Wirtschaft

"Holpriger als erwartet" Siemens-Laborsystem mit längerem Anlauf

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Der Konzern Siemens Healthineers braucht bei Atellica einen längeren Atem.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auf der "Atellica"-Laborstraße ruhen die Hoffnungen bei Siemens Healthineers. Doch die Markteinführung verläuft langsamer als geplant. Die langfristigen Pläne müssen korrigiert werden. Die Aktionäre sollen darunter aber nicht leiden.

Die Medizintechnik-Sparte von Siemens kommt wegen der holprigen Einführung ihres neuen Labordiagnostik-Systems nicht recht voran. "Es lief holpriger als erwartet", räumte Vorstandschef Bernd Montag ein, der seit Oktober persönlich das Zukunftsprojekt "Atellica-Laborstraßen verantwortet. "Wir haben uns zu lange auf die reinen Auslieferungen konzentriert." Dank geringerer Zinszahlungen legte der Gewinn des MDax-Unternehmens aber deutlich zu. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren.

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Das Unternehmen hat unterschätzt, wie lange es dauern würde, bis die Geräte tatsächlich bei den Kunden laufen, so dass es zu dauerhaften, laufenden Umsätzen mit Reagenzien kommt, die 90 Prozent des Geschäfts in der Sparte ausmachen und das zukünftige profitable Wachstum bringen sollen.

Beim Umsatz übertraf Siemens Healthineers im Geschäftsjahr 2018/19 per Ende September mit 14,5 Milliarden Euro das Vorjahresniveau um sechs Prozent, weil die dominierende Sparte Bildgebung (Röntgen, Computertomografie, MRT) einen Endspurt hinlegte, wie das Unternehmen mitteilte. Doch die bereinigte operative Gewinnmarge lag mit 17,3 Prozent nur leicht über Vorjahr und unterhalb der mindestens 17,5 Prozent, die Vorstandschef Bernd Montag im August in Aussicht gestellt hatte.

Renditeziel verschoben

Von den "Atellica"-Laborstraßen, dem Hoffnungsträger der Diagnostik-Sparte, hat Siemens Healthineers im abgelaufenen Geschäftsjahr 1820 Exemplare ausgeliefert. Zuletzt hatte Montag das Ziel von 2200 bis 2500 auf 1800 gesenkt. Bis die Sparte die angepeilte operative Umsatzrendite von rund 15 Prozent erreicht, werde es bis 2024 dauern, räumte Healthineers ein. Bisher sollte sie das bis 2022 schaffen.

Zuletzt lag die Marge bei Diagnostics bei 9,3 Prozent, das operative Ergebnis brach um 17 Prozent ein. Bei Imaging (Bildgebung) stieg das operative Ergebnis um 18, bei Advanced Therapies (Operationsroboter und andere Geräte) um 14 Prozent. "Wir gehen die Herausforderungen bei Diagnostics entschlossen an, während wir die starken Positionen von Imaging und Advanced Therapies weiter ausbauen", sagte Vorstandschef Montag.

Ergebnis pro Aktie als Maß der Dinge

Unter dem Strich aber blieb mit knapp 1,6 Milliarden Euro gut ein Viertel mehr als im Vorjahr. Grund war eine geringere Zinsbelastung. Aktionäre sollen eine um 10 auf 80 Cent je Anteilsschein angehobene Dividende erhalten. Der Münchner Industriekonzern Siemens hält seit dem Börsengang im März 2018 noch 85 Prozent an der Tochter. Damit fließen gut 680 Millionen Euro in die Zentrale.

Für das laufende und die nächsten Jahre setzt sich Siemens Healthineers höhere Ziele. Der Umsatz soll 2019/20 um fünf bis sechs Prozent wachsen, in den beiden folgenden Geschäftsjahren um jeweils rund fünf Prozent. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie erwartet Healthineers nach zuletzt 1,70 Euro im laufenden Jahr einen Zuwachs von sechs bis zwölf Prozent, für die folgenden Jahre rund zehn Prozent. Dies wird die neue Zielgröße bei Siemens Healthineers. Bislang war die Marge das Maß der Dinge.

Mit der Vorlage der Zahlen gab Montag den Startschuss für die Strategie bis 2025. Sie setzt verstärkt auf den Ausbau der Präzisionsmedizin, auf technologiegestützte Dienste für Krankenhäuser sowie computergestützte Diagnostik. Dabei will das Unternehmen stärker wachsen als der Markt und neue Märkte erschließen. Gezielt will Montag dabei die großen Krankenhausbetreiber ansprechen. Die Finanzziele reichen nur bis zum Geschäftsjahr 2021/22.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/DJ