Wirtschaft

Gewaltexplosion nach Trump-Sieg Soros investiert gegen Hass in USA

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Nach der Schlacht ist vor der Schlacht: Clinton-Unterstützer Soros macht jetzt richtig mobil gegen Trump.

(Foto: REUTERS)

Hakenkreuze, Hassbotschaften, Hitlergruß - Nach Trumps Sieg häufen sich die Übergriffe gegen Einwanderer, Muslime und Schwarze. Mit seiner "Rhetorik" habe der nächste US-Präsident "dunkle Mächte" entfesselt, sagt Star-Investor Soros.

US-Star-Investor George Soros ist mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Dollar sechs Mal reicher als der zukünftige US-Präsident Donald Trump. Ob das ein Vorteil ist, muss sich noch zeigen. Aber der Holocaustüberlebende mit ungarischen Wurzeln gedenkt diesen Vorsprung in seinem Kampf gegen den neuen Hausherrn im Weißen Haus auf jeden Fall zu nutzen.

Nach Trumps Überraschungssieg will der Unterstützer der gescheiterten demokratischen Präsidentschaftsanwärterin Hillary Clinton zehn Millionen Dollar über seine Stiftung gegen sogenannte Hassverbrechen investieren -  um eine "Katastrophe zu verhindern", wie der 86-Jährige der "New York Times" diese Woche sagte.

Die Zahl der "Hate Crimes" in den USA ist nach dem 8. November sprunghaft angestiegen. Mehr als 700 Berichte über Belästigung und mögliche Hassverbrechen zählte das Southern Poverty Law Center der Zeitung zufolge nach der Wahl. Offizielle Statistiken liegen zwar noch nicht vor, aber die Zahlen, die das FBI kürzlich präsentierte, deuten einen Trend an. Hassverbrechen haben demnach im vergangenen Jahr um sechs Prozent zurgenommen. Die Übergriffe auf Muslime sollen im Vergleich zu 2014 sogar um 67 Prozent gestiegen sein.

"Gegen dunkle Mächte angehen"

Es gebe hunderte Berichte, unter anderem über Schmierereien von Hakenkreuzen an Autos und Häusern, beklagte Soros. Trumps Fremdenfeindlichkeit würde sich in der Bevölkerung immer mehr ausbreiten. Opfer seien nicht nur Migranten, sondern auch Schwarze, Homosexuelle, Muslime sowie andere Minderheiten. "Direkt verantwortlich" für diese Exzesse sei die "hetzerische Rhetorik" Trumps und seiner Anhänger während des Wahlkampfs. "Dunkle Mächte sind erwacht", sagte er. "Wir müssen etwas tun, um dagegen anzugehen."

Wie Soros der "New York Times" weiter erklärte, geht es ihm bei seiner Geldspende zwar nicht um ein politisches Statement. Trotzdem gilt er als einer der einflussreichsten Strippenzieher in der "Democracy Alliance", einem Sammelbecken superreicher Unterstützer der Partei von Clinton und Obama. Die Allianz ist liberal und distanziert sich klar von Trumps Diskrimierung von Muslimen. Kritiker bemängeln allerdings die Abgehobenheit dieser Gruppe, einfache Parteimitglieder seien hier unerwünscht.

Vor zwei Wochen trafen sich laut dem Onlineportal "Politico" rund 100 Gewerkschaftsbosse, Parteikader und Intellektuelle der Allianz, um im noblen "Mandarin Oriental Hotel" in Washington drei Tage lang einen Schlachtplan gegen Trump auszuarbeiten. Laut Agenda ging es explizit darum, eine "Kriegsführung gegen Trump vom ersten Tag an" zu entwickeln. Der "Hundert-Tage-Plan" des designierten Präsidenten soll möglichst effektiv vereitelt werden.

Hitlergruß und "Heil Trump!"-Rufe

Trump sieht sich nicht in der Schuld. Er habe mit den Übergriffen nichts zu tun haben, sagte er in einem Interview mit CBS News. Er sei traurig darüber. Die Zuschauer rief er dazu auf, diese zu stoppen. Auf die Frage der "New York Times" zu einer Konferenz von Neonazis, bei der er gefeiert wurde, sagte er, er verdamme dies und wolle nichts damit zu tun haben. Bei dem Treffen sollen Anwesende den Hitlergruß gezeigt und "Heil Trump" gerufen haben.

Gleichzeitig verteidigte er aber auch seinen umstrittenen künftigen Strategiechef im Weißen Haus, Stephen Bannon. Kritiker werfen diesem vor, er sei ein Rassist. "Wenn er Rassist oder ein Rechter wäre, würde ich nicht darüber nachdenken, ihn zu beschäftigen", sagte Trump.

Bannon hat sich im Wahlkampf als Hardliner und radikaler Provokateur erwiesen. Er ist Chef des erzkonservativen Webportals Breitbart News, das sich in den vergangenen Jahren als regelrechtes Sammelbecken für Rechtspopulisten im Internet entwickelt hat. Auch die Aktivitäten von Soros wurden hier thematisiert. Unter anderem wurde dem Multimilliardär vorgeworfen, über die von ihm mitbegründete Gruppe "Democracy Alliance" Gelder freigegeben zu haben, um mindestens eine Wahlkampfveranstaltung Trumps zu stören.

Soros ist Jude. Er überlebte mit seiner Familie die Besetzung Ungarns durch die Nazis. Er hat sich nicht nur dem Geldverdienen, sondern auch dem Kampf gegen totalitäre Tendenzen verschrieben. Es ist nicht das erste Mal, dass er eine hohe Summe für Migranten spendet. Erst Mitte September nahm er 500 Millionen Dollar in die Hand, um die Integration von Flüchtlingen in Europa voranbringen.

Geld allein wird jedoch nicht reichen, die Dämonen, die Trump gerufen hat, wieder in die Flasche zu zwängen. Der demokratische Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, hat in dieser Woche eine neue Polizeieinheit und ungenannte "weitere Schritte" angekündigt, um die "Explosion von Hassverbrechen in unserem Staat" zu bekämpfen.

Quelle: n-tv.de, ddi

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