Wirtschaft
Stehen vor Gericht: Meike, Anton und Lars Schlecker.
Stehen vor Gericht: Meike, Anton und Lars Schlecker.(Foto: dpa)
Montag, 13. November 2017

Familie überweist Millionen: Schlecker bedauert Insolvenz

Von Jan Gänger

Die Frau des ehemaligen Drogeriemarktkönigs Anton Schlecker und ihre Kinder überweisen eine Millionensumme an den Insolvenzverwalter des pleitegegangenen Unternehmens. Will die Familie den Richter milde stimmen?

Kurz vor dem Urteil im Bankrott-Prozess bemühen sich Ex-Drogeriemarktkönig Anton Schlecker und seine mitangeklagten Kinder Meike und Lars um Schadensbegrenzung. Die Familie zahlte insgesamt vier Millionen Euro an den Insolvenzverwalter ihrer 2012 untergegangenen Kette. Zudem entschuldigte sich Schlecker bei seinen ehemaligen Angestellten - zumindest ansatzweise. "Ich bedaure die Insolvenz meines Unternehmens. Insbesondere für meine früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", hieß es der "Bild"-Zeitung zufolge in einer abgelesenen Erklärung, die nur wenige Minuten dauerte.

Die Zahlungen sind vor allem deshalb bemerkenswert, weil Meike Schlecker nach der Pleite des Unternehmens versichert hatte: "Es ist nichts mehr da." Das hinderte die Schleckers nicht daran, ein Jahr später im Rahmen eines Vergleichs rund zehn Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zu überweisen.

Das Geld floss in die Insolvenzmasse, insgesamt haben die Gläubiger inzwischen mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet. Hintergrund der Zahlung war der Vorwurf, Anton Schlecker habe vor der Pleite Vermögenswerte an Angehörige übertragen. Die Schlecker-Familie hatte dies stets bestritten. Der heute 73-Jährige hatte sein Unternehmen als eingetragener Kaufmann geführt. Er haftet deshalb mit seinem Vermögen für die Schulden der Firma - und ist deshalb nach eigenen Angaben mittellos.

Einige Klagepunkte fallengelassen

Die Staatsanwaltschaft wirft Schlecker unter anderem vorsätzlichen Bankrott vor - er soll von 2010 bis Anfang 2012 mehr als 25 Millionen Euro aus der Firma gezogen und an seine Familie verlagert haben, obwohl er dies wegen drohender Zahlungsunfähigkeit nicht hätte tun dürfen.

Der größte Teil der Schadenssumme entfiel bisher auf Rechnungen, die Schlecker für Arbeiten einer Logistikfirma seiner Kinder Meike und Lars bezahlte. Die Stundensätze sollen überzogen hoch gewesen sein. Der Richter kündigte jüngst aber an, dass einige Klagepunkte fallengelassen werden sollen - darunter vor allem Zahlungen an die Firma der Kinder.

Nun teilten die drei Schleckers vor dem Landgericht Stuttgart mit, das Tochter und Sohn vergangene Woche jeweils eine Million Euro überwiesen haben. Den beiden Kindern gehörte die Logistikfirma LDG. Schleckers Frau überwies demnach zwei Millionen Euro. Er habe sie erst "bitten und überzeugen" müssen, sagte Anton Schlecker und versicherte: Er selbst habe durch die Insolvenz sein gesamtes Vermögen verloren.

Schlecker und seine Frau Christa haben Gütertrennung vereinbart. Das erklärt auch, warum beide weiterhin in der Familienvilla wohnen - sie gehört der Ehefrau. Schlecker hatte sie seiner Frau im Jahre 2009 übertragen. Man habe sich darauf geeinigt, den Millionen-Betrag auf seine Unterhaltsansprüche gegenüber seiner Ehefrau anzurechnen, so die "Bild".

Die Erklärung Schleckers und die Zahlungen können durchaus ein Versuch sein, dass Gericht kurz vor Ende des Prozesses milde zu stimmen. Lars Schlecker sprach in einer persönlichen Erklärung von "Schadenswiedergutmachung" - betonte aber zugleich erneut, noch kurz vor der Insolvenz "nicht im Geringsten" mit einer Überschuldung gerechnet zu haben.

Für den kommenden Montag sind die Plädoyers geplant, das Urteil könnte dann wiederum eine Woche später am 27. November folgen. Durch die Pleite haben 24.000 Menschen ihren Job verloren.

Quelle: n-tv.de