Wirtschaft

Einbruch der Besucherzahlen Schwächelnder IAA steht Reform bevor

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Es steht nicht fest, ob die IAA wieder in Frankfurt stattfinden wird.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ausgerechnet am Aktionstag der Klimaaktivisten zieht Deutschlands Autobranche Bilanz: In diesem Jahr bleibt die Frankfurter Automesse IAA weit hinter dem Glanz früherer Tage zurück. Der Autoverband VDA bemüht sich um zuversichtliche Töne.

Proteste von Klimaschützern, Rücktritt des obersten Autolobbyisten, Zwist mit dem Frankfurter Oberbürgermeister und eine Debatte über die Zukunft der Messe: Zum Abschluss der diesjährigen Internationalen Automobil-Austellung (IAA) in Frankfurt am Main hat der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) eine vorsichtig optimistische Bilanz gezogen.

Nach einem Einbruch der Besucherzahlen in diesem Jahr steht die IAA allerdings insgesamt vor einer ungewissen Zukunft, wie der scheidende VDA-Präsident, Bernhard Mattes, bei der Abschlusspressekonferenz einräumte. "Wir arbeiten derzeit am Konzept für die Jahre 2021 und folgende", sagte, er. Denkbar ist demnach auch ein Rückzug aus Frankfurt am Main. "Wir sind im Gespräch auch mit der Messe Frankfurt, wir haben aber noch keine Standortentscheidung getroffen."

Diskutiert wird ein neues Messekonzept mit wechselnden Veranstaltungsorten. "Über den Jahreswechsel müssen wir schon in die Richtung kommen: So soll es ausschauen", sagte Mattes, der seinen Rücktritt als VDA-Präsident zum Jahresende angekündigt hat. Bis zum Abschluss der diesjährigen IAA am Sonntagabend erwartet der VDA "deutlich mehr als eine halbe Million" Besucher. Die Auflage im Jahr 2017 zog mit 810.000 Besuchern allerdings deutlich mehr an.

Wichtige Autobauer fehlten in diesem Jahr

"Dass diese IAA mit ihrer geringeren Zahl an ausstellenden Automobilmarken weniger Besucher als 2017 ausweisen würde, hatten wir erwartet", sagte Mattes. Wichtige Hersteller aus Japan, den USA, Frankreich und Italien fehlten. Wie nie zuvor nutzten Klimaaktivisten und Umweltschützer die IAA als Plattform für Kritik an der Automobilbranche. Tausende Menschen protestierten für autofreie Städte, kostenlosen öffentlichen Nahverkehr und den Ausbau von Fahrradwegen. Zusätzlich angeheizt wurde die Debatte durch einen Unfall mit einem sportlichen Geländewagen (SUV) in der ersten Septemberwoche, bei dem in Berlin vier Fußgänger ums Leben kamen. Autogegner verlangen von der Industrie nicht nur die Entwicklung von mehr reinen Elektroautos, sondern auch leichtere und kleinere Wagen.

"Die Attacken, die in den vergangenen Wochen gegen das Auto und insbesondere gegen den SUV geritten wurden, sind Zeichen einer überhitzten Diskussion", befand Mattes. Der Industrie gehe es darum, beides zu erreichen: Klimaschutz und individuelle Mobilität. Der schwierige Umbruch von klimaschädlichen Verbrennern zu massentauglicher Elektromobilität dominierte dann auch die diesjährige IAA. Viele Aussteller präsentierten neue Antriebskonzepte und Techniken, um den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) zu verringern.

Oettinger könnte neuer VDA-Präsident werden

Die Branche mit mehr als 800.000 direkt Beschäftigten in Deutschland steht unter Druck. Unklar ist derzeit auch, wer den einflussreichen Lobbyverband VDA künftig führen wird. Fest steht: Für den früheren Ford-Deutschland-Chef Mattes war es die letzte IAA als VDA-Präsident. Wenige Stunden nach der offiziellen Eröffnung der diesjährigen Messe an der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. September hatte Mattes seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt. Grund soll Kritik an seiner Amtsführung von Herstellerseite gewesen sein. Mattes ist seit März 2018 VDA-Präsident. Als möglicher Nachfolger wurde in Medienberichten EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger genannt.

Im Vorfeld der Eröffnungsfeier hatte es auch noch Ärger um die Rolle von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann von der SPD gegeben: Anders als in den Vorjahren war der OB nicht als Redner vorgesehen. Feldmann veröffentlichte seinen mit Kritik an der Autoindustrie gespickten Redetext dann aber doch. Mattes betonte, das Gesprächsangebot des VDA an Feldmann stehe weiterhin: "Wir haben keine Scheu vor Kritik."

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa

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