Wirtschaft

Nach Vorfällen in Chemnitz Siemens-Chef fürchtet um Deutschlands Ruf

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Siemens-Chef will Offenheit und Toleranz "auch in eigenem Interesse" fördern.

(Foto: picture alliance / Peter Kneffel)

Die Ausschreitungen von Chemnitz sorgen in der ganzen Welt für Schlagzeilen. Siemens-Chef Kaeser sieht Deutschlands Image in Gefahr und befürchtet negative Folgen für die Wirtschaft.

Siemens-Chef Joe Kaeser sieht durch die Vorfälle in Chemnitz das Ansehen Deutschlands in der Welt beschädigt. "Wir exportieren in Deutschland nicht nur Produkte, sondern auch Werte. Wir tragen eine besondere Verantwortung wegen unserer Geschichte, das dürfen wir nicht vergessen", sagte Kaeser den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Vorfälle wie die in Chemnitz schaden dem deutschen Ansehen in der Welt. Da gibt es kein Vertun."

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Der Konzernchef fürchtet auch direkte Auswirkungen für Siemens im Wettbewerb um Fachkräfte. Dies sei "ein Thema, das man ernst nehmen muss", sagte Kaeser. "Wir haben über 378.000 Kollegen weltweit und fast 130.000 in Deutschland. Alle diese Mitarbeiter müssen sich wohlfühlen, egal welcher Herkunft sie sind." Die Vielfalt der Mitarbeiter sei ein Teil der Stärke des Unternehmens. "Deswegen müssen wir Werte wie Offenheit und Toleranz auch in eigenem Interesse fördern."

In Chemnitz war es nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in den vergangenen Tagen mehrfach zu Demonstrationen rechter Gruppierungen wie der AfD gekommen, es gab auch Angriffe auf Ausländer. Wegen der Tötung sitzen zwei Männer aus Syrien und dem Irak in Untersuchungshaft. Am Samstag hatten in Chemnitz laut Polizei rund 8000 Menschen an einer Kundgebung von AfD, Pegida und Pro Chemnitz teilgenommen, an der Gegenveranstaltung unter dem Motto "Herz statt Hetze" rund 3000. Bei den Kundgebungen wurden nach Polizeiangaben 18 Menschen verletzt, es gab mindestens 37 Anzeigen unter anderem wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung.

Quelle: ntv.de, uzh/AFP