Wirtschaft

Geldpolitisches Experiment Schwedens Notenbank kippt Negativzins

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Die schwedische Notenbank steigt aus der Negativzinspolitik aus.

(Foto: imago/Dean Pictures)

Zuletzt lockern weltweit viele Notenbanken ihre Geldpolitik. Die älteste Zentralbank der Welt in Stockholm geht jedoch einen anderen Weg: Nach fünf Jahren mit einem Leitzins im Minusbereich zieht sie die Zügel wieder an. Ein Vorbild für die EZB?

Als erste größere Zentralbank beendet die schwedische Notenbank ihre Negativzinspolitik. Wie die Reichsbank in Stockholm mitteilte, steigt ihr Leitzins von minus 0,25 Prozent auf 0 Prozent. Analysten hatten diesen Schritt weitgehend erwartet, da er seit Längerem durch die Notenbank verbal vorbereitet worden war.

Man gehe davon aus, dass die Inflationsbedingungen gut seien, damit die Teuerung auch künftig nahe an der Zielmarke bleibe, begründete die älteste Zentralbank der Welt ihren Schritt. Die schwedische Krone legte nach der Entscheidung zum Euro zu.

Die Notenbank Schwedens beendet mit ihrem Schritt ein geldpolitisches Experiment - und beginnt zugleich ein neues. Vor etwa fünf Jahren hatte sie ihren Leitzins in negatives Terrain reduziert, um die Aufwertung der Krone zu dämpfen und zugleich die Wirtschaft des skandinavischen Landes anzuschieben.

Mit der Aufgabe dieser Politik reagiert die Reichsbank auch auf zahlreiche Nebenwirkungen negativer Leitzinsen, unter denen vor allem der Bankensektor und traditionelle Anleger mit festverzinslichen Sparanlagen zu leiden haben. Zugleich stemmt sich die Notenbank gegen andere große Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Schweizerische Nationalbank (SNB), die an ihrer Negativzinspolitik festhalten.

"Gelingt in Schweden der Ausstieg aus der Negativzinspolitik, ohne größere wirtschaftliche Blessuren zu hinterlassen, wäre dies regelrecht eine Aufforderung an die EZB, es dem nordischen Beispiel gleich zu tun", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts