Nach schwachem ersten QuartalRussland rechnet mit deutlich weniger Wirtschaftswachstum

Russlands Wirtschaft steht unter Druck. Zwar profitiert das Land derzeit von steigenden Energiepreisen infolge des Iran-Kriegs. Dennoch korrigiert der Kreml seine Prognosen jetzt nach unten - und nennt mehrere Gründe dafür.
Die russische Regierung senkt nach einem schwachen ersten Quartal ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum. Für das laufende Jahr werde die Vorhersage für den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,3 auf 0,4 Prozent gekappt, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Alexander Nowak der Zeitung "Wedomosti". Für 2027 wurde die Prognose von 2,8 auf 1,4 Prozent halbiert. Dabei hatte Präsident Wladimir Putin ein stärkeres Wachstum gefordert.
"Die wirtschaftliche Dynamik ist zyklisch", sagte Nowak und verwies auf den von hohen Militärausgaben für den Krieg gegen die Ukraine getriebenen Aufschwung 2023 und 2024. Nach einer Phase hohen Wachstums gebe es immer eine Korrektur. Die Wirtschaft stehe unter beispiellosem Druck durch westliche Sanktionen. Hinzu kommen regelmäßige Angriffe der Ukraine auf kriegswichtige Betriebe und die Ölindustrie.
Die russische Wirtschaft ist im zurückliegenden ersten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft. Dies war der erste Rückgang seit drei Jahren. Experten führen das auf eine Folge von Steuererhöhungen zu Jahresbeginn und hohen Preisabschlägen für russisches Öl infolge westlicher Sanktionen zurück.
Russland profitiert von steigenden Energiepreisen
Nowak zufolge wird in der Haushaltsplanung für 2026 weiterhin ein Ölpreis von 59 Dollar pro Barrel zugrunde gelegt. Für die nächsten drei Jahre soll der Preis bei 50 Dollar pro Barrel liegen. "Es ist wichtig, weiterhin eine pragmatische und konservative Politik zu verfolgen", sagte Nowak mit Blick auf den Krieg im Nahen Osten, der weltweit steigende Energiepreise zur Folge hat, von denen Russland profitiert. "Die Krise führt zwar zu höheren Exporteinnahmen aus Öl und Gas, dieser Effekt ist jedoch nicht von langer Dauer."
Präsident Putin hatte die Regierung aufgefordert, das Wachstum 2026 wieder anzukurbeln. Im vergangenen Monat wies er hochrangige Beamte wegen der nachlassenden Konjunktur zurecht und forderte sie auf, neue Wege zur Stützung der Wirtschaft zu finden. Nowak sagte dazu: "Die Regierung arbeitet systematisch daran, wieder nachhaltiges, langfristiges Wachstum zu erzielen, um die nationalen Entwicklungsziele zu erreichen."