Wirtschaft

Merz fordert mehr ZusatzvorsorgeSo hoch sind private und betriebliche Renten bisher

21.04.2026, 18:40 Uhr Christina-LohnerVon Christina Lohner
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In der gesetzlichen Rente sieht Kanzler Merz künftig "allenfalls noch die Basisabsicherung". (Foto: picture alliance / SvenSimon)

Die wenigsten Rentner erhalten eine private Zusatzrente. Betriebsrenten sind bereits eine tragende Säule im Alter, bisher aber nur in Westdeutschland. Die zusätzliche Vorsorge neben der gesetzlichen Rentenversicherung nimmt außerdem wieder ab. Dabei handelt es sich ohnehin oft um geringe Beträge.

Seit der Riester-Reform vor einem Vierteljahrhundert soll neben der gesetzlichen Rente eine zusätzliche betriebliche oder private Vorsorge den Lebensstandard im Alter sichern. Doch das Mehrsäulensystem funktioniert nicht, wie die Deutsche Rentenversicherung bedauert - und gar die Frage stellt, ob ein ganz neues Leitbild der Alterssicherung nötig sei. Denn weder die Verbreitung noch die Höhe der Zusatzvorsorge genügten: "Die empirischen Daten zeigen erhebliche Defizite."

So viel wird zusätzlich vorgesorgt

Inzwischen sorgen demnach sogar weniger Arbeitnehmer zusätzlich vor als noch vor zehn Jahren. 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sorgen gar nicht zusätzlich vor. Rund 62 Prozent der Beschäftigten haben laut dem Alterssicherungsbericht 2024 des Arbeitsministeriums eine betriebliche Altersvorsorge und/oder einen Riester-Vertrag. Fünf Jahre zuvor lag die Quote noch bei zwei Dritteln, 2015 bei 70 Prozent.

Wer ein geringes Einkommen hat, sorgt deutlich seltener vor als Menschen mit hohem Einkommen. Der durchschnittliche Eigenbeitrag in der betrieblichen Vorsorge lag nach Angaben der Rentenversicherung zuletzt bei 2,9 Prozent des Bruttolohns. Riester-Versicherte sparten in ähnlicher Größenordnung, hinzu kommen die Arbeitgeberbeiträge und Zulagen. Um das abgesenkte Rentenniveau zu kompensieren, betrug das vom Ministerium ausgegebene Sparziel mit vier Prozent des Bruttolohns allerdings deutlich mehr.

So hoch ist die gesetzliche Rente

Friedrich Merz pocht nun auf mehr Zusatzvorsorge. "Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter", mahnte der Kanzler. "Sie wird nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern." Es seien zusätzlich "kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung" nötig. "Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben." Die schwarz-rote Koalition arbeitet zurzeit an einer Reform der Rentenversicherung. Die Riester-Rente wurde bereits reformiert, sie wird nächstes Jahr von einem neuen staatlich geförderten Vorsorgemodell abgelöst.

Allein mit der gesetzlichen Rente lässt sich in vielen Fällen schon lange nicht mehr der Lebensstandard halten. Die durchschnittlich ausgezahlte Rente nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge lag bei Männern, die 2024 altersbedingt in Rente gingen, bei 1340 Euro pro Monat. Rentnerinnen kamen laut dem aktuellen Rentenversicherungsbericht des Arbeitsministeriums auf rund 980 Euro. Wobei niedrige gesetzliche Renten nicht unbedingt niedrige Gesamteinkommen bedeuten, im Gegenteil: Geringe Renten werden meist durch weitere Einkünfte oder den Partner ausgeglichen, wie aus dem Alterssicherungsbericht hervorgeht.

So viel Betriebsrente wird gezahlt

In der jetzigen Rentnergeneration spielen Betriebsrenten bereits eine entscheidende Rolle, nicht aber private Zusatzrenten. Die betriebliche Altersvorsorge bildet laut Alterssicherungsbericht die zweiwichtigste Einkommenskomponente fürs Alter. 27 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen ab 65 Jahren erhalten eine Rente aus einer betrieblichen Altersversorgung. Bei ehemaligen Arbeitnehmern der Privatwirtschaft sind es gut ein Drittel der Männer und 17 Prozent der Frauen.

Bei den Männern im Ruhestand ist nicht nur der Anteil der Empfänger einer Betriebsrente doppelt so hoch wie bei den Frauen, sondern auch der Geldbetrag. Männlichen Beziehern ab 60 Jahren bleiben nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung sowie Einkommensteuer im Schnitt rund 520 Euro Betriebsrente pro Monat, den Empfängerinnen nicht einmal 270 Euro.

Große Unterschiede zeigen sich auch zwischen West- und Ostdeutschland. In den alten Bundesländern erhielten demnach zuletzt 39 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen, die in der Privatwirtschaft beschäftigt waren, eine Betriebsrente. In den ostdeutschen Ländern konnten nur 13 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen darauf bauen. Die Zahlungen sind im Westen außerdem deutlich höher: im Schnitt knapp 540 Euro netto bei den männlichen Empfängern, rund 280 Euro bei den Bezieherinnen. In Ostdeutschland lagen die Beträge mit gut 300 Euro bei Männern und knapp 180 Euro bei Frauen weit darunter.

So gering sind private Renten

Private Renten inklusive Riester-Renten und Renten aus Lebensversicherungen beziehen laut Alterssicherungsbericht nur acht Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen ab 65 Jahren. Der Durchschnittsbetrag ab 60 Jahren betrug demnach zuletzt fast 200 Euro netto bei den Männern und knapp 170 Euro bei den Frauen.

Dabei bestehen ebenfalls große Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Bei den Männern, die in westdeutschen Bundesländern wohnen, lag der durchschnittliche Betrag mit 210 Euro weit über den gut 120 Euro in ostdeutschen Ländern. Bei den Rentnerinnen lagen die Werte mit fast 180 Euro im Westen und weniger als 110 Euro im Osten ebenfalls weit auseinander.

Die Durchschnittswerte ergeben sich zudem aus einer großen Spannbreite: Gut ein Fünftel der männlichen Bezieher einer privaten Rente und fast ein Drittel der Empfängerinnen erhielten zuletzt weniger als 50 Euro. Bei beiden Geschlechtern lag der Betrag bei mehr als einem Viertel zwischen 50 und 100 Euro. Die Hälfte aller Beziehenden erhält damit weniger als 100 Euro aus der privaten Vorsorge.

So hoch sind die Gesamteinkommen von Rentnern

Die Gesamteinkommen von Rentnern liegen zumindest im Schnitt trotzdem weit über den gesetzlichen Renten, ganz abgesehen von Vermögenswerten wie etwa einem Eigenheim. Von den Rentnerhaushalten mit mindestens einer Bezugsperson ab 65 Jahren verfügten laut dem jüngsten Rentenversicherungsbericht Paare im Jahr 2023 über ein monatliches Nettoeinkommen von gut 3670 Euro. Alleinstehende Männer erhielten demnach fast 2130 Euro, alleinstehende Frauen knapp 1840 Euro.

Gut die Hälfte aller Bruttoeinkommen der Seniorenhaushalten stammen aus der gesetzlichen Rentenversicherung, knapp ein Viertel aus anderen Alterssicherungssystemen wie zum Beispiel der Beamtenversorgung oder den berufsständischen Versorgungswerken. Nur sechs Prozent entfielen zuletzt auf die private Vorsorge.

Quelle: ntv.de

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