Wirtschaft

Ohne AntriebSelbst noch mehr Stellenabbau wird Volkswagen nicht retten

08.07.2026, 16:23 Uhr Ulrich-ReitzEin Kommentar von Ulrich Reitz
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Große Werke garantieren keine großen Gewinne. (Foto: IMAGO/Steinsiek.ch)

Am Donnerstag berät der VW-Aufsichtsrat über das nächste große Sparpaket. Zehntausende Jobs, mehrere Werke - Emden, Hannover, Zwickau, Neckarsulm - stehen zur Debatte. Der beschlossene Abbau von 35.000 gestrichenen Stellen reicht nicht mehr.

Am morgigen Donnerstag entscheidet der Aufsichtsrat über den nächsten tiefen Einschnitt. Ende 2024 hatte sich Volkswagen nach monatelangen Verhandlungen mit den Arbeitnehmern auf den Abbau von 35.000 Stellen bei der Kernmarke geeinigt. Jetzt steht offenbar die nächste Runde bevor. Aus Konzernkreisen ist von deutlich schärferen Maßnahmen die Rede, bis hin zu weiteren Werksschließungen. Offiziell ist das bislang nicht. Doch unabhängig davon, wie viele Arbeitsplätze am Ende tatsächlich wegfallen, steht eines bereits fest: Das erste Sparprogramm hat nicht gereicht.

Die Welt hat sich für Volkswagen dramatisch verändert. Jahrzehntelang war China die Gelddruckmaschine des Konzerns. Nirgendwo verdiente Volkswagen so viel Geld wie dort. Dieses Geschäftsmodell trägt nicht mehr. Chinesische Hersteller haben technologisch aufgeholt, bieten attraktive Elektroautos zu deutlich niedrigeren Preisen an und gewinnen rasant Marktanteile. Ausgerechnet der Markt, der jahrelang die Gewinne für den gesamten Konzern lieferte, ist heute zu seinem größten Problem geworden.

Auch der US-Markt ist keine verlässliche Ertragsquelle mehr. Neue Zölle belasten die Margen, der Wettbewerb wird härter. Gleichzeitig wächst der europäische Automarkt kaum noch. Was früher ein stabiles Fundament war, entwickelt sich zunehmend zu einem Verdrängungswettbewerb. Wer Marktanteile gewinnen will, muss häufig über den Preis gehen – und das kostet Gewinn.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das oft übersehen wird. Volkswagen setzt große Hoffnungen auf eine neue Generation günstiger Elektro-Kleinwagen. Strategisch ist das richtig. Der Konzern muss verlorene Marktanteile zurückerobern. Doch Kleinwagen waren noch nie die Renditetreiber der Branche. Sie können Volumen bringen, aber nur begrenzt Profit. Genau den braucht Volkswagen jedoch, um Milliarden in Software, Batterietechnologie und neue Produktionsplattformen zu investieren.

Sparen verschafft nur Zeit

Besonders alarmierend ist deshalb, dass inzwischen sogar die Premiumtöchter schwächeln. Audi und Porsche waren über Jahre die Renditemotoren des Konzerns. Sie finanzierten einen erheblichen Teil der Investitionen in andere Bereiche. Wenn selbst diese Gewinnmaschinen ins Stottern geraten, verliert Volkswagen nicht nur Umsatz, sondern vor allem Ertragskraft.

Deshalb schauen inzwischen auch die Ratingagenturen genauer hin. Für sie ist nicht entscheidend, ob Volkswagen Beteiligungen verkauft oder kurzfristig Liquidität schafft. Solche Erlöse helfen der Kasse, lösen aber nicht das eigentliche Problem. Entscheidend ist die nachhaltige Profitabilität des operativen Geschäfts. Denn nur sie entscheidet darüber, wie günstig sich der Konzern künftig am Kapitalmarkt finanzieren kann. Sinkt die Ertragskraft dauerhaft, steigen die Finanzierungskosten. Und das würde die größte Transformation der Unternehmensgeschichte zusätzlich erschweren.

Genau deshalb greift die Debatte über Werksschließungen und Stellenabbau zu kurz. Natürlich muss Volkswagen effizienter werden. Natürlich müssen Strukturen überprüft werden. Aber Sparen allein macht keinen erfolgreichen Autobauer. Sparen verschafft Zeit. Mehr nicht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie viele Werke geschlossen werden oder wie viele Arbeitsplätze wegfallen. Die entscheidende Frage lautet: Woher kommen die Gewinne von morgen? Welches Modell wird der nächste große Ertragsmotor? Womit will Volkswagen die Milliarden verdienen, die der Konzern für seine Zukunft dringend braucht?

An dieser Frage wird sich auch die Amtszeit von Oliver Blume entscheiden. Nicht daran, wie viele Stellen er streicht oder welche Fabriken er schließt. Sondern daran, ob es ihm gelingt, Volkswagen wieder zu einem Unternehmen zu machen, das aus eigener Kraft wächst, investiert und nachhaltig Geld verdient. Denn Werksschließungen können Zeit kaufen. Eine Zukunft schaffen sie nicht.

Quelle: ntv.de

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