"Riecht nach Bestechung"Scheich kaufte sich heimlich mit 500 Millionen Dollar bei Trump ein
Von Hannes Vogel
Donald Trump ist ein Freund der Öldiktaturen am Golf. Nun wird ein handfester Grund dafür bekannt: Nur Tage vor seiner Machtübernahme kauften sich die Emirate diskret in seine größte Krypto-Firma ein.
Als Scheich Tahnoun bin Zaid al-Nahian im März 2025 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Washington reiste, wurde er empfangen wie ein König. Im Bankettsaal, dem zweitgrößten Zimmer des Weißen Hauses, richtete Donald Trump ein Dinner für ihn aus. Zwischen eichenvertäfelten Wänden, vergoldeten Leuchtern und dem ikonischen Porträt von Abraham Lincoln empfing der US-Präsident den obersten Sicherheitsberater und Geheimdienstchef der Golf-Dynastie wie sonst nur die Staatschefs großer Weltmächte. Merkwürdigerweise veröffentlichte das Weiße Haus keinerlei offizielle Pressemitteilung zu dem Treffen. Aber dafür eine Fotogalerie.
Die Begrüßung sprengte jegliches Protokoll. Nicht nur der Präsident, auch sein Vize JD Vance, Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Verteidigungsminister Pete Hegseth, Handelsminister Howard Lutnick und Trumps Sondergesandter Steve Witkoff machten Tahnoun ihre Aufwartung. Normalerweise werden ausländische Offizielle von den US-Beamten empfangen, die ihrer Funktion und ihrem Rang entsprechen, und nicht vom Staatschef und seinem halben Kabinett.
Den mutmaßlichen Grund für Tahnouns Privilegien hat nun das "Wall Street Journal" enthüllt: Nur vier Tage vor Trumps Amtsantritt machte der Spionage-Scheich, wie er in internationalen Medien gern genannt wird, einen bislang geheimen Deal mit der Trump-Familie: Über zwei Investmentvehikel sicherte er sich für 500 Millionen Dollar 49 Prozent an Trumps wichtigster Krypto-Firma World Liberty Financial (WLFI).
Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Donald Trump ungeniert aus seinem Amt ein Geschäft macht: Mindestens 2,7 Milliarden Dollar reicher hat ihn das erste Jahr seiner zweiten Präsidentschaft gemacht. Von Beginn an hat er die US-Außenpolitik dabei zum Verkauf gestellt, sich von den Diktaturen am Golf mit Luxusfliegern, Öldollars und Prunk überhäufen lassen. Doch dieser Deal ist selbst für Trump eine neue Stufe. Denn für die Hunderten Millionen Dollar, die er und seine Familie persönlich kassieren, hat sich der Präsident offenbar politisch revanchiert. Und damit nebenbei wohl die US-Verfassung gebrochen.
Millionen kassiert
Schon im Mai sorgte Trump kurz vor seiner ersten Auslandsreise an den Golf für Erstaunen: Mit zwei Milliarden Dollar war die staatliche emiratische Investmentfirma MGX bei der Bitcoin-Börse Binance eingestiegen. Und Trumps zweitältester Sohn Eric verkündete auf einer Krypto-Konferenz in Dubai: Für den Deal würde MGX den Stablecoin USD1 von Trumps Krypto-Firma WLFI nutzen. Auf einen Schlag bekam Trumps Firma so zwei Milliarden Dollar von der emiratischen Regierung zugeschanzt, mit denen sie risikolos Millionenzinsen kassieren konnte.
Doch das war nur der offiziell sichtbare Teil des Deals, wie nun bekannt wird. Der Drahtzieher des Geschäfts war ebenfalls der Mann mit der auffälligen Sonnenbrille: Scheich Tahnoun, in Personalunion Chef der emiratischen Investmentfonds MGX und G42. Nur dass damals noch niemand wusste, dass er Monate zuvor schon direkt 500 Millionen Dollar in die Trump-Familie investiert hatte. Die Hälfte davon wurde direkt ausbezahlt. Trump und seine Familie kassierten laut "Wall Street Journal" persönlich 187 Millionen Dollar in bar. 31 Millionen Dollar gingen an die Familie von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff sowie die gleiche Summe nochmals an die Unternehmer Zak Folkman und Chase Herro, dem "Drecksack des Internets", mit denen Trump WLFI gegründet hatte.
Es ist nicht das Einzige, was Trump und seine Firma verheimlichten. Der Deal machte den emiratischen Scheich zum größten Anteilseigner an Trumps Krypto-Firma. Doch die Identität des royalen Käufers hat sie nie bekannt gegeben. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass zwei führende Manager von Tahnouns Investmentfirma G42 in den Aufsichtsrat von Trumps Krypto-Firma WLFI einzogen.
Mit einer finanziellen Feuerkraft von 1,3 Billionen Dollar gebietet Scheich Tahnoun über eines der größten Investmentvermögen der Welt. Wenn er mit dem Finger schnippt, stehen Investoren weltweit stramm. Auch von Trump bekam er, was er wollte.
Begehrte Chips
Schon seit der Biden-Administration versuchte Tahnoun, an einen Schatz zu gelangen, den die US-Regierung streng bewachte: KI-Chips von Nvidia, mit denen der Scheich die Emirate zum globalen Hub für künstliche Intelligenz ausbauen will. Aus Angst, die hochsensible Technologie könnte so in chinesische Hände fallen, hatte Trumps Amtsvorgänger diesem Wunsch jedoch stets eine Absage erteilt.
Trump dagegen gab dafür nicht nur grünes Licht. Bei seiner Nahost-Reise im Mai unterzeichnete er ein Rahmenabkommen, das weithin als diplomatischer Coup für die Emirate gesehen wurde: Er gab den Export von bis zu 500 000 KI‑Chips von Nvidia jährlich in die winzige Golf-Monarchie frei. Und seine Zusage zum Bau eines gigantischen 5-Gigawatt-Rechenzentrums in Abu Dhabi - dem größten der Welt außerhalb der USA.
Der geheime Millionendeal ist eine weitere Zäsur in der Trump-Ära. Zum ersten Mal in der US-Geschichte ist ein ausländischer Regierungsvertreter nun größter Anteilseigner der Firma eines amtierenden US-Präsidenten. Dabei ist die Annahme von Geschenken aus dem Ausland eigentlich laut der Zuwendungsklausel in der US-Verfassung (Emoluments Clause) aus gutem Grund verboten. Sie soll verhindern, dass der mächtigste Mann der Welt bei feindlichen Mächten in der Tasche steckt.
"Das sieht sehr nach einem Verstoß gegen die Zuwendungsklausel aus. Und noch schlimmer: Es riecht nach Bestechung", zitiert das "Wall Street Journal" eine Ethik-Anwältin. Trumps Millionendeal mit dem Spionage-Scheich "bedeutet höchste Alarmstufe: Die Regierung steht offenbar zum Verkauf."
Trump sieht darin kein Problem. Weder er noch sein Sondergesandter Steve Witkoff seien an der Anbahnung des Deals beteiligt gewesen oder hätten bei WLFI seit Amtsantritt operative Positionen, teilte ein Sprecher seiner Krypto-Firma der Zeitung mit. "Präsident Trump handelt ausschließlich im besten Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit", zitiert das Blatt eine Sprecherin von Trump. "Interessenkonflikte gibt es nicht."