Wirtschaft

Zinszahlungen kaum zu stemmen Schuldendienst droht Twitter zu erdrücken

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Klempner gesucht: Die Hoffnung von Twitters Kreditgebern dürfte darauf ruhen, dass Musk Twitter flott macht wie er es bei Tesla geschafft hat.

(Foto: AP)

Für 44 Milliarden Dollar kauft Musk den Social-Media-Konzern Twitter. Einen erheblichen Teil davon zahlt aber nicht der Milliardär, sondern das übernommene Unternehmen selbst mithilfe von Krediten zu horrenden Zinsen. Angesichts der laufenden Verluste ist unklar, ob und wie Twitter die bald fälligen Zahlungen an die Banken leisten kann.

Twitter sieht sich, nach der Übernahme durch Elon Musk, erdrückenden Zinskosten gegenüber. 13 Milliarden Dollar des Kaufpreises von insgesamt 44 Milliarden Dollar hat der neue Eigentümer und Chef mit Bankkrediten bezahlt, die der chronisch defizitäre Social-Media-Konzern selbst aufnehmen musste. Diese Kredite lassen sich die Banken gut bezahlen, teilweise mit Zinsen von deutlich über zehn Prozent. Pro Jahr, so berichtet die "Financial Times", belaufen sich allein die Zinszahlungen für die neuen Übernahmeschulden auf 1,5 Milliarden Euro. Die erste Tranche steht demzufolge schon Ende Januar an.

Ob und wie Twitter diese Kosten schultern kann, ist fraglich. Seit Twitter-Aktien nicht mehr an der Börse gehandelt werden, veröffentlicht das Unternehmen keine detaillierten Finanzdaten mehr. Es ist jedoch klar, dass Twitter laufend viel Geld verliert. Im vergangenen Jahr hatte Twitter bis zur Übernahme einen Verlust von 221 Millionen Dollar vermeldet. Seitdem sind die Einnahmen laut Musks eigenen Angaben eingebrochen. Zwar hat der Unternehmer mit der Entlassung großer Teiler der Belegschaft die Axt an die Personalkosten gelegt. Gewöhnlich verursachen solche Kahlschläge jedoch erst einmal Kosten etwa für Abfindungen, bevor sich die Einsparungen niederschlagen. Musk selbst beschrieb Twitters Situation vergangenen Monat so: "Dieses Unternehmen ist wie ein unkontrollierbares Flugzeug mit brennenden Triebwerken, das mit hoher Geschwindigkeit gen Boden rast."

Musk kokettierte auch schon mit der Möglichkeit, dass Twitter Insolvenz anmelden könnte. Im Rahmen eines Insolvenzverfahrens können Unternehmen sowohl Schulden loswerden als auch Kosten wie Gehälter oder Mieten reduzieren. Der Haken an der Sache: Die Kapitalbeteiligungen von Musk und seinen Geldgebern, darunter die Beteiligungsgesellschaft Sequoia, Softwareunternehmer Larry Ellison und der saudische Prinz Alwalid bin Talal, sind gegenüber den Bankschulden nachrangig. Das heißt: Die Gesellschafter könnten ihre Anteile und Musk die Kontrolle über Twitter verlieren, bevor die Banken auf ihre Ansprüche verzichten müssen.

Tesla-Aktien größtenteils verpfändet

Eine weitere Option wäre, dass Musk selbst Geld nachschießt und einen Teil der Schulden selbst übernimmt. Immerhin ist der Multiunternehmer trotz des Kursrutsches bei seinem E-Autobauer Tesla noch der zweitreichste Mann der Welt mit einem Vermögen von geschätzt mehr als 130 Milliarden Dollar. Doch dieses gigantische Vermögen ist kaum liquide. Der "FT" zufolge hat Musk schon fast zwei Drittel seiner Tesla-Aktien, die einen Großteil seines Reichtums ausmachen, als Sicherheit für andere Kredite hinterlegt, mit denen er seinen Anteil an der Twitter-Übernahme und seine sonstigen unternehmerischen Aktivitäten finanzierte. Gemäß Teslas internen Richtlinien für die Manager des Unternehmens hat Musk hier kaum noch Spielraum. Auch der Verkauf weiterer Tesla-Aktien dürfte eine wenig verlockende Option für Musk sein. Seit 2021 hat er Tesla-Anteile für fast 40 Milliarden Dollar verkauft und damit auch zum Kursrutsch der Papiere erheblich beigetragen.

Um frisches Geld einzuwerben, ließ Musk bei seinen Mitinvestoren anfragen, ob die nicht ihre Anteile an Twitter aufstocken wollten. Laut "FT" lag dem Vorschlag doch die Bewertung des Unternehmens mit dem ursprünglichen Kaufpreis von 44 Milliarden Dollar zugrunde. Ein denkbar unattraktives Angebot. Der Finanzkonzern Fidelity, der über einen Fonds an Twitter beteiligt ist, hat den Wert seines Anteils angesichts der Entwicklung von Twitter unter Musks Führung gerade um mehr als die Hälfte nach unten korrigiert. Der Analyst Dan Ives vom Finanzdienstleister Wedbush Securities taxierte Twitter jüngst sogar nur noch mit einem Gesamtwert von 15 Milliarden Dollar.

Paradoxerweise könnte Musk gerade diese katastrophale Entwicklung als Argument gegenüber den Banken nutzen, Twitter einen Teil der Schulden zu erlassen, in Kapitalbeteiligungen umzuwandeln oder Zahlungen zumindest zu stunden, mit der Aussicht, die gewonnene Zeit zu nutzen, um Twitter in die Gewinnzone zu führen. Schließlich hatte Musk dies entgegen der Erwartung vieler Kritiker bei seinen lange defizitären Firmen Tesla und SpaceX auch geschafft. Die Alternativen von einer Insolvenz Twitters über einen möglichen Weiterverkauf der Kredite dürften für die Banken jedenfalls mit hohen Verlusten verbunden sein. Entsprechende Gespräche über eine Restrukturierung der Schulden liefen bereits, berichtet die "FT".

Quelle: ntv.de, mbo

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