Wirtschaft

Babyblues und -boom in der Krise Singapur zahlt Corona-Bonus für mehr Kinder

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Singapur will endlich mehr Babys. Doch in der Pandemie vergeht den Menschen offenbar die Lust auf Kinder.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bisher sind die Geburtsraten in großen Krisen immer hochgeschnellt. In der Corona-Pandemie ist das Bild jedoch gemischt. Während einige Länder explodierende Geburtenzahlen erwarten, versucht Singapur mit Tausenden Dollar Lust auf Familiengründung zu machen.

Die Corona-Pandemie verändert vieles. In manchen Regionen der Welt gehört dazu offenbar auch die Bereitschaft, sich fortzupflanzen. Was einige Forscher bereits vor Monaten vorhergesagt hatten, belegt jetzt die Geburten-Statistik von Singapur: Laut der Regierung ist die Fertilität im kleinsten und gleichzeitig reichsten Staat in Südostasien in der Corona-Krise noch weiter zurückgegangen.

Das Problem: Singapur hatte schon vor der Seuche eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Auf eine Frau kommen hier im Schnitt gerade mal 1,14 Kinder. Das ist die vierttiefste Fertilitätsrate der Welt. Für die Erhaltung einer Bevölkerung wären jedoch mindestens 2,1 Babys pro Frau nötig.

Seit Jahren versucht die Regierung mit finanziellen Anreizen für Familiengründung zu werben. Im Rahmen des bisherigen Bonus-Systems konnten Eltern bereits mit bis zu umgerechnet 7300 Dollar für ein Kind rechnen. Überzeugt hat das die Bürger aber bislang nicht. Denn die Zahlen sind rückläufig geblieben. Dass in der Pandemie das monatliche Durchschnittseinkommen von 4435 Dollar auf 3738 Dollar gesunken ist, verschlimmert die Situation. Damit die pandemiebedingten Sorgen um Arbeitsplatz und Lohn keine Gründe gegen Kinder sind, will die Regierung den bisherigen Anreiz nun noch vergrößern.

Es solle die Menschen finanziell beruhigen, sagte der stellvertretende Premierminister von Singapur, Heng Swee Keat, diese Woche vor Abgeordneten. "Wir haben die Rückmeldung erhalten, dass Covid-19 einige Menschen veranlasst, ihre Pläne Eltern zu werden, zu verschieben", zitiert die BBC den Vize-Premier. Die Summe will er zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Zusammenhang zwischen Pandemie und Fertilitätsrate

China zeigt dasselbe Phänomen wie Singapur: Anfang 2020 schrumpfte die Zahl der Neugeborenen auf den niedrigsten Stand seit der Gründung der Volksrepublik - trotz der Lockerung der Ein-Kind-Politik. Im Schnitt bekommt eine Chinesin noch 1,6 Kinder.

In einer Studie aus dem Juli hatten Forscher der italienischen Bocconi-Universität den Zusammenhang zwischen Pandemie und Fertilitätsrate untersucht, wobei sie nicht nur zu dem Schluss gelangten, dass sich die weltweite Fruchtbarkeit im vergangenen Jahrhundert - abhängig von den Einkommensverhältnissen - stark verändert hat, sondern auch zu der Überzeugung, dass die Geburtenraten in Ländern mit höherem Einkommen in Zukunft weiter schrumpfen werden.

"Länder mit hohem Einkommen, Schwellenländer und die meisten städtischen Regionen innerhalb der Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen [erreichten] ungefähr eine Fruchtbarkeit von 2,1 Kindern pro Frau", schreiben die Autoren. Einige Länder würden aber auch auf 1,3 Kinder pro Frau abstürzen. So wie im Fall von Singapur oder China. Je reicher ein Land ist, desto schneller würgen finanzielle Probleme den Wunsch nach Familiengründung offenbar ab.

Geburtenexplosion in Indonesien und Philippinen

Ärmere südostasiatische Länder wie Indonesien oder die Philippinen belegen auch die entgegengesetzte These der Forscher, wonach in den ärmsten ländlichen Gebieten der Welt nach wie vor hohe Geburtenraten die Norm sind. Auch hier verstärkt die Pandemie den Trend. Indonesien und die Philippinen rechnen mit einem regelrechten Baby-Boom in der Corona-Krise.

Laut UN dürften die ungewollten Schwangerschaften auf den Philippinen um fast die Hälfte auf 2,6 Millionen hochschnellen, sollte die Pandemie-Lage mit zahlreichen Einschränkungen bis zum Jahresende gleich bleiben. "Diese Zahlen sind an sich schon eine Epidemie", zitiert die BBC die örtliche Sprecherin der UN, Aimee Santos. Schon heute haben die Philippinen mit 108,4 Millionen die zweithöchste Bevölkerung in Südostasien, gleichzeitig ist es einer der ärmsten Staaten Asiens.

Dass in ärmeren Ländern eine bewusste Entscheidung zum Kinderkriegen gefällt wird, bedeutet dies nicht. In Indonesien zum Beispiel standen die Frauen im Lockdown vor den verschlossenen Türen ihrer Gesundheitszentren, hier erhalten die Ärmeren ihre Antibabypillen.

Quelle: ntv.de, ddi