Wirtschaft

Viele Zulieferer in Schieflage Schaeffler sucht Schnäppchen in der Krise

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Konzernchef Klaus Rosenfeld: "2009 haben wir eine ganz andere Situation überstanden, deswegen mache ich mir jetzt keine Sorgen."

(Foto: picture alliance/dpa)

Schaeffler will weitere 4400 Stellen abbauen - trotzdem erwägt der Autozulieferer eine Einkaufstour. Es gebe "jede Menge Chancen für Übernahmen", so Konzernchef Rosenfeld. Woher das Geld dafür kommen soll, steht bereits fest. Nächste Woche ist Hauptversammlung.

Der Automobilzulieferer Schaeffler will trotz seines angekündigten Sparprogramms in den kommenden Monaten Konkurrenten übernehmen. "In der Krise ergeben sich jede Menge Chancen, auch für Übernahmen", sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld der "Welt am Sonntag". "Da wo es Sinn macht, sich technologisch zu verstärken, werden wir uns diese Möglichkeiten genau ansehen." Das gelte für die Autosparte und im Industriebereich.

Zur Finanzierung solcher Zukäufe will Schaeffler kommende Woche auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine wichtige Weiche stellen. "Wir haben angekündigt, ein genehmigtes Kapital für bis zu 200 Millionen neue Aktien zu beschließen", sagte Rosenfeld. Dieser Vorratsbeschluss ermögliche es dem Unternehmen künftig, sich schnell über die Börse Kapital zu besorgen.

Mittel freisetzen, Mittel investieren

Auf die Krise antworte Schaeffler mit einer defensiven und einer offensiven Komponente, wie Rosenfeld sagt. Zum defensiven Teil gehört der Abbau von 4400 Stellen, den Schaeffler in dieser Woche angekündigt hat. "Wir bündeln unsere Kräfte an Standorten wie Schweinfurt, wo die bisherige Produktion aus Eltmann integriert wird", sagte Roseneld.

Das Ziel dieser Konsolidierung, die auch Standorte wie Wuppertal, Luckenwalde und Clausthal-Zellerfeld betrifft: "Wir wollen mehr Mittel freisetzen, die wir in die Zukunft investieren können." Rosenfeld bleibt trotz der wirtschaftlich schwierigen Lage optimistisch. "Das Team von Schaeffler ist krisenerprobt", sagte er. "2009 haben wir eine ganz andere Situation überstanden, deswegen mache ich mir jetzt keine Sorgen."

Die auf Mittelstand und Finanzierungen spezialisierte Investmentbank Fox Corporate Finance (FCF) geht davon aus, dass viele Zulieferer in eine tiefe Krise stürzen werden. "Bei den börsennotierten Unternehmen wird die Schieflage schon sichtbar", sagte FCF-Chef Arno Fuchs der Zeitung. "Ein Viertel bis ein Drittel der Zulieferer sind akut gefährdet, da steht die Ampel bereits auf Rot."

Die Relation von Schulden und Gewinn betrage bei den kleineren börsennotierten Unternehmen derzeit 3,5, bei großen Konzernen sogar 4,3. Als solide tragbar gelten Verschuldungsraten von 2 bis 2,5. Außerdem hätten die großen börsennotierten Zulieferer im ersten Halbjahr 7,4 Milliarden Euro an Liquidität (Free Cash Flow) verloren. "Es könnte ein massives Sterben insbesondere bei den kleinen und mittelgroßen Zulieferern geben", warnt Fuchs.

Quelle: ntv.de, ddi/DJ