Wirtschaft

Reaktionen zum EZB-Programm Scharfe Kritik an Draghis Entscheidung

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Angela Merkel hat angesichts der Entscheidung der Europäischen Zentralbank die Politik an ihre Verantwortung für das Wachstum erinnert.

(Foto: AP)

Die Europäische Zentralbank will im Kampf gegen eine erneute Krise im Euroraum Hunderte Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Diese Entscheidung ist umstritten. Wir haben Reaktionen zur EZB-Ankündigung zusammengestellt.

Angela Merkel - Bundeskanzlerin

"Die Entscheidung der EZB darf nicht davon ablenken, dass die eigentlichen Wachstumsimpulse durch vernünftige Rahmenbedingungen durch die Politik gesetzt werden müssen und auch gesetzt werden können."

Peter Gauweiler - CSU-Politiker

"Es sieht so aus, dass die EZB schon wieder den Banken in den Krisenstaaten faule Papiere abnehmen und die Risiken den europäischen Steuerzahlern aufbürden will."

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Christian Lindner hofft, dass nun, in Folge der EZB-Entscheidung, der nötige Reformdruck in den EU-Ländern spürbar wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Christian Lindner, FDP-Vorsitzender

"Die heutige Notenbankentscheidung ist die Folge des seit über einem Jahr nachlassenden Reform-Tempos in den Euro-Ländern. Wenn der Reformdruck jetzt nicht spürbar erhöht wird, gerät der Euro in ernste Gefahr."

Georg Fahrenschon - Sparkassen-Präsident

"Letztlich hatte die Notenbank wohl gar keine andere Chance mehr, als den Versuch zu starten, den von ihr selbst genährten Erwartungen der Märkte gerecht zu werden. […] Ich kann auf breiter Front keine wirklichen Deflationsgefahren erkennen, die es zu bekämpfen gilt."

Stefan Bielmeier - Chefvolkswirt der DZ Bank

"Die Finanzmärkte gaben und geben sich mit Hingabe der Geldillusion hin - mehr Geld soll auch mehr helfen."

Kurt J. Lauk - Wirtschaftsrat-Präsident der CDU

"Das wird der nächste Versuch der EZB werden, wirtschaftspolitische Probleme mit geldpolitischen Maßnahmen zu überdecken."

Michael Kemmer - Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken

"Mit ihrem Aufkaufprogramm dramatisiert die Europäische Zentralbank (EZB) die Preis- und Wirtschaftsentwicklung im Euro-Raum unnötig. Zudem geraten Nutzen und Risiken der Niedrigzinspolitik allmählich in eine ungünstige Schieflage."

Uwe Fröhlich - Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

"Mit dieser aktionistischen Politik trägt die EZB zur Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger bei. […] Nach dem geldpolitischen Stakkato der vergangenen Monate muss sich die EZB jetzt in ein ruhigeres Fahrwasser bewegen und auf weitere Liquiditätsspritzen verzichten. Der Euroraum braucht eine geldpolitische Pause."

Dennis Snower, Präsident IFW-Insitut

"Die EZB sieht angesichts des Zinsniveaus nahe null keine anderen Handlungsoptionen mehr, als selbst Staatsanleihen zu kaufen. Sie beeinflusst damit die relativen Zinsen der einzelnen Länder und nimmt somit Einfluss auf die Fiskalpolitik. Die EZB untergräbt damit die Anreize für eine nachhaltige Haushaltsdisziplin und Schuldenpolitik. Um die EZB aus dieser Situation zu befreien, muss die EU mit den Mitgliedsländern klare, einfache und glaubwürdig implementierte Regeln für die Fiskalpolitik vereinbaren."

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"Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden", urteilt Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

"Die EZB ist zum Gefangenen der eigenen Ankündigungen geworden. Sie hat ohne Not nun ihren letzten Trumpf ausgespielt. Dabei überwiegen eindeutig die Risiken: Die Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen auf die Preisentwicklung in der Euro-Zone ist unsicher. Auch die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten lässt er weiter steigen."

Jana Meyer, HSBC Trinkaus

"Enttäuscht hat die EZB auf keinen Fall, sie hat die Geldschleusen deutlich geöffnet und ist den Erwartungen insofern gerecht geworden. Allerdings liegen die neuesten Zahlen zum Volumen nur leicht über dem, was zuletzt bereits durch den Marktgeisterte."

Jörg Krämer, Commerzbank-Chef-Volkswirt:

"Da das Programm 19 Monate laufen soll, dürften mehr als 1000 Milliarden Euro in den Markt gepumpt werden. Das Kaufprogramm ist damit deutlich größer, als es die meisten Experten erwartet hatten. Darüber hinaus hat Draghi gesagt, dass solange gekauft wird, wie es die Inflation notwendig erscheinen lässt. Das könnte darauf hindeuten, dass die EZB im Falle einer anhaltend niedrigen Inflation noch einmal nachlegt. Nach QE ist vor QE."

Quelle: ntv.de, tno