Wirtschaft

Spekulation mit Gamestop-Aktien SEC nimmt "Meme"-Zockerei unter die Lupe

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Die Aktien des Videospielhändlers Gamestop haben seit Jahresbeginn rund 2000 Prozent zugelegt.

(Foto: REUTERS)

Wenn sich Privatanleger in Internetforen verabreden und "Meme-Aktien" kaufen, fahren die Kurse Achterbahn. Wild spekuliert wird etwa mit den Papieren des Spiele-Händlers Gamestop. Nun will sich die US-Börsenaufsicht das Treiben genauer ansehen.

Die US-Börsenaufsicht SEC reagiert auf die Zunahme des Handels mit sogenannten "Meme-Aktien" wie Gamestop und AMC Entertainment. SEC-Chairman Gary Gensler kündigte eine breite Prüfung der Marktstruktur an. Aktien wie Gamestop hatten mit erratischen Kursbewegungen für Schlagzeilen gesorgt.

Gamestop Corporation
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Bei "Meme-Aktien" animieren sich Kleinanleger in einschlägigen Internet-Foren etwa auf Reddit gegenseitig dazu, die Titel zu kaufen und den Kurs damit nach oben zu treiben. Dies hat in der Vergangenheit Hedgefonds in Mitleidenschaft gezogen, die über Leerverkäufe auf einen Kursverfall spekuliert hatten. Der Analysefirma S3 Partners zufolge haben Anleger mit Leerverkäufen auf Gamestop seit Anfang des Jahres etwa sieben Milliarden Dollar Verluste gemacht.

Zu Genslers Vorhaben zählen nun etwa die Überprüfung der Rolle, die Hochgeschwindigkeits-Händler, sogenannte "Wholesaler", bei der Ausführung von Orders von Kleinanlegern spielen, und der Aufstieg der Online-Broker, die Anlegern mehr Aktienhandel ermöglichen. Gensler, seit April Chef der SEC, erneuerte seine Kritik an einem System, das viele der von Kleinanlegern platzierten Orders an Hochgeschwindigkeitshändler wie Citadel Securities und Virtu Financial verweist, statt sie an Börsenplätze weiterzuleiten.

Das System, bekannt als "Payment for Order Flow", kommt Privatanlegern zugute, die zu dem an einer Börse ermittelten vorherrschenden Marktpreis handeln wollen, entgegnen Broker. Wholesaler können diesen Anlegern etwas bessere Preise bieten, weil ihre Orders klein sind und den Markt nicht bewegen.

Broker sagen, dass dies eine Form von Kundensegmentierung darstellt, ähnlich wie Mobilfunkanbieter Handypreise und Verträge auf die Bedürfnisse und die Zahlungsbereitschaft der Kunden zuschneiden. Gensler meint dagegen, dass Privatanleger bessere Preise bekommen können, wenn mehr Handel über Börsen stattfindet. Im Januar lief nur rund 53 Prozent des Handels über die Börse, während beim restlichen Handel Wholesaler und von Brokern betriebene Handelsplätze wie Darkpools involviert waren, wie Gensler sagte. "Die Frage ist vor dem Hintergrund technologischer Veränderungen und jüngster Entwicklungen, ob unsere Aktienmärkte so effizient sind wie sie sein könnten", sagte Gensler.

Gamestop übertrifft mit neuesten Zahlen Erwartungen

Die SEC will nun ihre Regulierung "National Best Bid and Offer" (NBBO) prüfen, die Broker verpflichtet, Orders ihrer Kunden zum bestmöglichen verfügbaren Preis bei Kauf und Verkauf auszuführen. "Es gibt Anzeichen, dass die NBBO keine vollständige Darstellung des Marktes umfasst", sagte Gensler. Sie könnte nicht den Standards entsprechen, weil so viel Handel außerhalb der Börsen stattfindet. Die SEC werde Änderungen bei der Berechnung der Benchmark ins Auge fassen, so Gensler. Die Behörde werde auch andere potenzielle Regeländerungen im Zusammenhang mit der Bepreisung von Aktien durch Börsen und Broker prüfen.

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Unterdessen wurde bekannt, dass der Videospielhändler Gamestop seinen Verlust verringert und beim Umsatz die Erwartungen übertreffen konnte. Der Betriebsverlust reduzierte sich im abgelaufenen Quartal auf 40,8 Millionen Dollar von 108 Millionen Dollar im Vorjahr, teilte die Firma mit. Der Umsatz stieg um etwa ein Viertel auf knapp 1,3 Milliarden Dollar. Beide Kennziffern waren damit besser als von Experten erwartet.

Gamestop-Titel verloren im nachbörslichen Handel gut acht Prozent. Die Gamestop-Aktie hat seit Jahresbeginn allerdings mehr als 2000 Prozent zugelegt. Zwar dürften neue Spielkonsolen das Geschäft des US-Konzerns antreiben. Allerdings warnen Experten, dass der Kurs nicht mehr die Geschäftsentwicklung widerspiegelt. Zwei Analysten kündigten zuletzt an, die Titel nicht mehr zu bewerten.

Quelle: ntv.de, fzö/DJ/rts

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