Wirtschaft
In Kanada gibt es riesige Ölsand-Vorkommen, wie hier am Athabasca-Fluss bei Fort McMurray: Die Förderung ist für Shell aber zu teuer.
In Kanada gibt es riesige Ölsand-Vorkommen, wie hier am Athabasca-Fluss bei Fort McMurray: Die Förderung ist für Shell aber zu teuer.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 28. Oktober 2015

Konzern leidet unter Preisverfall: Shell stoppt Milliardenprojekt in Kanada

Ölmulti Shell muss nach dem Rückzug aus der Arktis ein weiteres Vorhaben aufgeben. Der aufwändige Abbau von Ölsand ist durch den anhaltend niedrigen Ölpreis nicht mehr konkurrenzfähig. Shell muss volle zwei Milliarden Dollar abschreiben.

Der Rohstoffriese Shell nimmt nach seinem Rückzug aus der Arktis den nächsten milliardenschweren Strategieschwenk vor. Das britisch-niederländische Unternehmen stoppt ein Ölsand-Projekt in Kanada. Das Vorhaben sei angesichts der niedrigen Ölpreise nicht mehr konkurrenzfähig, teilte Shell mit. Um die Bilanz an die neue Lage anzupassen, nimmt der Konzern Abschreibungen in Höhe von zwei Milliarden Dollar (rund 1,8 Milliarden Euro) vor. Der niedrige Ölpreis zwinge das Unternehmen zu "harten Entscheidungen", sagte Konzernchef Ben van Beurden.

An der Börse löste die gewichtige Entscheidung kaum sichtbare Reaktionen aus. Nach einem kurzen Kursrutsch am Morgen legte die Shell-Aktie wieder zu und lag zuletzt mit 0,6 Prozent im Plus. Shell kündigte an, die Milliardenbelastung noch im dritten Quartal zu verbuchen, das bereits durch den teuren Stopp des Arktis-Projekts belastet werden dürfte. Seinen Q3-Zwischenbericht will das Unternehmen an diesem Donnerstag vorlegen.

Bohrung in Alaska bereits gestoppt

Vorstandschef van Beurden erklärte das Ende des Ölsand-Projekts Carmon Creek in der kanadischen Provinz Alberta mit einer generellen Überprüfung der Fördermöglichkeiten. Das Unternehmen stelle seine Optionen weltweit auf den Prüfstand und versuche, die Kosten und Risiken für den Konzern im Umfeld niedriger Ölpreise zu bewältigen.

Bereits Ende September hatte Shell seine umstrittenen Probebohrungen vor der Küste Alaskas gestoppt. Als Gründe nannte das Unternehmen mangelnden Erfolg und zu hohe Kosten. Zudem seien die staatlichen Vorgaben "herausfordernd" und unpräzise.

Das Bohren nach Öl und Gas in Alaska ist wegen des fragilen Ökosystems dort sehr umstritten. Die finanziellen Belastungen bezifferte Shell hier auf etwa 3 Milliarden Dollar, bezogen auf den Buchwert des Projektes. Weitere 1,1 Milliarden Dollar dürften für künftige Vertragsverpflichtungen anfallen.

Quelle: n-tv.de