Politik

Vereinzelt Gewalt bei Demos In Chemnitz wurden 18 Menschen verletzt

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Rund 3000 Menschen protestierten in Chemnitz am Samstag gegen Fremdenfeindlichkeit.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die meisten Demonstranten in Chemnitz bleiben friedlich. Jedoch nicht alle und so gibt es Verletzte und Dutzende Anzeigen. Die Polizei beschäftigt nun unter anderem ein Angriff auf die Gruppe eines SPD-Politikers. Die Proteste sind noch nicht vorbei.

In Chemnitz hat die Polizei nach den Kundgebungen Bilanz gezogen: Demnach wurden am Samstag 18 Menschen verletzt. Darunter seien auch drei Beamte, die beim Zurückdrängen von Demonstranten Blessuren erlitten, teilte die Polizei in Chemnitz mit. In einer ersten Bilanz war von neun Verletzten die Rede gewesen. Sachsens Innenminister Roland Wöller sprach von einem weitgehend friedlichen Verlauf.

Insgesamt 11.000 Anhänger der rechten Szene und Gegendemonstranten waren am Samstag in Chemnitz auf die Straße gegangen. An der Demonstration "Herz statt Hetze" nahmen nach Polizeiangaben rund 3000 Menschen teil, 8000 Demonstranten an den Kundgebungen von AfD, Pegida und Pro Chemnitz.

Auch die Zahl der Straftaten stieg von mindestens 25 auf mindestens 37. Darunter waren Fälle von Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz. Diese Zahl könne noch steigen, erklärte die Polizei. Für sie gelte es nun, rasch zu ermitteln, insbesondere den Angriff auf die Gruppe des SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol. Er hatte am Samstag getwittert, seine Gruppe aus Marburg sei auf dem Weg zum Bus "von Nazis überfallen" worden. Alle SPD-Fahnen seien zerstört worden, einige seiner Begleiter seien "sogar körperlich angegriffen" worden. Er selbst sei zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend gewesen.

Afghane von Vermummten angegriffen

Zudem wurde der Polizei zufolge abseits der Demonstrationsorte ein 20-jähriger Afghane von vier Vermummten angegriffen und leicht verletzt. Es wurden Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen. Es werde geprüft, ob es sich bei den Tätern um ehemalige Versammlungsteilnehmer handele. Außerdem sei ein MDR-Kamerateam in einer Privatwohnung angegriffen worden. Dabei sei ein Mitarbeiter des Teams verletzt worden.

Die "übergroße Mehrzahl der Teilnehmer" habe friedlich von ihrem Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht, lautete die Bilanz von Sachsens Innenminister Wöller. Um die Gruppen auseinanderzuhalten, sei allerdings ein erhebliches Polizeiaufgebot erforderlich gewesen. Denn aus dem ganzen Bundesgebiet seien auch Teilnehmer in "unfriedlicher Absicht" angereist.

Weitere Proteste an diesem Sonntag

Wegen des Todes des 35-jährigen Deutschen vom vergangenen Wochenende sitzen zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen in Untersuchungshaft. Danach kam es zu Demonstrationen in der Stadt, an denen sich gewaltbereite Rechtsextreme beteiligten. Dabei gab es auch Angriffe auf Ausländer.

Zu weiteren Demos gegen Rechts kamen an diesem Sonntag etwas weniger als 1000 Menschen. An der Kundgebung der Evangelisch Kirche unter dem Motto "Wir in Chemnitz - aufeinander hören - miteinander handeln" nahmen nach vorläufigen Polizeiangaben knapp 700 Menschen teil, an einer weiteren Demonstration linker und bürgerlicher Kräfte demnach rund 150. Die Veranstaltung verliefen friedlich und störungsfrei, sagte ein Polizeisprecher.

Musiker geben Gratis-Konzert gegen Rechts

Am Montag wollen Musiker in Chemnitz unter dem Motto "Wir sind mehr" gegen Rassismus und Gewalt ansingen. Bei dem Gratis-Konzert treten unter anderem die Toten Hosen, Kraftklub und die Band Feine Sahne Fischfilet auf. Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel rief im Deutschlandfunk dazu auf, sich klar gegen Rechtsradikalismus zu stellen: "Liebe Leute, bitte, bitte, bitte: Zeigt auf der Straße, dass wir nach wie vor die Mehrheit sind."

Sänger Clueso sagte der "Welt am Sonntag", er wünsche sich, "dass wir alle wieder zusammenfinden, auf einen Grundkonsens kommen, zu einer Haltung, einem gemeinsamen Verständnis, das uns alle, die wir hier leben, verbindet". Demokratie sei auch Arbeit. "Aber jetzt und hier müssen wir klare Grenzen ziehen und 'Nein' sagen zu Rassismus und Gewalt." Der Slogan des Konzerts "#wirsindmehr" tauchte am Freitagabend auch beim Berliner Konzert der Rockband U2 auf der riesigen Videoleinwand auf.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa