Wirtschaft

EU schaltet sich in Streit ein Ryanair-Piloten fordern Führungswechsel

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Am 28. September wollen Flugbegleiter in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden wieder ihre Arbeit niederlegen.

(Foto: dpa)

Im Tarifstreit bei Ryanair bietet der Billigflieger deutschen Piloten zwar eine Festanstellung an. Doch das ist der Vereinigung Cockpit zu wenig. Ihre Forderung: Die Führungsspitze muss weg. Unterdessen fordert die EU-Kommission, nationales Arbeitsrecht einzuhalten.

Die Ryanair-Piloten verschärfen im Streit mit der irischen Billigfluggesellschaft den Ton. Vor der Hauptversammlung der Fluglinie haben Pilotengewerkschaften einen Austausch der Führungsspitze gefordert. "Das Verhältnis zwischen dem Ryanair-Management und den Beschäftigten ist aus unserer Sicht so stark beschädigt, dass es nun den weiteren Unternehmenserfolg gefährdet", schreibt die Ryanair-Tarifkommission der Vereinigung Cockpit im Namen der Ryanair-Piloten. "Wir als Beschäftigtengruppe fordern die Ryanair-Aktionäre, mit denen uns der Wunsch für ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen verbindet, auf, die derzeitige Unternehmensführung auszutauschen."

Es sei zu befürchten, dass das derzeitige Management seinen seit 20 Jahren gelebten Führungsstil beibehält. Ein vertrauensvoller Umgang mit den Mitarbeitern scheine dem Management unmöglich zu sein. Es sei dementsprechend nicht vorstellbar "wie dieses Management eine fruchtbare Sozialpartnerschaft mit uns gemeinsam gestalten kann." Das betreffe sowohl Ryanair-Vorstandsmitglieder, wie auch den Aufsichtsrat des Unternehmens. "Sowohl Beschäftigte, als auch Aktionäre würden in den nächsten Jahren einen hohen Preis zahlen, wenn wir die derzeitigen Management-Fehler fortsetzen."

Die Piloten bezeichnen sich in der Erklärung "als loyale Gruppe von Mitarbeitern, die mit anderen Berufsgruppen am Aufbau des Unternehmens mitgewirkt hat und für den weiteren Erfolg unserer Fluggesellschaft einen wichtigen Beitrag leistet".

Die Ryanair-Hauptversammlung findet am Donnerstag in Dublin statt. Medien sind nicht zugelassen. Auch die sonst übliche Pressekonferenz wird es nicht geben. Man wolle den Anteilseignern die Möglichkeit zur offenen Diskussion geben, so die Begründung.

Ryanair will Großteil der Ausbildungskosten übernehmen

Ryanair streitet sich derzeit mit Piloten und Flugbegleitern europaweit über Löhne und Arbeitsbedingungen. Am 28. September wollen die Flugbegleiter in Spanien, Italien, Portugal, Belgien und den Niederlanden das nächste Mal die Arbeit niederlegen, in Italien zusätzlich auch die Piloten. Piloten von Ryanair in Deutschland hatten zusammen mit Flugbegleitern vergangene Woche gestreikt. Die Airline strich 150 der etwa 400 geplanten Verbindungen von und nach Deutschland.

Ryanair bietet seinen in Deutschland stationierten Piloten mittlerweile eine Festanstellung sowie die Übernahme von Ausbildungskosten an. "Bis Weihnachten sind alle Piloten, die in Deutschland ihre Basis haben, direkt bei uns angestellt", sagte Ryanair-Manager Peter Bellew der Wochenzeitung "Die Zeit". Das Unternehmen werde künftig zudem zum großen Teil die Ausbildungskosten für eine Flugschule übernehmen.

Zuletzt hatte sich auch die EU-Kommission eingeschaltet. Sozialkommissarin Marianne Thyssen und Verkehrskommissarin Violeta Bulc forderten die Fluggesellschaft auf, nationales Arbeitsrecht anzuwenden und in der EU gültige Sozialstandards zu beachten. "Ausschlaggebend für das anwendbare Recht ist nicht die Flagge des Flugzeugs", sagte Thyssen der Zeitung "Welt". "Entscheidend ist vielmehr der Ort, von dem aus ein Arbeitnehmer morgens abfährt und am Abend heimkehrt, ohne dass der Arbeitgeber seine Ausgaben decken muss." Die europäischen Vorgaben für die Anwendung des korrekten Arbeitsrechts auf Arbeitsverträge seien eindeutig.

Quelle: n-tv.de, ftü/DJ/rts/AFP

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