Milliarden-Deal besiegeltSo teuer wird Deutschlands Einstieg bei KNDS

Vom Familienunternehmen zum Staatsprojekt: Mit dem Einstieg bei KNDS sichert sich Berlin Einfluss auf einen der wichtigsten Waffenhersteller Europas. Doch der Deal hat seinen Preis.
Nach monatelangem Tauziehen hat sich der Staat zu einem Einstieg beim Panzerbauer KNDS durchgerungen. Nach dem für den Sommer geplanten Börsengang will der Bund eine Beteiligung von 40 Prozent halten und wäre damit gleichauf mit Frankreich. Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Was steckt hinter KNDS?
KNDS ist ein Schwergewicht der europäischen Verteidigungsindustrie und stellt bekannte Waffensysteme wie den Kampfpanzer Leopard 2, den Schützenpanzer Puma und die Panzerhaubitze 2000 her. Künftig soll der Konzern zudem den Radpanzer Boxer in großen Stückzahlen für die Bundeswehr produzieren. Das Unternehmen entstand 2015 durch die Fusion des Münchner Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und des französischen Unternehmens Nexter. Anlass für den Zusammenschluss waren die damals schrumpfenden Verteidigungsetats Europas. Heute nutzen 24 europäische Streitkräfte die Systeme der Allianz. Aktuell befindet sich KNDS noch im Besitz der deutschen Eigentümerfamilien von KMW sowie der französischen Regierung.
Wie steht der Rüstungskonzern wirtschaftlich da?
Die Geschäfte laufen glänzend: Angetrieben durch die weltweite Aufrüstung übersteigt der Auftragsbestand von KNDS inzwischen deutlich die Marke von 20 Milliarden Euro. Der Löwenanteil dieser Bestellungen kommt aus Deutschland. Der Konzern, der seinen rechtlichen Sitz in Amsterdam hat, wird seit einem Jahr von dem Franzosen Jean-Paul Alary geleitet. Im Jahr 2024 erwirtschaftete KNDS mit rund 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von etwas weniger als vier Milliarden Euro. Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.
Warum gab es in der Bundesregierung so langen Streit über den Einstieg?
Deutschland hatte zwar frühzeitig Interesse bekundet, über einen Einstieg Einfluss auf KNDS zu nehmen. In der Regierung gab es aber Differenzen über die Höhe der Beteiligung und die Bedeutung eines Gleichgewichts mit Frankreich. Allerdings drängte die Zeit, da KNDS signalisiert hatte, mit dem für Juni/Juli geplanten Börsengang nicht auf den Bund warten zu wollen.
Hinter den Kulissen stritten vor allem das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) und das Verteidigungsressort von Boris Pistorius (SPD). Pistorius wollte 40 Prozent, da der Produzent des Leopard-2-Kampfpanzers als Schlüssel-Unternehmen für die deutsche Aufrüstung gilt. Reiche favorisierte aus marktwirtschaftlichen Gründen 30 Prozent. Auch CSU-Chef Markus Söder hatte sich für eine starke deutsche Staatsbeteiligung ausgesprochen, da die großen Produktionsstandorte von KNDS in Bayern liegen.
Wie reagiert KNDS auf den staatlichen Einstieg?
KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders begrüßt den Schritt, will aber die staatliche Dominanz bald eindämmen: "Ziel muss sein, über Zeit die Staatsanteile deutlich abzuschmelzen", sagte der ehemalige Airbus-Chef. Am Ende sollten Deutschland und Frankreich zusammen weniger als 50 Prozent halten. Nationale Sicherheitsinteressen sollten in erster Linie über Aufträge und spezifische Vereinbarungen gesichert werden und nicht über Mehrheitsbeteiligungen, sagte Enders.
Gibt es schon konkrete Pläne für einen späteren Rückzug?
Ja, ein solcher Fahrplan existiert bereits. Die Regierungen in Berlin und Paris haben sich laut einem deutschen Regierungsvertreter bereits über die künftige Machtverteilung verständigt: Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre soll der Staatsanteil beider Länder parallel auf jeweils 30 Prozent sinken.
Worauf kommt es bei der künftigen Führung des Unternehmens an?
"Entscheidend bei den anstehenden Verhandlungen wird sein, dass KNDS jetzt auch eine börsentaugliche Governance und Regeln erhält, die die Agilität des Unternehmens sowie seine Wettbewerbsfähigkeit, technologische und finanzielle Exzellenz und weitere europäische Konsolidierung ermöglichen", betonte KNDS-Verwaltungsratschef Enders.
Konkret geht es dabei um die Sitzverteilung im Verwaltungsrat und die Mitspracherechte bei operativen Fragen. Die politische Einigung sieht vor, dass Deutschland und Frankreich unabhängig von der exakten Aktienquote stets die gleichen Stimmrechte behalten. Grundlegende Entscheidungen über Standorte oder Arbeitsplätze können somit nur im Konsens getroffen werden.
Wer hält die Anteile bislang?
Derzeit halten die Familien Bode und Braunbehrens die Hälfte der Anteile an KNDS, Frankreich die andere Hälfte. Die Familien wollen allerdings den milliardenschweren Börsengang zum Ausstieg nutzen. Sie scheuen den wachsenden Kapitalbedarf des Unternehmens im Zuge der Expansion und den Staatseinfluss bei einer Konsolidierung der Branche in Europa. Die genauen Modalitäten des staatlichen Kaufs müssen mit den Familien allerdings noch final verhandelt werden.
Um welche Summen geht es bei dem Deal für den Bund?
Der endgültige Kaufpreis steht noch nicht fest. Laut Regierungsangaben wird sich der Preis, den der Bund zahlt, strikt nach dem offiziellen Ausgabepreis der Aktien beim Börsengang richten. Zu- oder Abschläge für das staatliche Großpaket gibt es nicht.
Beim Börsengang wollen die Eigentümerfamilien und Frankreich jeweils einen Anteil von zehn Prozent zum Verkauf stellen, so dass dann zunächst 20 Prozent der KNDS-Aktien im Streubesitz wären. In Finanzkreisen wird der Gesamtwert von KNDS derzeit auf bis zu 20 Milliarden Euro taxiert. Für das 40-Prozent-Paket müsste die Bundesrepublik demnach bis zu acht Milliarden Euro aufbringen.
Ist der Bund noch an anderen Rüstungskonzernen beteiligt?
Ja. Kurz nach dessen Börsengang im Jahr 2020 übernahm der Bund über die staatliche Förderbank KfW eine Beteiligung von 25,1 Prozent am Radar- und Sensorspezialisten Hensoldt. Berlin hatte sich bereits vorher eine Kaufoption vom damaligen Hensoldt-Großaktionär KKR gesichert.