Wirtschaft

Nach den Drohnen-Attacken Saudi-Arabien muss Öl und Benzin einkaufen

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Die Angriffe haben die saudische Ölproduktion schwer getroffen,

(Foto: REUTERS)

Nach den Angriffen auf die größten Ölanlagen des Landes ist Saudi-Arabien zu einem außergewöhnlichen Schritt gezwungen: Der staatliche Erdöl-Riese Aramco muss sich im Ausland nach Öl und Benzin umsehen.

Saudi-Arabien bemüht sich nach den Angriffen auf zwei Ölanlagen um Schadensbegrenzung und versucht damit, seinen Ruf als zuverlässiger Lieferant zu wahren. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, wendet sich der staatliche Erdöl-Riese Aramco deshalb an ausländische Produzenten, um Lücken in der eigenen Versorgung zu schließen.

Demzufolge will Saudi-Arabien bereits verarbeitete Ölprodukte wie Diesel und Benzin für den heimischen Konsum einkaufen. Damit sollen Kapazitäten freiwerden, um ausreichend Rohöl für den Export anzubieten. Zusätzlich soll Aramco den Irak nach zwei Millionen Barrel Öl (je 156 Liter) gefragt haben.

"Wenn du einer der größten Ölproduzenten der Welt bist und jemand anderen brauchst, der deine Raffinerien beliefert, dann gibt es eindeutig einen Engpass", sagte Tamas Varga von PVM Oil Associates. "Die Saudis versuchen verzweifelt den Eindruck zu erwecken, dass sie zuverlässige Exporteure von Öl für die Kunden weltweit sind", so Marktexperte Bjarne Schieldrop von SEB Markets. Das Land tue, was es könne, um die Exporte aufrecht zu erhalten. Mit Blick auf den geplanten Börsengang von Aramco, sagt der Experte: "Sie kämpfen um ihr Leben. Der Börsengang hat höchste Priorität."

Aramco hatte am Dienstag angekündigt, seinen Lieferverpflichtungen nachzukommen, während die Schäden an den Erdölanlagen repariert würden. Saudische Beamte hatten zu Beginn dieser Woche gesagt, es würden Reserven genutzt, um die Ölproduktion innerhalb von Wochen wieder auf ein normales Niveau zu bringen. Energieminister Abdulasis bin Salman sagte, die Hälfte der eingebrochenen Ölproduktion sei bereits wieder hergestellt. Die Regierung versichert, dass die Förderung Ende des Monats wieder das frühere Niveau erreichen werde.

Iran droht mit "umfassendem Krieg"

Am Samstag hatten mehrere Drohnenangriffe die weltgrößte Ölraffinerie Abkaik am Persischen Golf und Öl-Anlagen im östlich gelegenen Churais-Ölfeld, dem zweitgrößten Fördergebiet des Landes, getroffen. Damit brach die saudische Ölförderung zeitweise um 5,7 Millionen Barrel pro Tag ein - das ist mehr als die Hälfte des üblichen Volumens.

Zu den Drohnenangriffen auf die Ölanlagen hatten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen bekannt. Saudi-Arabien und die USA machen dagegen den Iran für die Attacken verantwortlich. Saudi-Arabien kämpft als Teil einer Allianz an der Seite der international anerkannten, von den Huthis aber weitgehend entmachteten Regierung des Jemen.

Der Iran, der die Huthi-Rebellen unterstützt, weist die Vorwürfe zurück und bestreitet jedwede Beteiligung. Präsident Hassan Ruhani bezeichnete die Angriffe als Akt der "Selbstverteidigung" der Huthi-Rebellen gegen Saudi-Arabien und als "Warnung" an die Regierung in Riad. Diese erklärte, die verwendeten Drohnen und Raketen seien im Iran produziert worden, der die Angriffe "zweifellos" unterstützt habe. US-Außenminister Mike Pompeo sprach von einem "Kriegsakt" des Iran.

Derweil warnte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif die USA und Saudi-Arabien vor einem Angriff auf sein Land. Er drohte mit einem "umfassenden Krieg", sollte der Iran attackiert werden.

Quelle: n-tv.de, jga/DJ/AFP/rts

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