Wirtschaft

"Bürger sind coronamüde" Sommerbuchungen steuern auf Vorkrisenniveau zu

Wer in diesem Sommer endlich mal wieder verreisen möchte, sollte sich zügig Gedanken übers Buchen machen. Denn die Reisebranche erwartet nach zwei Jahren Pandemie eine Rückkehr der Buchungen zum Niveau von 2019. Auch ins Ausland wagen sich wieder mehr Deutsche.

Die Reiselust fiel in den vergangenen beiden Jahren oft der Corona-Krise zum Opfer, doch nun planen wieder deutlich mehr Deutsche Urlaubsreisen. Zumindest für den Sommer hofft die Branche auf eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau. "Bei den eingehenden Buchungen tut sich was", berichtet die Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV), Kerstin Heinen, ntv.de. "Wir sind zwar noch nicht beim Niveau von 2019, aber im Sommer können wir an das Vorkrisenniveau herankommen." Dabei wollen auch wieder mehr Urlauber ins Ausland.

DER Touristik zum Beispiel geht angesichts einer "sehr guten Nachfrage" von einer starken Sommersaison aus, wie Sprecherin Angela de Sando ntv.de mitteilt. "Wir rechnen damit, dass ab Mitte des Jahres die Buchungsnormalität wieder Einzug hält und die Nachfrage das Vor-Pandemie-Niveau erreichen kann."

Auch Tui erwartet ein Sommergeschäft wie vor Corona. Da die Buchungen wieder deutlich anziehen, hat der größte Touristikkonzern seine Flieger bereits in die Frühjahrssaison auf Mallorca starten lassen. Im Lauf der Saison sollen erstmals seit Pandemiebeginn wieder alle Hotels auf den Balearen zur Verfügung stehen. Die Lufthansa verzeichnet ebenfalls hohe Buchungszahlen für die kommende Urlaubssaison. Auf einzelnen Strecken in Europa seien die Buchungen bereits dreimal so hoch wie vor der Pandemie.

Preise teils noch niedriger als vor Corona

Am liebsten urlauben die Deutschen in ihrem Heimatland, was dem DRV zufolge in der Corona-Krise noch verstärkt wurde. Der Anteil an allen Reisen ab fünf Tagen sei im vergangenen Jahr von rund einem Viertel auf etwa die Hälfte gestiegen. Doch die Neubuchungen bei den Flugpauschalreisen machen der Branche nun Mut, dass die Urlauber wieder mehr ins Ausland reisen, auch wenn hier wohl noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht werde.

Im Moment buchten wieder mehr Kunden Reisen in die beliebten Länder Spanien, Griechenland und Türkei. "Wahrscheinlich werden auch Portugal und Kroatien wieder dazukommen", prognostiziert Heinen. Bei DER buchen die Kunden für den Sommer derzeit am häufigsten für die Türkei, Griechenland, Mallorca, Ägypten und Italien. Bei den Fernzielen zeigten die USA, die Karibik und der Indische Ozean eine erfreulich hohe Nachfrage.

Die Preise für Urlaubsreisen sind laut DRV stabil, die Kunden gäben aber mehr Geld für ihren Urlaub aus. "Die Ausgabebereitschaft steigt", sagt Heinen. Manche buchen zum Beispiel ein schickeres Hotel, andere bleiben länger. DER berichtet sogar von günstigeren Preisen als vor der Pandemie. "In den Zielgebieten Türkei, Bulgarien, Griechenland, Ägypten, Balearen, Kuba und Dominikanische Republik sind sie im Sommer 2022 um rund 20 bis 25 Prozent günstiger als im Vor-Corona-Sommer 2019", rechnet die Sprecherin vor. "Wir gehen aber davon aus, dass sich die Preise wieder auf Vor-Pandemie-Niveau bewegen werden, wenn sich Angebot und Nachfrage auf einem normalen Niveau eingependelt haben."

Corona spielt bei Reiseziel keine große Rolle

Das Gesamtjahr wird für die Branche trotzdem noch nicht an 2019 herankommen, wie der DRV klarstellt. Denn für den aktuellen Winter liefen die Buchungen noch schleppend. In der kalten Jahreszeit werden in der Regel mehr Fernreisen gebucht, beim Flug ins Warme sind die Deutschen aber noch zurückhaltend. Auch wenn in diesen Tagen zahlreiche Länder ihre Grenzen wieder für Touristen öffnen, wie am Dienstag etwa Vietnam. Beim Gesamtjahr hofft die Branche, 2023 wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen, spätestens 2024.

Schon jetzt ist bei den Buchungen der klassische Januar-Peak zurück, wie das Analysehaus TDA feststellt, wenn auch noch nicht auf Vor-Corona-Niveau. Um den Jahreswechsel herum gaben 57 Prozent der Deutschen an, in diesem Jahr in den Urlaub zu fahren. Das ergab eine nun veröffentlichten GFK-Umfrage im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco. "Die Bürger sind coronamüde und wollen nicht mehr rund um die Uhr mit der Pandemie konfrontiert werden", sagt der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt. Etwa jeder Fünfte ist laut der Umfrage noch unentschlossen, ebenso viele planen für dieses Jahr keine Urlaubsreise.

Nur gut ein Viertel gab an, Corona beeinflusse das Reiseziel, zum Beispiel niedrige Inzidenzen oder bei der Entscheidung zwischen In- und Ausland. Die Sorgen, dass die Reise kurzfristig abgesagt werden muss und dadurch Kosten entstehen sowie in Quarantäne zu müssen, trieben mit je 24 Prozent mehr Befragte um als die Angst, sich im Urlaub anzustecken (19 Prozent) oder das Virus mit nach Hause zu bringen (17 Prozent). Zu strenge Corona-Regeln vor Ort befürchteten mit 59 Prozent außerdem deutlich mehr als zu lockere Auflagen. Reinhardt: "Die Bürger sehnen sich nach Sonne, Strand und Meer, wollen wieder unterwegs sein und dabei möglichst die Unsicherheit daheim lassen."

Quelle: ntv.de, mit dpa und rts

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