Wirtschaft
(Foto: imago/Chris Emil Janßen)
Samstag, 11. August 2018

Wütende Piloten arbeiten wieder: Ryanair-Streik ist vorerst beendet

Ab dem frühen Samstagmorgen nehmen die streikenden Piloten von Ryanair wieder ihre Arbeit auf. Die Vereinigung Cockpit hofft auf ein Einlenken der Airline und appelliert an die EU für einheitliche Streikregelungen.

Nach dem 24-Stunden-Streik beim irischen Billigflieger Ryanair berät die deutsche Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) das weitere Vorgehen in dem Tarifkonflikt. Der am Freitag gestartete Arbeitskampf sollte am Samstagmorgen um 02.59 Uhr beendet und nicht verlängert werden, wie die Gewerkschaft mitteilte. Ein VC-Sprecher hatte zuvor erklärt, "wir hoffen, dass Ryanair unser Signal verstanden hat und dann zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist." Weitere Streiks wollte die Gewerkschaft nicht ausschließen.

Die 24-stündige, abgestimmte Aktion war der bisher größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas. Mitten in der Urlaubszeit musste die Airline am Freitag jeden sechsten Flug ihres europaweiten Tagesprogramms absagen und damit rund 55.000 Passagiere enttäuschen. Auf Deutschland entfielen 250 von 400 gestrichenen Verbindungen. Auch in Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden hatten Piloten ihre Arbeit niedergelegt, um bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten. Das Unternehmen teilte mit, dass trotz der Streiks am Freitag europaweit rund 2000 Flüge stattfänden, rund 85 Prozent des ursprünglichen Flugplans.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC verlangt angemessenere Arbeitsbedingungen sowie ein höheres garantiertes Gehalt. Sie will bei der Airline erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht zum Vergleich Konkurrenten heran. Ryanair verweist auf relativ hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten, die über dem Niveau anderer Billig-Airlines wie Eurowings oder Norwegian lägen. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

Weiterhin forderte VC angesichts des Arbeitskampfes bei Ryanair gleiche Streikregeln in der EU. "Bislang sind die Unterschiede bei den Tarifvertragsrechten in den europäischen Ländern zu groß. Das muss dringend vereinheitlicht werden", sagte VC-Präsident Martin-Joachim Locher der "Passauer Neuen Presse". "Allerdings gestaltet sich das aufgrund der momentanen Gesetzeslage sehr schwierig. In der nächsten Zukunft sehe ich keine Verbesserung." Die Gewerkschaft sei im engen Austausch mit Partnerverbänden in anderen Ländern, dürfe ihre Streikmaßnahmen aber aus rechtlichen Gründen bisher nicht mit ihnen koordinieren.

Quelle: n-tv.de