Wirtschaft

Allianz: Überlastung aller Häfen Schiffsstau in Shanghai dürfte noch Monate dauern

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Werke stehen still, Waren werden knapp: In der Corona-Pandemie kommt es zu massiven Verzögerungen im weltweiten Lieferverkehr. Die Schiffsversicherer von der Allianz warnen: Der Krieg in der Ukraine und der Lockdown in Shanghai sorgen für überlastete Häfen weltweit.

Der Mega-Stau im größten Containerhafen der Welt in Shanghai wird die weltweiten Lieferketten nach Einschätzung von Schifffahrts-Experten der Allianz noch monatelang durcheinanderbringen. Der Corona-Lockdown in der chinesischen Millionenmetropole legt den Hafen weitgehend lahm. "Das kann nicht schnell gelöst werden", sagte Justus Heinrich, der bei der Allianz-Tochter AGCS weltweit für Schiffskasko zuständig ist. Es werde mindestens ein bis drei Monate dauern, bis man die Lage in den Griff bekomme. Dabei erlebe die Schifffahrt derzeit ohnehin eine noch nie dagewesene Überlastung der Häfen, wegen der Crews und Hafenpersonal unter großem Druck stünden.

Die Industrie leidet seit dem Beginn der Corona-Pandemie unter teilweise großen Verzögerungen bei der Belieferung mit Rohstoffen und Zulieferteilen. Die Frachtkapazitäten in der Handelsschifffahrt sind nach Einschätzung der Allianz allerdings insgesamt zu knapp. Deswegen hätten große internationale Reedereien 7,5 Millionen neue Container bestellt, sagte Risikoberater Anastasios Leonburg bei der Vorstellung der jährlichen Schifffahrtsstudie der Allianz. "Man muss wesentlich mehr Container bauen, die dann in den Umlauf kommen."

Der Branchen-Boom führe dazu, dass auch Nicht-Containerschiffe zum Transport der Metallbehälter eingesetzt würden, alte Schiffe länger genutzt und Wartungsintervalle nicht eingehalten würden. Das berge Risiken - und nun komme noch der Krieg in der Ukraine mit seinen Folgen hinzu. Im Schwarzen Meer seien bereits Schiffe verloren gegangen, andere säßen in den Häfen in der Ukraine fest. Der Krieg habe die von der Pandemie verursachten Lieferprobleme, die Überlastung der Häfen und auch die Probleme bei der Rekrutierung von Schiffsmannschaften weiter verschärft, so das Fazit des Versicherers.

Für Schiffe gibt es eine eigene Kriegsversicherung, die anders als die Kasko-Versicherung einspringt, wenn Schiffe verloren gegeben werden müssen. Nach einer festgelegten Wartefrist von sechs bis zwölf Monaten können Schiffe, die nicht mehr aus den Häfen wegkommen, als Totalverlust deklariert werden. Sorgen macht den Allianz-Experten auch ein mögliches Öl-Embargo gegen Russland. Wenn das Schweröl knapp werde, könnten Reeder gezwungen sein, andere, vielleicht minderwertige Kraftstoffe zu verwenden, die zu Schäden an der Maschine führten.

Quelle: ntv.de, lwe/rts/dpa

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