Wirtschaft

Gutes erstes Quartal Siemens trotzt der Corona-Pandemie

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Siemens überrascht Analysten mit deutlich höheren Zahlen im ersten Quartal als erwartet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mitten in der Corona-Krise kann sich Siemens über gute Zahlen im neuen Geschäftsjahr freuen. Vor allem in China sei das Geschäft "signifikant gewachsen", teilt das Unternehmen mit. Nun überlegt der Konzern sogar, seine Prognosen für 2020/21 nach oben zu schrauben.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser kann sich Anfang Februar mitten in der Corona-Krise voraussichtlich mit einem unerwarteten Gewinnzuwachs verabschieden. Nach vorläufigen Zahlen haben die beiden Kern-Sparten Industrie-Automatisierung und Infrastruktur im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (per Ende September) den operativen Gewinn jeweils deutlich gesteigert und damit auch die Analysten überrascht. Die Zug-Sparte Mobility hielt ihr Ergebnisniveau zwischen Oktober und Dezember trotz der Krise, wie der Münchner Technologiekonzern mitteilte.

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Im Kerngeschäft habe Siemens sogar von den Beschränkungen in der Corona-Pandemie profitiert, weil man sich Reisekosten und Marketingaufwand sparte. Konsolidierte Zahlen - einschließlich der börsennotierten Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers - will der Konzern erst zur Hauptversammlung am 3. Februar nennen, auf der Kaeser nach mehr als sieben Jahren an der Spitze von Siemens den Hut nimmt.

Operativ hat sein Nachfolger Roland Busch schon seit Oktober das alleinige Sagen. Wenn Siemens Healthineers im ersten Quartal nicht hinter den Analystenerwartungen zurückbleibt, winkt Siemens im Industriegeschäft ein operatives Ergebnis (angepasstes Ebita) von mehr als zwei (Vorjahr: 1,53) Milliarden Euro und ein nahezu stabiler Umsatz von 13,0 (13,1) Milliarden Euro. Analysten trauten dem Konzern bisher nur 1,67 Milliarden Euro Ebita und 12,7 Milliarden Umsatz zu.

Geschäft in China "signifikant gewachsen"

Die vorläufigen Quartalszahlen trieben die Siemens-Aktie im späten Handel um drei Prozent auf ein Jahreshoch von 126,30 Euro. Getrieben wurde Siemens von der Nachfrage aus China, das die Krise als Ursprungsland der Pandemie weitgehend überstanden hat. Dort sei das Geschäft "signifikant gewachsen, erklärte Siemens. Am besten lief es bei Digital Industries, wo der Konzern Anlagen und Software zur Industrie-Automatisierung verkauft.

Das Ebita des Aushängeschildes schnellte um 57 Prozent auf 848 Millionen Euro nach oben, nachdem sich das kurzzyklische Geschäft mit den hohen Margen schnell wieder erholt hat. Analysten hatten Siemens hier im Schnitt gut 250 Millionen weniger zugetraut. Der Umsatz von Digital Industries legte währungsbereinigt um fünf Prozent auf 3,76 Milliarden Euro zu. Die Sparte Smart Infastructure, die sich mit Bau- und Infrastruktur-Technik befasst, steigerte das Ebitda um 39 Prozent auf 391 Millionen Euro, der Umsatz erhöhte sich währungsbereinigt um vier Prozent. Die Verkehrstechnik-Sparte Mobility blieb beim Umsatz zwar leicht hinter den Analystenschätzungen zurück, hielt das Ebitda aber mit 219 Millionen Euro auf dem Vorjahresniveau - vor dem Corona-Ausbruch.

Dank einiger Zug-Großaufträge schnellten aber die Orders des Alstom-Konkurrenten um zwei Drittel nach oben. Siemens Healthineers will seine Quartals-Geschäftszahlen am 1. Februar vorlegen. Analysten erwarten dann im Schnitt ein Ebita von 550 (492) Millionen Euro. Der Medizintechnik-Sparte, die auch ins Geschäft mit Corona-Tests eingestiegen ist, könnte die Pandemie sogar Rückenwind geben.

Nach dem gelungenen Start überlegt Siemens offenbar, seine Prognosen für 2020/21 nach oben zu schrauben. Bis 3. Februar werde man "den Ausblick überprüfen", hieß es in der Mitteilung. Eigentlich hatte Finanzvorstand Ralf Thomas damals erwartet, dass das Geschäft nach der Krise erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres wieder anziehen werde. Das sollte Siemens dann zu einem "moderaten" Umsatzzuwachs von drei bis fünf Prozent verhelfen. Der Nettogewinn sollte im gleichen Maß zulegen.

Quelle: ntv.de, hny/rts