Die Beziehungen zwischen beiden Großmächten hatten sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. In der Außenpolitik treten sie häufig als konkurrierende Mächte auf. So will Putin in Syrien den vom Westen abgelehnten Präsidenten Baschar al-Assad an der Macht halten. In der Ukraine stößt die Unterstützung separatistischer Rebellen durch Russland bislang auf scharfen Widerspruch der USA.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/rts

Mehr zum Thema